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Montag, 08. November 1999

Nachdem ich gestern so früh ins Bett gegangen bin, ist es nicht verwunderlich, daß ich relativ zeitig aufstehe. Ich benütze die Zeit, um die Webseiten für das Hochladen vorzubereiten, Briefe zu schreiben und mit den Hausaufgaben zu beginnen. Wir haben richtig viel aufbekommen, so daß ich nicht einmal fertig werde. Als ich mich zum Mittagessen auf den Weg mache, denke ich heute sogar daran, den Müll herauszustellen. Die Mensa scheint sich nicht nach irgendwelchen Gesetzmäßigkeiten zu füllen. Heute ist die Schlage 30 Meter lang. Dafür geht es trotzdem zügig voran. Im Internetcafé endlich einmal ein richtig voller Briefkasten. So gefällt mir das. Sogar eine Nachricht vom Direx (nicht zu verwechseln mit DirectX, das gibt es jetzt schon in der Version 7.0) ist dabei. Ich soll morgen um 11.15 Uhr in sein Büro kommen. Ich bin gespannt.

Das Hochladen klappt wieder nicht. Schon nach dem Anmelden erscheint die Nachricht: Diese Seite ist nicht mehr auf dem Server. Ich sollte langsam mal ein Feedback an Tripod geben. Vielleicht haben die mich ja auch schon rausgeschmissen, weil ich so schlecht über sie berichtet habe. Ich will doch gar nichts böses, ich will nur einmal pro Woche meine Homepage aktualisieren. Warum ist das so schwierig? Jedenfalls bin ich dadurch früher fertig mit meiner Web-Sitzung und stecke in dem Dilemma, daß sich das nach Hause gehen nicht mehr lohnt, das Warten im Centro de las Lenguas Modernas jedoch zu lange dauern würde. So laufe ich noch ein bißchen ziellos durch die Stadt und setze mich auf eine Bank, bis es Zeit für den Sprachkurs ist. Auf dem Rückweg spreche ich dann auch mit deutschen Kursteilnehmern nur noch Spanisch. Zum ersten Mal habe ich das Gefühl, daß ich einigermaßen sprechen kann. Natürlich erzählen wir uns Nebensächlichkeiten, aber wichtig ist, das wir viel sprechen.

Das nehme ich mir zu Herzen und beginne eine Unterhaltung mit Guillermo, was bisher immer zur Katastrophe ausartete. Kein Wunder, wenn ich erst 10 Minuten überlege, den Mund aufmache und dann einen Fehler einbaue, so daß er mich nicht gleich versteht, daß ich dann schnell aufgeschmissen und hilflos bin. Heute aber klappt es, wir führen einen Dialog. In dieser Stimmung verbleibe ich und schreibe einen spanischen Brief. Dabei schlage fast gar nichts im Wörterbuch nach. Ich bin stolz auf mich, hatte ich doch schon geglaubt, gar keine Fortschritte mehr zu machen. Ich muß weiterhin viel Sprechen, aber es liegt mir nicht besonders, Smalltalk zu führen. Aber von nun an werde ich mit jedem der mir über den Weg läuft jeden Furz besprechen. Damit mache ich für heute Schluß mit der Selbstbeweihräucherung. Mal sehe wie es morgen wird, Ada will mir die Haare schneiden. Vielleicht komme dabei ja auch mal zu Wort.

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Dienstag, 09. November 1999

Der Weg zum Informatikzentrum wird immer weiter. Ich sollte mir doch wieder ein Fahrrad kaufen. Zu Fuß benötige ich fast eine Dreiviertelstunde. Prof. Molina Soriano kommt nur zwei Minuten zu spät und bittet mich dann, weitere fünf Minuten zu warten. Dann aber hat er erstaunlich viel Zeit für mich. Er gibt sich wirklich mühe, spricht langsam und wiederholt sich öfter, damit ich auch ja alles mitbekomme. Leider ist mein betreuender Assistent, der sich mir als Juan Miguel vorgestellt hat, nicht ganz so ruhig beim Sprechen. Ich verstehe also nur in Ansätzen, worum es eigentlich geht. Aber das wichtigste bekomme ich mit. Es geht um Bilddatenbanken mit Oracle8i. Man gibt mir eine CD mit der Oracle-Dokumentation, in die ich mich erst mal einlesen sollte. "Du hast doch sicherlich einen PC hier, oder?" Für Informatikstudenten offenbar selbstverständlich. Und ich kam mir schon komisch vor wegen meines Notebooks. Es werden noch einige Formalitäten erledigt, damit ich morgen einen Account bekommen kann. Das Paßwortvergabeverfahren kommt mir aus eigener Erfahrung bekannt vor. Ein Herr im Alter von ca. 40 Jahren liest mir die UserID vor. Dann schweifen seine Augen über seinen Schreibtisch, und mein Paßwort ist dann plötzlich der Firmenname, der auf einem der Briefe steht.

Weil es für die Mensa noch zu früh ist, laufe ich ein wenig durch die Stadt. Dabei werde ich Zeuge eines Unfalls. Zum Glück für mich nicht richtiger Zeuge, denn ich schaue erst hin, als ich es krachen gehört habe. Ein Autofahrer ist leichtsinnigerweise rechts an den Straßenrand gefahren und hat nicht gesehen, daß dort ein Mopedfahrer zwischen ihm und den parkenden Autos durchfahren wollte. Der Mopedfahrer ist stinksauer und trommelt dem Autofahrer auf das Dach und auf die Motorhaube. Da wohl nichts ernsthaftes passiert ist, beruhigen sie sich bald wieder. Als ich ein paar Schritte weitergehe, höre ich sie schon gar nicht mehr streiten. Ich setze meinen Streifzug fort und werfe einen Blick in die Telefonläden (ich kann es einfach nicht lassen). Mittlerweile bietet Airtel 21.000 Ptas. "en llamadas" mit den Handys für 10.000 an. Auch Karten zum Aufladen sind zu diesem Preis zu haben. Verlockendes Angebot, zumal mein Handy in der letzten Zeit öfter Probleme gemacht hat. Aber wann soll ich jemals 250 DM vertelefonieren? Außerdem habe ich bestimmt noch 40 DM auf der Karte. Ich habe in der Schachtel, in der meine Telefonkarte verpackt war, einen Zettel gefunden, auf dem handschriftlich geschrieben steht, daß diese Karte mit 10.000 Ptas. aktiviert sei. Das erklärt auch, warum ich immer noch Reserven habe, denn mehr als die angegebenen 4.000 Ptas. habe ich sicher schon verbraten. Zum Glück ist es rechtzeitig Mittagszeit, so daß ich zum Essen gehen kann, ohne noch länger zu grübeln.

Um 16.00 Uhr findet im Internet irgendein Wachwechsel statt. Bis 16.00 Uhr war kein Zugriff auf Tripod möglich, ich konnte bei GMX aber mailen. Anschließend ist es umgekehrt. Immerhin ist die Homepage jetzt wieder auf dem neusten Stand. Ich bin auf dem Account im Informatikzentrum gespannt. Man hat mir allerdings ausdrücklich zu verstehen gegeben, daß ich den Account nur für das Projekt nutzen darf. Aber ein paar eMails werden doch wohl drin sein? Ich werde es schon nicht übertreiben. Was soll man mit 4MB Plattenspeicher auch schon groß anfangen? Anschließend gehe ich nach Hause, um mir von Ada die Haare schneiden zu lassen. Sie erzählt eine ganze Menge, aber ich verstehe fast gar nichts. Das war wohl mit meiner gestrigen Euphorie bezüglich meiner Sprachkenntnisse etwas (stark) übertrieben. Jetzt jedenfalls habe ich eine Frisur, die auch beim Bund wieder durchgehen würde. Ich hatte sie so verstanden, daß sie 1 - 1,5 cm abschneiden wollte, jetzt stehen nur noch in etwa soviel da. Dafür ist der Ansatz auf der linken Seite höher als auf der rechten. Den Nacken hat sie mir auch nicht ausrasiert. Dafür war der Haarschnitt billig.

Den Rest des Tages verbringe ich damit, die Dokumentation zu lesen. Ich soll mich in ein oder zwei Tagen per Mail melden, wenn ich die Einführung gelesen habe. Das klingt fast so als wüßten die auch noch nicht so genau, wie und womit es weitergehen sollte, wir hätten doch eigentlich schon gleich einen neuen Termin ausmachen können.

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Mittwoch, 10. November 1999

Nachdem ich meine Hausaufgaben erledigt habe, beginne ich den langen Fußmarsch zur ETSII (Escuela Técnica Superior de Ingenería Informática). Dort will ich meinen Account ausprobieren. Gleich nach dem Einschalten des Rechners erscheint auf dem Bildschirm ein Foto der Schule und ein Login-Fenster. Meine UserID ist bekannt und ich kann das Betriebssystem auswählen. Ich habe die Wahl zwischen MS-DOS, Windows 95 und Linux (Red Hat 5.2 und Slackware 3.0). Ich entscheide mich für Red Hat. Zunächst wird das Betriebssystem über das Netz geladen, dann auf die lokale Festplatte kopiert und entpackt. Ein ziemlich zeitaufwendiges Verfahren. So dauert es einige Zeit, bis ich endlich eine Shell offen habe. Linux läuft nur im Textmodus. Wahrscheinlich muß man den XServer von Hand starten, wozu ich aber nach dem Eintippen aller mir bekannten Namen von Mail-Clients keine Lust mehr verspüre. Ich melde mich also wieder ab und versuche es mit Windows 95. Nach einigen Minuten habe ich eine grafische Oberfläche vor mir. Immerhin Netscape 4.0, MS Office 97 und Eudora Light 3.0 stehen zur Verfügung. Zu dem noch zahlreiche Programme für wissenschaftliche Anwendungen (wie z.B. Mathematica). Eudora funktioniert mit Diskette, die ich erst formatieren muß. Anschließend soll ich für die Konfiguration die Namen von POP3- und SMTP-Server angeben. Woher soll ich die kennen?

Ich starte Netscape und durchsuche die Web-Seiten der ETSII nach Online-Dokumentationen, weil ich nicht glauben kann, daß man die Benutzer der Praktika-Räume so allein läßt. Dort finde ich einen Hinweis auf ein Dokument, einen "guía de accesso a la red". Vielleicht verbergen sich dahinter ja Informationen zu meinem Problem. Man soll es am Kopierschalter bekommen. Als ich dort danach frage, blickt man mich an, als käme ich von einem anderen Stern. Man schickt mich zur den Operateueren, dort soll ich Informationen erhalten. Eine solche Broschüre gibt es nicht, bekomme ich zu hören. Man bietet mir aber Hilfe beim Konfigurieren von Eudora-Light an. Doch der Chef der Abteilung ist damit auch überfordert. Er fragt jemanden um Rat. Schließlich bekomme ich gesagt, daß ich nicht mailen könne, weil ich keinen PIN hätte. Ich müsse ihn erst im Sekretariat beantragen. Es ist natürlich schon nach eins, weshalb das Sekretariat schon geschlossen hat. Immerhin läuft mit Juán Miguel über den Weg und bittet mich, morgen um 11.30 Uhr in sein Büro zu kommen.

Nach dem Mittagessen beantworte ich den Brief, den ich bekommen habe. Ich habe immerhin auf Firemail zugreifen können, deshalb konnte ich meine Mailbox checken. Der Sprachkurs ist heute enorm anstrengend. Ein Kursmitglied hat in der Mittagspause dem Alkohol zugesprochen und unterhält den Kurs mit schmutzigen Geschichten, die sogar noch die von Jerónimo toppen. Dieser ist auch kaum zu verstehen, eben weil der Angetrunkene so laut erzählt. Nachdem die zwei Stunden endlich vorbei sind, treffe ich mich wie verabredet mit Kai. Wir gehen zunächst in eine Bar, in der es leckere Fisch-Tapas gibt. Anschließend gehen wir in eine Bodega, um einen Sherry zu trinken. Außerdem genehmigen wir uns ein "Alhambra 1925", das schmeckt richtig gut. Die Bodega ist ungewöhnlich eingerichtet. Der Raum ist fast eine Halle, an der Decke hängen jede Menge Neonröhren. Wäre die Einrichtung nicht so dunkel, dann würde man wahrscheinlich geblendet. Am Rand stehen kleine Tische und Bänke, der Platz dazwischen und der Theke ist frei. Wahrscheinlich als Stehplatz. Wenn der kleine Fernseher über der Theke am Wochenende ein wichtiges Fußballspiel zeigt, dann ist hier bestimmt der Bär los. Danach besuchen wir noch zwei andere Bars. In der ersten Verkehren vorzugsweise alte Männer. Nicht einer außer uns und den Barkeepern ist jünger als 60. Trotzdem hat man nicht das Gefühl, an einer Rentnerveranstaltung teilzunehmen. Allerdings fühle ich mich deutlich underdressed, denn die Herren sind - typisch andalusisch - in Anzug und Krawatte unterwegs.

Später stößt noch Christian dazu, mit dem wir dann die Straße überqueren, um in einer modernere Bar mit jüngeren Leuten einzutauchen. Ohne Vorsatz bin ich dann doch nach einiger Zeit ganz ordentlich betrunken. Das kommt davon, wenn man nicht richtig zu Abend ißt und dann alles mögliche durcheinander trinkt (Bier, Sherry, Wermut, Rum, ???). Nichtsdestotrotz gibt es immer noch Leute, die betrunkener sind. Von so einem lasse ich mich dann ansprechen. Zunächst fragt er nach einer Zigarette, dann wo ich herkomme. Er will unbedingt zeigen, daß er Englisch sprechen kann, also würgt er mein Spanisch gleich ab. Er führt einen Affentanz auf von wegen "die Deutschen sind Weltmeister usw.". Ich beende das Gespräch mit "Das war ´90". So trete ich um zwei Uhr den Heimweg an. Nach einigen hundert Metern durch die frische Nacht fällt mir ein, daß ich meine Tasche in der letzten Bar gelassen habe. Also kehre ich dorthin zurück. Zum Glück ist der Laden nicht allzu voll und die Tasche steht noch immer an ihrem Platz. Der Heimweg zieht sich endlos, bis ich ganz schön fertig zu Hause ins Bett falle. Ich denke noch mit etwas grausen an meinen Termin morgen früh und stelle den Wecker. Hoffentlich verschlafe ich nicht.

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Donnerstag, 11. November 1999

Ich bin zwar früh wach, das Aufstehen fällt trotzdem nicht leicht. Zum Glück habe ich keine Kopfschmerzen, aber mein Kreislauf macht mir etwas zu schaffen. Immerhin schaffe ich es rechtzeitig zur ETSII. Dann jedoch brauche ich 10 Minuten, bis ich das Juán Miguels Büro gefunden habe. Ich klopfe an der Tür, werde hereingebeten und für weitere fünf Minuten hinausgeschickt. Dann klemmt er mich unter den Arm und geht mit mir in den Praktikumsraum. Dort zeigt er mir, wie man die Windows 95-Version mit Oracle-Client starten kann. Desweiteren führt er mir vor, wie ich den Acrobat Reader zu starten habe, um die Dokumentation zu lesen, und wie ich SQL*Plus starten kann. Er läßt sich leider nicht darüber aus, was ich denn nun eigentlich tun soll. Ich frage mehrfach nach einem genauen Thema der Studienarbeit und bekomme dann die Antwort, er wisse es nicht. Er hat bestimmt nicht verstanden, was ich eigentlich will. Leider bin ich auch nicht in der Lage, ihm mitzuteilen, wo mein Problem liegt. Die Dokumentation habe ich gelesen, mit SQL*Plus bin ich fit, da brauche ich mich nicht einzuarbeiten. Das hätte ich ihm wohl sagen sollen, habe aber nicht daran gedacht. Außerdem verstehe ich ihn so gut wie überhaupt nicht. Ich frage zwar immer wieder nach, wenn er aber im dritten Anlauf sich immer noch nicht bequemt, den Mund zu öffnen, habe ich wohl kaum eine Chance. Ich präge mir einzelne Vokabeln ein, die fallen, um sie zu Hause nachzuschlagen. Ich habe ihn wohl richtig verstanden. Für das Wochenende, an dem das Wetter schlecht werden soll, nehme ich mir vor, eine Liste mit allen Fragen aufzustellen, die ich nächste Woche mit ihm abarbeiten werde. Wenn ich ihn wieder nicht verstehe, schicke ich sie ihm per eMail.

Durch dieses Gespräch ist es schon nach 13.00 Uhr, d.h. das Sekretariat ist wieder geschlossen. Dafür kann ich in die Mensa gehen, denn ich habe geradezu einen Heißhunger auf richtig fettiges Essen. Die Paella ist da genau das Richtige, allerdings schmeckt der Rotwein heute nicht besonders (was wohl nicht am Wein liegt). Nach einem kurzen Besuch im Internetcafé gehe ich nach Hause, um noch ein bißchen Schlaf nachzuholen (=siesta). Am Nachmittag treffe ich mich mit Kai, um dem Fahrradladen (Maxi heißt er übrigens) einen Besuch abzustatten. Vorher jedoch gehen wir in einen Airtelladen, weil Kai ein Problem mit seinem Telefon hat. Dort sitzt ein ziemlich deutlich sprechender Mann, der uns aber gleich an jemand anders verweist. Ich glaube meinen Ohren nicht zu trauen. Ein Spanier spricht uns in fließendem, umgangssprachlichem Deutsch an. Der muß lange in Deutschland gelebt haben, sonst könnte er so nicht sprechen. Das Problem klärt sich und wir gehen in den Fahrradladen. Dort gibt es nur ein einziges Mountain-Bike, daß er mir für morgen fertig machen will. Für Kai läßt sich nichts brauchbares auftreiben, die anderen Fahrräder, die angeboten werden sind ihr Geld nicht wert.

Wir statten einem anderen Fahrradladen einen Besuch ab, doch der hat nur ein gebrauchtes Mountain-Bike für 520 DM. Das Sonderangebot im Schaufenster 29.000 Ptas. macht bei näherer Betrachtung keinen soliden Eindruck. Das Wetter ist mittlerweile auch nicht mehr sehr einladend zum Fahrradfahren den es beginnt zu regnen. So verbringe ich den Rest des Tages zu Hause, trinke ein Bier auf das Wohl eines Geburtstagskindes und teste den ZX-Spektrum-Emulator, der auf der CD einer Computerzeitschrift (PC-Format) zur Installation angeboten wird. Neben dem ROM-Image werden auch einige Spiele mitgeliefert. Es ist schon erstaunlich, welche Entwicklung im Computerspielebereich sich in den letzten 15 Jahren ereignet hat. Die meisten Spiele sind von 1984 und zeichnen sich durch piepsigen Sound und kaum zu erkennende Grafik aus. Aber Nostalgie-Effekte sind durchaus dabei. Zwar habe ich nie einen ZX-Spektrum gesehen, geschweige den einen besessen, aber die ersten 64er Spiele, die ich kennengelernt habe, waren von ähnlicher Qualität.

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Freitag, 12. November 1999

Da das Wetter heute ziemlich trist ist, verbringe ich den Vormittag zu Hause. Ich finde genügend Beschäftigung bis zum Mittagessen. Als ich mich auf dem Weg in die Mensa mache, stelle ich fest, daß ich die völlig falsche Kleidung trage. Es ist nicht nur trüb, sondern auch ziemlich kalt. Die Gemütlichkeit der Spanier scheint verschwunden zu sein. Die anderen Leute laufen fast genau wie ich durch die Gegend, um möglichst schnell ihr (warmes) Ziel zu erreichen. Als wenn sich die Köche darauf eingestellt haben, gibt es eine heiße Suppe als Vorspeise. Das Hauptgericht besteht aus Putenteilen, die in einer halben Tonne Knoblauch gewendet worden sind. Leider ist der Rotwein kühlschrankkalt. Bei meinem anschließenden Besuch im Internetcafé kann ich keine Nachrichten lesen, aber das Verschicken klappt. Neben mir sitzen zwei Vierzehnjährige und spielen Quake (für Nicht-Computerspieler: Der 3D-Shooter überhaupt, in Deutschland natürlich auf dem Index für jugendgefährdende Medien). Die Flüche, die die beiden dabei von sich geben, sind fallen aber auch in diese Kategorie. Also bringt der Sprachkurs doch etwas. Klasse, meinen Betreuer der Studienarbeit verstehe ich nicht, aber zwei fluchende "Coca-Colos".

Bevor ich zum Sprachkurs gehe, will ich beim Fahrradladen vorbeischauen. Ich glaube nicht, daß das Fahrrad schon fertig ist. Doch als ich aus der Haustür trete, sehe ich, daß der Fahrradladen gar nicht geöffnet hat. Das Gitter ist heruntergelassen. So kommt es, daß ich bereits fünf Minuten vor sechs im Centro de las Lenguas Modernas bin. Außer mir ist noch niemand da. Ich warte bis zehn nach, dann erst trudeln die ersten Kursteilnehmer ein, gemeinsam mit Jerónimo. Heute scheint überhaupt niemand Lust zu haben. Konzentration ist nicht leicht, wenn eine solch Unruhe herrscht. Die Klasse wird in Dreiergruppen aufgeteilt, und wir bearbeiten eine Aufgabe. Leider verstehen wir in unserer Gruppe die Arbeitsanweisungen nicht, so daß unsere Ergebnisse unbrauchbar sind. Das führt nicht unbedingt dazu, daß sich die Laune von Jerónimo bessert. Die Pause ist (wohl deshalb) heute länger als eine Viertelstunde. Er unterhält sich mit einer Frau. Immerhin setzen wir so schon ohne ihn den Unterricht fort. Unser Thema lautet "Hipótesis" und "Klatsch und Tratsch". Darüber scheint Jerónimo gar nicht so begeistert zu sein. "Das war meine Nachbarin!" "Ja, genau!" Um die durch die verlängerte Pause verlorene Zeit wieder aufzuholen, legt er ein irrsinniges Tempo vor. Es geht um indirekte Rede, und wie sich die Zeiten dabei verändern. Wir sollen eine Übung machen, die uns aber überfordert, weil scheinbar allen das Vorwissen fehlt. So sind alle überglücklich, als wir dann nach fünf Minuten Überziehen mit der Aufgabe durch sind. Hoffentlich verbessert sich das Klima nächste Woche, so kann es nicht weitergehen.

Anschließend geht fast der ganze Kurs geschlossen in eine Bar. Ich bin zunächst unschlüssig denn eigentlich will ich nach Hause. Aber wenn sich schon mal die Gelegenheit bietet, warum nicht. Vielleicht trägt das ja zur Verbesserung des Kursklimas bei. Die Tapaskultur ist schon eine feine Sache. Man bestellt sich ein Bier oder irgendein anderes Getränk und bekommt dazu gleich etwas zu Essen. Nichts großartiges, aber eben kleine Häppchen. In dieser Bar (ich sollte mir angewöhnen, beim Betreten oder Verlassen auf das Schild zu achten, denn ich weiß leider nicht, wie der Laden heißt) gibt es belegte Brötchen mit Schinken, die eigentlich eher nach Berlinern schmecken. Bestimmt gibt es auch einen spanischen Namen dafür. Wer ihn kennt, kann mir ja Bescheid geben.

Der Nachhauseweg wird zur Qual. Es ist wirklich götterkalt. Das Thermometer zeigt nur noch 6 °C an. Außerdem läßt sich der Reißverschluß meiner (Sommer-)Jacke nicht schließen. Vielleicht sollte ich mich doch nochmal nach einer dickeren Jacke umsehen. Nun kommt noch hinzu, daß die Luft feucht ist, weil es geregnet hat. Natürlich habe ich wieder Wäsche auf der Leine. Das Frieren lohnt sich, ich werde Zeuge einer außergewöhnlichen Auseinandersetzung. Mein Begleiter entdeckt seine indische Ader (sein Vater ist Inder) und feilscht mit einem Straßenhändler um einen Regenschirm. Zwischenzeitlich habe ich die Befürchtung, der Straßenhändler, ein kräftiger Schwarzer, ginge gleich auf uns los. Doch wird er plötzlich zahm wie ein Lamm und rückt den Schirm für 500 Ptas. statt der verlangten 1000 Ptas. heraus. Unglaublich. Von mir hätte er wahrscheinlich 1500 Ptas. verlangt (und wohl auch bekommen).

Als ich die Wohnung betrete, schlägt mir eine Hitzewelle entgegen. Die Heizung bollert, was mir, inzwischen doch ziemlich durchgefroren, sehr entgegen kommt. Ich wärme mich beim Abendessen ordentlich durch, dann ziehe ich mich in mein Zimmer zurück. Dort brauche ich die Heizung nicht, weil die Nachbarwände genügend Wärme abstrahlen. So kann man Geld sparen oder wenn man wie ich Warmmiete bezahlt, etwas gutes für die Umwelt tun.

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Samstag, 13. November 1999

Ich wache um 6.00 Uhr auf, weil es eiskalt im Zimmer ist, ich hätte doch die Heizung einschalten sollen. Das hole ich jetzt nach. Ich habe das Gefühl, daß sie nicht funktioniert. Da ich aber nicht warten will, bis sie warm wird verkrieche ich mich gleich wieder unter meiner Bettdecke. Gut, daß ich meine warme Decke mitgenommen habe. So richtig schlafen kann ich aber nicht mehr. Um 7.00 Uhr schreien sich irgendwelche Leute auf der Straße an. Wahrscheinlich Bauarbeiter. Es ist so laut, daß ich das Gefühl habe, sie stünden bei mir im Zimmer. Ansonsten dringen nur wenig Geräusche in mein Zimmer, nachts um zwei oder drei ist es lauter. Aber gerade deswegen stört das Geschrei so.

Heute ist so ein Tag, an dem ich zu gar nichts Lust habe. Ich hänge also ab, schaue gegen Mittag im Fahrradladen und bei Mercadona vorbei, um den obligatorischen Wochenendeinkauf zu tätigen. Der Mechaniker bei Maxi schraubt gerade an meinem Fahrrad. Ein Hinterrad ist schon dran, welches einen ziemlich guten Eindruck macht. Wenn der Rest auch so gut wird, will ich gerne 10.000 Ptas oder auch 11.000 Ptas. zahlen. Bis ich das Rad bekommen kann, ist noch einiges an Arbeit zu erledigen. Ich werde auf Montag Nachmittag vertröstet. Mittlerweile kenne ich das ja schon und bin weder überrascht noch enttäuscht. Obwohl sich das Wetter gebessert hat, so daß man eine Fahrradtour machen könnte.

Bei Lands Of Lore III komme ich auch trotz Komplettlösung nicht weiter. Ein Aufzug soll mich zurückbringen, aber er weigert sich, mich mitzunehmen. Dafür klappt das Kochen heute gut. Ich will eine indische Gemüsesuppe zubereiten, statt Lauch nehme ich aber den großen Rest Sellerie, den ich noch von letzer Woche übrig habe. Da Kühlschränke in Spanien nicht auf 6-8 °C sondern auf 2-3 °C eingestellt sind, hält sich Gemüse erstaunlich lange frisch. Gut, gekauft hätte ich den Sellerie nicht mehr, so wie er aussieht, aber er riecht noch einigermaßen. Die frischen Tomaten substituiere ich durch den Rest Tomatenmark, die Zuckerschoten durch eine Dose Erbsen. Bleiben vom Orginalrezept nur noch die Gewürze ...

Die heiße Suppe tut richtig gut, denn ich bin total durchgefroren. Die Heizung setzt erst abends ein. Deshalb genieße ich die Wärme und bleibe zu Hause. Ich telefoniere mit Kai und verabrede mich für morgen früh mit ihm, weil wir einen Markt besuchen wollen.

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Sonntag, 14. November 1999

Der Wecker reißt mich aus dem Schlaf. Wir haben verabredet, daß ich anrufe, wenn ich wach bin. Andernfalls würde Kai mich wachklingeln. Ich habe keine Lust aufzustehen. Noch viel weniger möchte ich um diese Zeit das laute Klingeln meines Telefons hören, also rufe ich an. Wir verabreden uns für eine halbe Stunde später. Ich muß mich beeilen, um rechtzeitig zu erscheinen, aber mir werden Steine in den Weg gelegt. Zuerst muß ich Pepito aus dem Badezimmer vertreiben, dann muß ich mich beim Duschen vorsehen, denn eine riesige Kakerlake sitzt am Duschvorhang. Irgendwie eklig, die Viecher. Zum Glück sind sie träge. Jedenfalls wasche ich gerade noch in der Küche mein Frühstücksgeschirr ab, da erinnert mich Kai daran, daß es schon mehrere Minuten über die Zeit ist.

Wir nehmen den Bus Richtung Markt. Aus dem Fenster kann ich einen Bowl mir mehreren Curbs und Handrails erkennen. Vielleicht sollte ich da mal mit dem Board vorbeischauen. Der Bus jedenfalls fährt nicht seine übliche Route, sondern weicht ein bißchen ab, so daß wir noch ein gutes Stück zu Fuß gehen müssen. Daß die Busse hier keinen Fahrplan haben, finde ich schon ungewöhnlich, aber daß sie ihre gewöhnliche Strecke verlassen? Na gut, heute ist auch Sonntag. Der Markt jedenfalls ist gut besucht. Das Publikum gefällt mir überhaupt nicht. Das hat nun mal ein günstiger Markt so an sich, daß er vor allem Menschen anzieht, die auf niedrigste Preise angewiesen sind. Von gutgekleideten Andalusiern jedenfalls keine Spur, die Mehrheit bewegt sich in Trainingsanzügen oder Anzügen von Anno Dazumal. Alle Frauen sind furchtbar dick.

Nichtsdestotrotz strahlt der Markt eine besondere Atmosphäre aus. Die angebotenen Waren, jedenfalls die Lebensmittel, von den Kleidungsstücken will ich lieber nicht sprechen (irgendwelche Markenzeichen von Hand aufgenäht...), sind von ausgezeichneter Qualität. Zwischen den Ständen gibt es Leute, die ihre Waren aus Schubkarren oder Kisten heraus feilbieten. Als wir gerade an solchen "Zwischenhändlern" vorbeigehen, raffen diese ihre Klamotten hastig zusammen und verschwinden durch einen Durchgang zwischen zwei Ständen. Kurz darauf erkennen wir auch den Grund dafür. Aus der Menschenmenge ragt eine blaue Mütze mit schwarz-weiß kariertem Band heraus: Polizei. Bevor Kai mit seinem Einkauf beginnt, genehmigen wir uns einen Kaffee an einem Imbißstand. Mehr als Kaffee kann man hier auch nicht zu sich nehmen, die Buletten, die gerade gebraten werden, sehen extrem unappetitlich aus.

Wir schlendern anschließend weiter. Ich sehe mich nur ein wenig um, Kai kauft Obst und Gemüse. Dabei gilt es besonders kritisch mit den Preisen zu sein, denn als Ausländer zahlt man gerne mal das Doppelte oder Dreifache, wenn man nicht auf der Hut ist. Besonders schön finde ich die geschnitzten Holzfiguren, die von afrikanischen Frauen verkauft werden. Nun ja, als Mitbringsel aus Spanien vielleicht nicht gerade das Richtige. An einigen Krimskramsständen erkenne ich auch den einen oder anderen Gegenstand aus unserer bis in den letzten Winkel vollgestellten Küche. Kitsch, der klassische Staubfänger. Anschließend gehen wir noch zu ihm, um einen Kaffee und einen kleinen Imbiß einzunehmen. Außerdem bin ich natürlich neugierig auf die Wohnung.

Ich lasse mir zwar von Kai noch erklären, welchen Bus ich zu nehmen habe, als ich aber auf der Straße bin, entscheide ich mich dafür, zu Fuß zu gehen. Es ist noch früher Nachmittag und ich weiß mit dem Tag nichts besseres anzufangen. Aber die frische Luft gefällt mir. Jetzt wo die Sonne scheint, ist es auch wieder angenehm. Ich bin heute morgen so leichtsinnig gewesen und habe nur einen Pullover angezogen. Die Zeche dafür habe ich zahlen müssen, als wir auf den Bus gewartet haben. Jedenfalls laufe ich noch eine ganze Ecke durch den Vorort (La Cartuja, glaube ich), welcher mir eher nicht so zusagt. Es stehen einige hohe Wohnblocks, zwischen denen riesig breite, menschenleere Straßen durchführen und es gibt jede Menge unbebaute Fläche zwischendrin. Aber das "richtige" Ghetto von Granada soll noch weiter draußen sein. Ich glaube, das erspare ich mir lieber. Jedenfalls lege ich ein ordentliches Tempo vor, so daß ich schon nach einer guten halben Stunde zu Hause bin. Eigentlich gar nicht so klug, schließlich wollte ich doch durch den Fußmarsch Zeit vertrödeln. Allerdings finde ich die Waschmaschine und die Wäscheleine leer vor. Das nutze ich natürlich Hemmungslos aus. Allerdings wähle ich wohl wieder das falsche Programm, die Pullover sind tropfnaß und viel zu schwer, um sie auf die Leine zu hängen. Es muß doch ein Programm geben, daß die Wäsche schleudert. Aber ich bin immer froh, wenn ich nicht das Zweieinhalbstundenprogramm erwische. Man kann die Markierungen auf dem Drehschalter kaum erkennen, die Maschine ist schon etwas älter.

Ich habe heute Mittag durch den Snack Appetit auf Serrano-Schinken bekommen, weshalb mein Abendessen heute ein Bocadillo bei Bocatta mit eben diesem Schinken wird. Die Spanier haben sich scheinbar an die Kälte gewöhnt, denn auf der Calle Las Recogidas ist der Bär los, alle schlendern gemütlich den Gehweg entlang, obwohl es wieder nur 6 °C sind. Ein Pärchen mit viel Gepäck ist wohl gerade in Granada angekommen und hat mit besserem Wetter gerechnet. Sie trägt dünne Schuhe ohne Socken. Die meisten anderen Frauen tragen statt Sandalen oder Halbschuhen hohe Stiefel. Donnerwetter, kann ich nur sagen.

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© 1999 - 2001 Torsten Klie

Last modified: Sat Mar 24 00:17:10 CET 2001