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Montag, 01. November 1999

Ich bin bisher schon in allen möglichen Bergen hier gewesen, nur noch nicht in der richtigen Sierra Nevada. Das will ich heute nachholen. Ich packe nach dem Frühstück meine Sachen zusammen und bin bald auf der Autobahn. 30 km zeigt das Schild an. Das ist ja wirklich gleich um die Ecke. Normalerweise sollte man sich an die empfohlene Geschwindigkeit halten. Doch diese kurvenreiche Strecke ist so gut ausgebaut, daß man statt der empfohlenen 40 ohne Schwierigkeiten 60 fahren kann. Plötzlich komme ich an eine Abzweigung, an der ich der großen Straße folge. Diese befördert mich geradewegs in ein riesiges Parkhaus. Hier haben bestimmt mehrere Tausend Autos platz, doch es stehen nur 20 drin. Eine gespenstische Atmosphäre. Wie das so ist, wenn die Auswahl so groß ist, kann ich mich nicht entscheiden, welchen Platz ich zum Parken nehmen soll. Ich finde keinen geeigneten Ausgang, deshalb gehe ich durch die Ausfahrt. Der Ort wirkt ziemlich ausgestorben. Kein Wunder, handelt es sich doch um einen Wintersportort. Die Häuser sehen gar nicht spanisch aus, sie erinnern ein wenig an die Alpen. Jedoch ist das Design moderner. Häßliche Betonbunker, von denen im Reiseführer gesprochen wird, sehe ich nirgends.

Die Luft hier oben (auf ca. 2000 Metern) ist klar und frisch, jedoch brennt die Sonne so stark, daß ich bedaure, keine kurze Hose angezogen zu haben. Ich wandle ein bißchen im Ort umher und betrachte eine Informationstafel, auf der die Skipisten eingetragen sind. Von "sehr leicht" bis "sehr schwer" ist alles vertreten. Die Hänge machen keinen schönen Eindruck. Skipisten ohne Schnee halt. Mich hält es nicht lange in dem Ort, zumal ich die Befürchtung habe, das Parkhaus könnte bald geschlossen werden. Bevor ich aber den Rückweg antrete, fahre ich noch durch den Ort. Sehr zu meinem Erstaunen geht es noch weiter nach oben. Erst bei genau 2500 Metern, beim Skiheim der Universität von Granada, ist für mich Schluß. Es ist ein guter Anblick, den der mit Schneeresten bedeckte Pico del Velata bietet. Ich habe das Gefühl, unglaublich dicht dran zu sein, als könnte ich die letzten paar Meter locker in einer halben Stunde hochgehen [Anm.: Der Pico del Valeta mißt 3396 Meter und ist der zweithöchste der Berg der Sierra Nevada, nur der Mulhacen (3479 Meter) ist noch größer und der höchste Berg auf der Iberischen Halbinsel.]. Die Straße führt noch weiter, allerdings traue ich mich nicht, an dem kreisrunden roten Schild mit dem weißen Balken vorbeizufahren. Es kommen eine Menge Autos von dort herunter.

Ich hoffe, irgendwie anders an diese Straße heranzukommen. So langsam brauche ich wirklich mal eine vernünftige Straßenkarte, die im Reiseführer ist DIN A6 und unvollständig, in meinem Europaatlas (von '93) ist neben Granada auch noch Alicante und Málaga drauf. Jedenfalls geht es wieder bergab auf 2200 Meter. Dort befindet sich ein Aussichtspunkt etwas abseits der Straße, so daß ich die Off-Road-Tauglichkeit meines Seats testen kann. Der Ausritt ins Gelände lohnt sich, ich habe einen herrlichen Blick ins Tal. Wäre es nicht so diesig, könnte man hunderte von Kilometern weit sehen. Ich könnte stundenlang dort stehenbleiben und einfach den Anblick genießen. Andalusien, zumindest der Teil den ich von ihr oben aus sehen kann, ist wirklich wunderwunderschön. Daran hindern mich ein paar Camper im Landrover, die arabische Musik hören, und das ziemlich laut. Scheint eine alternative Familie zu sein. Ich ergreife also die Flucht und bedaure, schon bald wieder auf der großen Straße nach Granada zu sein. Hier müßte man wandern, dann könnte man die Landschaft erleben. Vielleicht besorge ich mir doch noch einen Wanderführer. Müssen ja keine extremen Touren werden, aber so ein paar Stunden durch die Berge zu latschen wäre doch genau die richtige Abwechslung zu den Tagen vor dem Rechner.

Was mache ich denn mit dem angebrochenem Tag? Ich entschließe mich dazu, mit dem Auto in Richtung Córdoba zu fahren, noch einmal zu der Stelle, an dem meine letzte Fahrradtour ihren Wendepunkt nahm. Ich schaue bewußt auf den Tacho, um die Entfernung zu messen. Mein Gefühl hat mich nicht getäuscht, die lange Abfahrt auf der N-432 ist tatsächlich 5 km lang. Ich hatte "damals" noch ein Schild gesehen, daß mich gereizt hatte, jedoch fuhr ich nicht weiter in die Richtung. Das hole ich jetzt nach. Dabei stellt sich heraus, daß die "Parallelstraße zur N-432" tatsächlich ein Relikt ist, denn sie endet im Nichts auf einem Wall, zu dessen Fuß die Straße nach Córdoba verläuft. Auf der anderen Seite der Hauptstraße liegt ein kleines Dorf. Dieses Dorf scheint so klein zu sein, daß man ihm nicht einmal eine eigene Abfahrt spendiert hat. Denn kurz bevor die alte Straße endet, geht ein kleiner Feldweg nach rechts ab, der wie durch ein Abflußrohr unter der großen Straße hindurchführt. Nein, da zieht es mich wirklich nicht hin. Ich trete also den Rückweg an. Doch bevor ich einsteige, schaue ich mir nochmal den "neuen" Reifen an. Sieht wirklich komisch aus, so als stehe er über. 165er sind für den Ibiza gar nicht zugelassen, obwohl sie am Kotflügel nicht überstehen. Jetzt endlich fällt mir ein, daß der 165er Reifen auf einer 155er Felge sitzt. Ob das so gut ist?

Auf der Straße werde ich dann von hinten bedrängt. Da hat es jemand eilig, was er mir mit der Lichthupe signalisiert. Was soll ich denn machen, es sind 60 erlaubt und ich fahre schon knapp über 80? Jedenfalls bietet sich für ihn keine Gelegenheit zum Überholen, so daß er mir noch eine ganze Weile auf der Stoßstange sitzt. In Deutschland ein ganz klarer Fall für den "Stinkefinger". Doch im Ausland ist man ja jeder Botschafter seines Landes, deshalb verkneife ich mir das und ignoriere den Drängler einfach.

Das Kochen am Abend wird zum Fiasko. Daß mir der Reis anbrennt, ist zunächst gar nicht so schlimm. Aber das Pilzrisotto ist fast ungenießbar, es schmekt ausschließlich nach Parmesan, obwohl ich nicht einmal die im Kochbuch angegebene Menge verwendet habe. Nächstes Mal koche ich wieder das Standardrisotto. Trotzdem esse ich brav alles auf, weshalb ich nach dem Essen wieder furchtbar müde bin. Vielleicht sollte ich doch die Mengenangaben im Kochbuch etwas heruntersetzen, schließlich sind alle Rezepte für zwei Personen ausgelegt. Immerhin arbeite ich hinterher noch ein wenig am Alhambraalbum.

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Dienstag, 02. November 1999

Da ich heute Nachmittag meine Homepage aktualisieren will, bereite ich dafür noch etwas vor. Das gestern Abend erstellte Alhambraalbum und die Startseite müssen noch angepaßt werden. Mittlerweile bin ich darin schon geübt, so daß es relativ zügig geht. Beim Testen stelle ich dann fest, daß immer noch nicht alle Navigationspfeile funktionieren. Werde ich wohl jemals fertig werden in dem Sinne, daß ich die "alten" Wochen nicht mehr anfassen muß?

Auf dem Weg in die Mensa sehe ich ein kurioses Bild. Auf einer Kreuzung, deren Ampel funktioniert, regelt ein Polizist den Verkehr. Er gibt den Weg genau dann frei, wenn auch die Ampel für die entsprechende Fahrtrichtung grün zeigt. Bei stärkerem Verkehrsaufkommen ist das hier durchaus üblich, weil sich die Spanier nicht sonderlich von roten Ampel beeindrucken lassen. Aber das Fahrzeug, mit dem der Polizist unterwegs ist, ist der Hammer. Eine weiße Vespa PK 125 XL mit einem Blaulicht hinten drauf und der Aufschrift "Policia" auf der Backe. Cops auf Rollern, nicht übel.

Ausnahmsweise werde ich heute in der Mensa nicht satt. Ich habe eine Kotelett erwischt, das fast nur aus Knochen besteht. Dafür bin ich nach meinem Besuch im Internetcafé satt. Das aktualisieren der Homepage klappt wieder nicht. Als ich den Tripod-Dateimanager starten will, kommt nur die Meldung, daß es technische Probleme gibt und ich in einer eMail beschreiben soll, was ich versucht habe. Dafür verplempere ich meine Online-Zeit nicht. Dafür gibt es eine positive Nachricht zu vermelden: Im dritten Versuch hat das Empfangen eines Dokuments als Attachment geklappt. Bisher war es immer als inline mitgekommen. Der Absender schreibt, er habe diesmal die Option "Inline" gewählt. Was in diesem Dokument zu lesen ist (eine Beschreibung der ersten Tage eines Auslandssemesters in England), erinnert mich doch sehr stark an meine Geschichte. Auch aus Japan erreicht mich eine Mail, in der auch von Problemen eines deutschen Studenten in Japan die Rede ist. Reibungslos scheint es nirgends zu klappen. Komisch, daß ich mich, anstatt Mitleid zu empfinden, darüber freue, daß es andere auch nicht leicht haben. Warum soll es andere auch besser gehen als mir? Aber ich beklage mich ja gar nicht, ich wollte ja Abenteuer erleben, deshalb bin ich ja hier.

Als ich wieder zu Hause bin, will ich den Müll vom Wochenende vor die Tür stellen. Doch es ist erst halb sechs, erst um acht wird der Müll abgeholt. Da ich schon einmal Ärger bekommen habe, weil ich den Müll zu früh rausgestellt habe, will ich noch ein oder zwei Stunden warten. Doch irgendwann beginne ich, DK2 zu spielen und um halb neun steht der Müll immer noch in meinem Zimmer. Herzlichen Glückwunsch, eine weitere Nacht mit unangenehmen Gerüchen.

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Mittwoch, 03. November 1999

Ich werde mal wieder durch Preßlufthammerlärm geweckt. Das hatten wir ja lange nicht mehr. Wenn man an einer Kreuzung wohnt, hat man von beiden Straßen etwas. In der einen sind die Bauarbeiten so gut wie fertig, in der anderen beginnen sie gerade. Ich will heute bei Lidl einkaufen, weil ich sonst nirgends Vitamin C und Kondensmilch gefunden habe. Doch ich bin schon vor zehn im Neptuno-Zentrum, kaum ein Geschäft hat geöffnet. Sogar die sanitären Einrichtungen sind in einem erbärmlichen Zustand. Dabei ist Spanien in dieser Hinsicht das reinlichste Land, daß ich kenne (O.K., nach Japan). Ein Laden mit Gotcha- und Dickies-Klamotten wird gerade geöffnet. Ich stöbere ein wenig herum (groß ist der Laden nicht) und finde sogar einen Gotcha-Pullover, der mir gefällt. 150 Mark. Danke. Eine dicke Jacke der gleichen Marke ist für den selben Preis zu haben. Nicht übel, sollte ich mir merken (falls ich zu dem Entschluß komme, noch eine Jacke zu brauchen). Beim Herausgehen fallen mir die Ketten auf. Portemonnaie- und Halsketten. Nach einer solchen Kette habe ich schon lange gesucht.

Inzwischen hat auch der Swatchladen geöffnet. Ich brauche dringend ein neuen Armband. Die gute Frau will mir doch ernsthaft ein rosafarbenes Plastikarmband anbieten. Stimmt, wirklich geeigneter Ersatz für ein schwarzes Lederarmband. Also weiter zu Lidl. Ich hasse Supermärkte, die ihre Waren größtenteils auf Paletten und in Kartons statt in Regalen anbieten. Außerdem stört mich hier, daß es fast ausschließlich deutsche Produkte gibt. Nicht eine spanische Biermarke haben die. Die Wurst kommt fast ausschließlich von "Müller". Die Vitamintabletten kommen aus der Schweiz. Immerhin hat Lidl in Deutschland eine interessante Rechtsform: Stiftung & Co KG, das sieht man nicht oft.

Zu Hause muß ich natürlich gleich die Halskette anprobieren. Eigentlich ist mir von Anfang an klar, daß ich sie nicht wieder abbekommen werde. Vom Verschluß hängen jetzt noch vier überschüssige Kettenglieder herunter, das sieht etwas merkwürdig aus. Ich muß mir erst einen Seitenschneider oder eine Kombizange besorgen, damit ich die Kette "tragfähig" machen kann. Doch wie erwartet läßt sich die Kette nicht wieder öffnen. Na gut, bleibt sie halt dran. Zum Glück habe ich sie nicht besonders fest angelegt. Ich sollte mich aber nicht mehr zu stark aufregen, sonst wird der Hals zu dick ...

Ich bin einer der letzten in der Mensa, das Herumreißen an der Halskette hat doch etwas Zeit gekostet. Nach dem Essen, im Internetcafé, gelingt es mir, meine Daten hochzulauden. Außerdem habe ich mal wieder Post als Attachment bekommen. Vorfreude ist die schönste Freude. Ich habe noch ein paar Stunden Zeit, bis ich dazu kommen werde, ihn zu Hause zu lesen. Obwohl alles so gut geklappt hat, sinkt meine Laune merklich von Minute zu Minute. Ich weiß auch nicht, heute gehen mir die anderen Kursteilnehmer gewaltig auf den Senkel. Der eine kommt zwanzig Minuten zu spät, setzt sich rechts neben mich und beginnt eine Unterhaltung mit der Frau zwei Plätze weiter links, so daß ich vom Unterricht erst einmal nichts mehr mitkriege. Aber das ist bezeichnend für die Einstellung vieler in diesem Kurs. Gut, die anderen besuchen Vorlesungen und für sie wichtigere Veranstaltungen und betrachten daher diesen Kurs als Freizeitgestaltung. Aber trotzdem finde ich es extrem unhöflich, wie hier manche ihrem Desinteresse durch Privatgespräche Ausdruck verleihen, einmal den anderen, interessierteren Kursteilnehmern gegenüber, vor allem aber auch gegenüber dem Lehrer, der sich Mühe gibt, uns die Sprache beizubringen. Außerdem sollte man auch im Hinterkopf behalten, daß so ein Kurs normalerweise viel Geld kostet, die Erasmusstudenten aber kostenlos teilnehmen dürfen. Ob nun Brüssel, Madrid, Sevilla oder Granada dafür bezahlt, ist mir gleichgültig, in jedem Fall sind es Steuergelder. Natürlich wäre es falsch, große Dankbarkeit oder gar Demut zu verlangen, aber ein bißchen mehr Respekt sollte schon drin sein.

In der Pause stellen sich einige Kursteilnehmer in den Innenhof und schreien die unanständigen Wörter in die Gegend, verbunden mit herzhaftem Gelächter. An Peinlichkeit kaum noch zu überbieten. Natürlich ist es richtig und wichtig, diese Wörter zu kennen und an geeigneter Stelle auch einzusetzen. Aber dieses kindische: "Boah, ich kenne vielleicht versaute Wörter und traue mich sogar, sie auszusprechen!" widert mich an. Passend zu dieser Pause sinkt das Niveau in der zweiten Stunde endgültig unter die Gürtellinie ab, was auch an Jerónimo liegt. Jede Vokabel, die wir lernen, hat natürlich auch eine Bedeutung, die irgendwie mit Sex zu tun hat. Auf die Bemerkung einer Irin ("Essen und Sex, das ist alles, woran die Spanier denken!") erwidert Jerónimo: "Ja, wir Spanier essen halt gerne gut und viel und ...". Dann stockt er und läuft knallrot an.

Als ich zu Hause bin, kann ich endlich den Brief lesen. Doch der vermag mich auch nur kurzzeitig wieder etwas hochzupushen, den Rest des Abends verbringe ich übelstgelaunt musikhörend im Sessel. Inzwischen habe ich auch Kopfschmerzen und fühle mich schlapp.

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Donnerstag, 04. November

Als mich der Preßlufthammer aus dem Schlaf reißt prüfe ich zuerst meine Stimmung. Gott sei Dank, die miese Laune ist über Nacht verschwunden. Ich habe richtig Energie. Doch was fange ich damit an? Leider nicht viel. Einkaufen. Aufräumen. Lesen. ...

Auf dem Weg zum Mittagessen gehe ich beim Hipercor vorbei, um mir einen Seitenschneider zu kaufen. Ich bekomme sehr günstig einen kleinen, der sogar in die Hosentasche paßt. Hätte ich einen größeren gekauft, dann hätte ich jetzt ein Problem. In der Mensa bin ich der letzte, der ein Tablett bekommt. Dieses darf ich dann noch über fünf Minuten in der Hand halten, bis es wieder frisches Fleisch vom Grill gibt. Nach dem Essen gehe ich noch für eine Viertelstunde ins Internetcafé, um meine Mailbox zu checken. Es wird wirklich Zeit, daß ich mit meinem Projekt anfange. Leider ist keine neue Post da. Ich schreibe schnell noch eine eMail und bleibe unter der 100 Ptas. Marke (d.h. eine Viertelstunde).

Als ich in meinem Zimmer vor dem Spiegel meine Halskette betrachte, ist mir schon fast klar, daß ich die mit dem kleinen Seitenschneider nicht durchbekommen werde. Ich wende alle Kraft auf, was nur dazu führt, daß meine Hand jetzt schmerzt. Die Kette macht keine Anstalten, auseinander zu gehen. Ist wirklich ein fettes Teil.

Alles in allem ein ziemlich langweiliger Tag. Ich muß meine Tagesgestaltung umstellen, wie die Uhr, denn wenn ich nach dem Mittagessen ins Internetcafé (der Laden heißt übrigens FREEMEMory und befindet sich in der Calle San Jerónimo) gehe, kann ich ohnehin nicht mehr viel am Nachmittag unternehmen, da es bald dunkel wird. Beim Abendessen werde ich dann immerhin noch Zeuge einer amüsanten Vorstellung. Ich bin also nicht der einzige Mensch, der sich ungeschickt anstellt. Guillermo versucht eine Dose Spargel zu öffnen. Zugegeben, mit dem Dosenöffner würde ich das wahrscheinlich auch nicht hinbekommen. Aber es ist schön zu hören, daß die Spanier wirklich so unanständig fluchen, wie Jerónimo uns das im Unterricht erzählt. Obwohl man das auch auf der Straße hören kann.

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Freitag, 05. November 1999

Den Vormittag verbringe ich mit "inhäusiger" Beschäftigung, nachdem ich wie üblich durch Baustellenlärm viel zu früh aus dem Schlaf gerissen werde. So richtig los geht der Tag für mich jedoch erst gegen Mittag. Ich spaziere wieder zum Hipercor (diesmal über den Lorca-Park) und ärgere mich, daß ich nicht schon früher den Weg aus dem Haus gefunden habe. Das Thermometer zeigt 26 °C und es ist nicht eine einzige Wolke am Himmel. Obwohl, so richtig ärgern kann man sich bei diesem Traumwetter nicht. Ich finde mittlerweile die Heimwerkerabteilung schnell und greife zu einer richtig großen Kombizange. Schlauerweise habe ich meine Tasche dabei, weshalb ich die Zange vernünftig transportieren kann.

Die Mensa ist heute nur schwach besucht. Es gibt überhaupt keine Schlange und ich nehme sofort mein Tablett. Es gibt Suppe, die ich beim herunternehmen vom Tresen über meine Hand schütte. Daraufhin werde ich von einem Koch zurückgepfiffen. Ich habe doch nur auf meine Hand und mein Tablett gekleckert, was will der denn jetzt von mir? Er weist mich deutlich daraufhin, daß ich mir keinen Nachtisch genommen habe. Statt wie sonst Eis oder Joghurt (oder Obst) gibt es heute eiskalten Milchreis mit Zimt und Zucker. Wahrscheinlich stammt das Rezept von seiner Mutter. Ein wahrer Genuß, äußerst freundlich, daß er mich darauf hingewiesen hat.

Da wie gesagt keine Schlange da ist, bin ich schon ziemlich zeitig wieder draußen. Eigentlich will ich ins Internetcafé, aber bei diesem Wetter? Ich mache einen Spaziergang bis zum Hospital Real, wo ich mich beim Fuente del Triunfo in die Sonne setzen will. Welcher Teufel hat mich geritten, daß ich eine schwarze Hose angezogen habe? Es dauert keine zwei Minuten, bis ich richtig zu schwitzen beginne. Ich mag mir nicht ausmalen, wie heiß das hier im Sommer sein mag. Da muß man sich wirklich über Mittag im Haus verbarrikadieren. Jedenfalls gehe ich doch ins Internetcafé. Natürlich ist immer noch keine Nachricht von Prof. Molina Soreano eingetroffen. Montag werde ich also eine Erinnerungsmail schreiben müssen, falls immer noch nichts da ist.

Ich ruhe mich zu Hause ein bißchen (zu viel) aus, dann gehe ich zum Sprachkurs. Vorher jedoch kommt die neue Zange zum Einsatz. Wahnsinn, die Kette geht durch wie Butter. Ich habe noch nicht einmal mit Kraft drücken müssen. Wahrscheinlich kann man mit so einer Zange ganz leicht die meisten Fahrradschlösser knacken. Wenn man um sechs Kurs hat, dann sollte man nicht erst fünf vor losgehen, besonders dann nicht, wenn man eine gute Viertelstunde Fußmarsch vor sich hat. Ich bin um 18.10 im Klassenraum und Jerónimo ist tatsächlich schon da. Aber angefangen haben sie noch nicht, sie sind noch beim Vorgeplänkel. Da ich der einzige bin, der die eine Aufgabe der Hausaufgaben bearbeitet hat, darf ich sie ganz vorlesen. Immerhin habe ich alles richtig. Sonst, wenn jeder nur einen Satz vorliest, komme ich immer bei dem Satz dran, den ich entweder nicht bearbeiten konnte, oder den ich falsch habe. Die ganze weitere Stunde bis zur Pause verbringen wir damit, Hausaufgaben zu vergleichen. Ziemlich langweilig. Nach der Pause ziehen wir dann in den Multimediasaal ein. Dort kann sich jeder selbständig mit dem Angebot des Centro de las Lenguas Modernas beschäftigen. Nicht gerade kommunikativ. So richtig interessant ist es auch nicht, jedoch die Arbeitslosenquote in Andalusien schockiert mich. 1997 waren hier 33% arbeitslos!

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Samstag, 06. November 1999

Ich nehme mir fest vor, heute alles ruhig angehen zu lassen, damit ich heute Abend endlich mal zum Ausgehen komme. Ich will einen Brief schreiben und ein bißchen lesen. Das muß ich bei dem schönen Wetter aber nicht in meinem Zimmer machen. Deshalb setze ich mich in den Lorca-Park. Da ich das Buch in der Handfläche halte, kann ich zusehen, wie die Unterseite meines rechten Unterarms braun wird. Ich muß verdammt aufpassen, daß ich mir nicht schon wieder einen Sonnenbrand zuziehe. Deshalb prüfe ich hin und wieder die Temperatur meiner Arme. So richtig vorwärts komme ich mit meinem Brief nicht. Es ist einfach zu schön, einfach nur dazusitzen und die Leute zu beobachten. Hier sind viele Familien unterwegs, die eine ungeheure Ruhe ausstrahlen. Allerdings auch "Seelenfänger". Ich werde wieder mal darin bestätigt, daß ich nicht lügen kann. Auf die Frage einer Frau mir bunten Broschüren, ob ich Spanisch spräche, antworte ich mit "¡No!". Sie gibt mir zu verstehen, daß sie mir nicht glaubt. Als ich eingestehe, daß ich wenigstens ein bißchen Spanisch spreche, habe ich schon eine Heftchen der "Iglesia Evangélica Bautista" in der Hand. Im Gegensatz zu sonstigen religiösen Werbebroschüren ist diese wirklich gut gemacht und mit sehr lustigen Bildchen illustriert. Das wird mich trotzdem nicht dazu verleiten, bei denen vorbeizuschauen.

Als ich merke, daß meine Arme genügend Sonne bekommen haben, gehe ich nach Hause. Dort stelle ich mit Erschrecken fest, daß eine kleine Stelle am Hals total verbrannt ist. Ich habe nicht daran gedacht, daß ich ein T-Shirt mit V-Ausschnitt trage. Heute Nachmittag will ich die Kathedrale fotografieren. Ich weiß, daß dort Frauen herumlaufen, die einem irgendwelche Kräuter schenken wollen. Beim Mittagessen ergibt sich die Gelegenheit, Guillermo danach zu fragen, was das zu bedeuten hat. Nach seinen Ausführungen weiß ich, daß es gut war, daß ich die Geschenke bisher immer vehement abgelehnt habe. Wenn man den Kräuterstrauß nimmt, ergreifen die Frauen die Hand und lesen einem daraus die Zukunft. Wenn man dann dafür nicht bezahlt, wird man übelst beschimpft.

Mit diesem Wissen und meiner Kamera ausgestattet, mache ich mich auf den Weg zur Kathedrale. Doch ich finde keinen besonders guten Platz zum Fotografieren. Die Kathedrale ist zu gut zwischen anderen Häusern versteckt. Auf dem Rückweg an den geschlossen Geschäften vorbeigehend, merke ich, daß ich seit dem ich Nachmittags ins Internetcafé gehe, immer nur in der Stadt bin, wenn die Geschäfte gerade Mittagspause machen. Ich will ja gar nichts kaufen, aber ich hätte auch mal wieder Lust zu einem Stadtbummel durch die Geschäfte. Da ich noch nicht meine Vorräte für das Wochenende zusammen habe, muß ich heute ohnehin noch mal los. Ich gehe vorher im Neptuno-Einkaufszentrum vorbei und schaue mir das Angebot von zwei Klamottenläden an. Der eine führt fast ausschließlich Quicksilver und Dickies. Die Pullover kosten auch hier 180 DM, genau wie die warmen Jacken.

Das Kochen gelingt schon besser. Aber obwohl ich die Garzeitangabe um 50% überschreite, sind die Mohrrüben immer noch steinhart. Dafür sind die Bohnen so weich, daß sie von allein auseinanderfallen. Leider habe ich heute Morgen nur angepackte Ware bei meiner Gemüsefrau bekommen. Ich frage mich, warum ich überhaupt bei einem kleinen Lebensmittelladen kaufe, wenn ich da die gleichen abgepackten Sachen kriege, wie im Supermarkt, aber das doppelte bezahlen muß. Vielleicht weil ich mich über das "¨Qué quiere?" (Was wünschen Sie?) meiner Gemüsefrau so amüsiere, weil das wie "Kikeriki" klingt. Teures vergnügen. So habe ich also jede Menge Sellerie und Mohrrüben übrig. Der Sellerie würde wahrscheinlich für die ganze Woche reichen. Dann werde ich wohl morgen Abend, anstatt zu Bocatta oder sonst wohin zu gehen, Mohrrüben mit Sellerie und Reis essen. Einen Schuß Tomatenmark habe ich auch noch. Da bin ich mal gespannt...

Nach dem Essen rufe ich Dipi an, um zu hören, ob ich mich vielleicht irgendwo anschließen kann. Alleine ausgehen will ich nicht. Er erzählt, daß er sich mit einigen anderen um 0.30 Uhr auf der Plaza Nueva verabredet hat und daß ich ihn doch um 0.20 Uhr abholen kann. Fein. Ich sehe mich schon fast in einer Bar, als ich um 0.15 Uhr die Haustür aufschließen will. Mein Schlüssel scheint überhaupt nicht zu passen. Ich bin also eingesperrt, außer mir ist keiner weiter in der Wohnung. Ich probiere alles mögliche, aber das Hochsicherheitsschloß läßt sich nicht öffnen. Also, Dipi angerufen und abgesagt. Ich habe das Gefühl, er glaubt mir nicht. Na ja, ich kann es eigentlich auch nicht so recht glauben. Ein wirklich beschissenes Gefühl, eingesperrt zu sein. Ich habe noch Bier im Kühlschrank. Aber anstatt jetzt aus Frust zu trinken, gehe ich lieber ins Bett. Von draußen höre ich, wie sich die Leute amüsieren. Das tut weh.

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Sonntag, 07. November 1999

Obwohl ich lange geschlafen habe, fühle ich mich nicht besonders munter. Das ist wahrscheinlich der Frust von gestern Abend, der mir noch zu schaffen macht. Nach dem Frühstück konsultiere ich meine Reiseführer, um zum einem Entschluß zu gelangen, was ich mit diesem heutigen Sonntag anfangen kann. Ich entscheide mich für eine Route über Priego de Córdoba und Zuheros, wo ich in der Schlucht des Rio Bailón eine andertalbstündige Wanderung (= Spaziergang) unternehmen will. Die Reise beginnt mit einem klassischen Fehlstart. Als ich vor meinem Auto stehe, welches aufgrund der Straßenarbeit mit einer mehrere Millimeter dicken graubraunen Staubschicht bedeckt ist, und die Kunstwerke einiger Passanten auf den Fensterscheiben bewundere, stelle ich fest, daß sich mein Autoschlüssel nicht in der Hosentasche, sondern in der Nachttischschublade befindet. Anfängerfehler!

Zunächst fahre ich nach Santa Fe, weil ich glaube, daß es

  1. auf dem Weg liegt und
  2. interessant sein soll.

Als ich jedoch dort angekommen bin, weiß ich gar nicht so recht, was ich dem Ort will. Ich beschließe, mich noch mal genauer zu informieren, denn der Reiseführer gibt nichts her. Außerdem werde ich von einer inneren Unruhe getrieben, schließlich habe ich noch einiges vor. Dafür verliere ich auf dem Rückweg zur eigentlichen Route mindestens 20 Minuten durch Orientierungsschwäche. Aber irgendwann bin ich dann doch auf der N432 nach Córdoba. Die erste Viertelstunde ist langweilig, erst ab Pinos Puente wird die Strecke interessant. Alcalá de Real will ich eigentlich überspringen, da es dort nicht viel zu sehen gibt und die Fortaleza de la Mota ohnehin um die Mittagszeit geschlossen ist. Schon von der Straße aus kann ich die Fortaleza anmutig auf einem Berg thronen sehen. Nein, hier kann ich nicht einfach vorbeirauschen.

Um dorthin zu gelangen, fahre ich im Ort durch enge Gassen, die ich gerade so im ersten Gang noch bewältigen kann. Die Straßendecke ist eine Art Kopfsteinpflaster, was den Halt nicht unbedingt verbessert. Die letzte Steigung schenke ich mir und gehe lieber das letzte Stück zu Fuß. Aber genau auf diesem steilsten Stück kommt mir eine "Hochzeitskutsche" entgegen. Ein offener weißer Cadillac aus den 80ern (der völlig eckige, ohne irgendwelche Rundungen außer Rädern). Mir ist schleierhaft, wie man mit diesem Gefährt durch die engen Gassen kommen will. Aber das soll das Brautpaar nicht kümmern. Bisher habe ich nur Samstags Hochzeitsgesellschaften gesehen. Vielleicht ist das aber eine granadinische Besonderheit und andernorts wird Sonntags geheiratet. Die Anstrengung des Aufstiegs lohnt sich schon, obwohl die Burg geschlossen ist. Denn die Fortaleza wird vor allem wegen des schönen Ausblicks in die Umgebung empfohlen. Den habe ich aber auch vom Fuß der Burg, die letzten 30 Höhenmeter können so viel auch nicht mehr ausmachen.

Weiter geht es nach Priego de Córdoba. Ich mache den Stadtrundgang in umgekehrter Richtung, weil ich am vom Reiseführer als Zielpunkt angegeben Fuente del Rey starte. Ein großer Brunnen mit vielen Wasserspielen und reichlich Sitzgelegenheiten ringsherum. Das Städtchen ist klein, deshalb bin ich schon bald am Rathaus. Ich werde schon wieder von Unruhe getrieben, deshalb versuche ich, durch eine "Brotzeit" auf dem Rathausplatz etwas Ruhe zu finden. Es klappt tatsächlich, auf dem Rückweg fallen mir die schönen Häuser auf. Herausgeputzte, alte Gemäuer im andalusischen Stil (d.h. so wie ich ihn mir vorstelle). Schon die Fassade spiegelt den Stolz seiner Bewohner wider. Wirklich empfehlenswert, hier einen Zwischenstop einzulegen. Wenn man dann weiter durch die Sierra Subbética fahren will, empfielt sich (mal wieder) eine gute Karte, auf der auch kleinere Orte eingezeichnet sind. Ich orientiere mich an der Sonne, daß bringt mich zwar irgendwann nach Zuheros, leider jedoch zu spät, um eine Wanderung in die Schlucht zu unternehmen. Der Reiseführer spricht davon, daß der Wanderweg von der Landstraße abgeht. Nun, die Landstraße ist eine Durchgangsstraße, so daß es zwei Möglichkeiten gibt. Ich schlage natürlich die falsche ein. Jetzt ist es endgültig zu spät, ich wäre wohl vor Anbruch der Dunkelheit nicht wieder zurück.

Doch auch das Gehen im Ort ist schon eine sportliche Betätigung, denn sie Straßen sind steil. Dabei bekommt man schöne Einblicke in das dörfliche Leben. Die Menschen sitzen z.T. auf der einen Treppenstufe vor ihren Häusern oder stehen auf der Straße und halten Schwätzchen mit den Nachbarn. Zeit scheint hier stillzustehen. Nun ist heute Sonntag, aber viel geschäftiger wird es unter der Woche auch nicht zugehen. Aber man ist auf Touristen eingestellt. An wichtigen Punkten hängen dreisprachige Hinweistafeln (Kastillisch, Französisch und Englisch). Aber überlaufen ist der Ort wahrlich nicht. Kein Vergleich zu denn kleinen Alpujarrasdörfern wie Pampaneira. Dafür gibt es natürlich auch nur spanische Häuser, keine Berberhäuser zu sehen. Aber ich finde es wesentlich stimmungsvoller hier. Trotzdem verlasse ich nach einer zweiten Brotzeit das Dorf und mache mich auf den Heimweg. Es sind ca. 100 Kilometer, die aber auf der gut ausgebauten N432 kein Problem darstellen. Zunächst geht es aber über eine kleine kurvenreiche Landstraße, auf der mir einige Bauern mit ihren Eseln begegnen, die gerade von ihren Feldern kommen. Mein Entschluß, Zuheros zeitig zu verlassen, wird belohnt durch wunderschöne Ansichten der Sierra Nevada, der Sierra Elvira und der Landschaft mit den vielen Olivenbäumen zwischen Córdoba und Granada im späten Nachmittagslicht. Ich fahre Richtung Osten, da habe ich die Sonne im Rücken. Die Spitzen der Sierra Nevada tragen wieder eine dünne weiße Krone, offenbar hat es letzte Nacht geschneit.

Durch das zügige Vorankommen bin ich viel früher als erwartet in Granada. Die auswärtigen Sonntagsausflügler scheinen noch in Granada zu sein, denn es ist gar nicht so leicht, einen Parkplatz zu finden. Ich fahre also zum großen Parkplatz beim Einkaufszentrum und lasse mich dort von einem Parkwächter mit Schirmmütze und Ausweis einweisen. Hierbei handelt es sich um einen halboffiziellen "guarda-coche", der Mitglied in einer Gemeinschaft ist. So ganz legal ist seine Tätigkeit wohl trotzdem nicht, aber ich finde, in Anbetracht der hohen Arbeitslosigkeit keine schlechte Möglichkeit, mit der sich die Leute über Wasser halten können. Die 100 Ptas. sollte man schon übrig haben (zumal wenn man wie ich dafür den Wagen eine Woche stehen läßt). Vielleicht wäre das auch in Braunschweig eine Alternative zum Parkraumbewirtschaftungskonzept. Allerdings in der Innenstadt von Granada gibt es fast überall statt Parkwächtern Parkscheinautomaten, die sich nicht unbedingt mit 100 Ptas. zufrieden geben.

Ich habe keine Ahnung wieso, aber mich plagen starke Kopfschmerzen. Trotzdem gelingt das Essen vorzüglich. Die Mohrrüben schmecken (wenn sie gar sind) richtig gut, auch der Reis ist ausgezeichnet. Kein Vergleich mit Kochbeutelreis. Allerdings habe ich noch Schwierigkeiten mit dem Portionieren. Mir ist immer nicht klar, daß der Reis im Topf gewaltig aufquillt. Deshalb koche ich natürlich viel zu viel. Ich kaue gerade die letzten Bissen, da höre ich in meinem Zimmer das Handy klingeln. Ich trage es nicht bei mir, da der Akku gerade aufgeladen wird. Auch das Stürzen durch den Flur bringt nichts, als ich meine Zimmertür aufgeschlossen habe, ist das klingeln vorbei. Anruf von "Anonym". Warum haben noch nicht alle ISDN? Immerhin kabele ich das Handy ab, und es klingelt gleich wieder. Der "Anonym" stellt sich als mein Vater heraus, der mich nicht versteht. Mein Handy ist also mal wieder kaputt. Zum Glück wissen wir beide, was zu tun ist. Vielleicht sollte ich mir doch ein neues Handy zulegen, wenn das jetzt öfter vorkommt.

Ich ziehe also die gelöste Schraube fest und rufe zu Hause an. Was gibt es neues? Meine Kreditkartenabrechnung ist da. Der Corte Inglés hat tatsächlich 12 Pf. abgebucht. Als ich den Rechner gekauft habe, habe ich drei Kassenquittungen bekommen, eine davon über 10 Ptas. für den Drucker und das Kabel, als Erinnerungswert im Garantiefall. Nun haben sie tatsächlich diesen Betrag auf die Kreditkarte gebucht. Nach dem Telefonieren und dem Aufräumen der Küche falle ich gleich ins Bett, weil die Kopfschmerzen inzwischen unerträglich geworden sind, trotz Aspirin.

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© 1999 - 2001 Torsten Klie

Last modified: Sat Mar 24 00:15:58 CET 2001