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Montag, 11.Oktober 1999

Der schon zur Gewohnheit gewordene Blick in die Waschmaschine macht mir Hoffnung. Die Waschmaschine ist in Betrieb. Da allerdings noch ein großer Stapel Wäsche davor liegt, rechne ich mir für heute keine großen Chancen mehr aus. Da morgen Feiertag ist, besorge ich schon auf Vorrat das Nötigste (Wasser, Brot, Aufschnitt und Zigaretten). Vorher bringe ich den ersten Film zum entwickeln. Am Geschäft steht "Fotos en 1 hora", man sagt mir aber, daß ich die Bilder um eins abholen kann, also in drei Stunden. Vielleicht ist mit dem Werbespruch ja auch gemeint "Fotos hasta la 1". Anschließend mache ich mich auf den Weg ins Internetcafé, um die Homepage zu aktualisieren. Doch die "Ciberbar" ist geschlossen. Anscheinend macht der Wirt Gebrauch von dem beliebten Brückentag. An der Uni finden auch keine Vorlesungen statt, habe ich mir sagen lassen. Da mir leider kein Fernseher zur Verfügung steht, spiele ich mit dem Gedanken, mich mit spanischen Computerspielen zu beschäftigen. Ich besorge mir eine Spielezeitschrift mit Demos, um ein paar Spiele zu testen. Die erste CD mit Demos lege ich unausgepackt beiseite. Alle Spiele benötigen einen 3D-Beschleuniger. Doch halt, ein Spiel läßt sich auch ohne zusätzliche Grafikkarte spielen, allerdings nur über das Internet. Die meisten Demos auf der zweiten CD laufen nicht.

Um ein Uhr ist der kleine Fotoladen in meiner Straße überfüllt. Wahrscheinlich soll der Slogan wirklich darauf hindeuten, daß man seine Bilder um eins bekommt. Ich bekomme meine Bilder, obwohl ich mich schon auf eine Antwort wie "mañana" vorbereitet habe. Die Abzüge sind im Format 10 x 15 und hochglanz. Ich habe keine Möglichkeit gehabt, irgendwelche Wünsche bezüglich des Formats zu äußern. Sonst hätte ich bestimmt wieder "Riesenbilder" genommen, und zwar in matt. Obwohl der Preis für die Entwicklung erstaunlich günstig ist, bekomme ich obendrein noch ein kleines Fotoalbum gratis dazu. Zuhause beginne ich damit, die Bilder einzuscannen. Doch für Bildbearbeitung erweisen sich 64 MB Hauptspeicher als völlig unzureichend. Also begnüge ich mich für das Erste mit der Auflösung von 300 dpi, was für das Betrachten am Bildschirm mehr als ausreichend ist.

Auf dem Weg zur Mensa überrascht mich ein Regenschauer, im wahrsten Sinne des Wortes aus heiterem Himmel. Dafür werde ich durch ein erstklassiges Mahl entschädigt. Es gibt als Vorspeise Spaghetti Bolognese und als Hauptgericht das inzwischen schon bekannte Grillfleisch mit Pommes. Aber was für Pommes! Mit soviel Fett würde man sicher Magenbeschwerden bekommen, verzichtete man auf das Glas Rotwein. Erstaunlicherweise kommt der Rotwein nicht aus Kanistern (es gibt hier nicht nur so unglaublich praktische 5- und 8-Liter-Kanister mit Wasser, sondern auch mit Wein), sondern aus richtigen Flaschen! Desweiteren fasziniert mich, daß ich abends immer noch weiß, was ich mittags gegessen habe. In der braunschweiger Mensa bin ich meistens überfragt, wenn man von mir wissen will, was ich fünf Minuten vorher zumir genommen habe. Ich gelobe, mich in Zukunft nicht mehr so ausschweifend über das Mittagessen auszulassen.

Bereits vor dem Abholen der Fotos habe ich mir ein Computerspiel gekauft. Ich war mir nicht ganz sicher, ob ich Dungeon Keeper 2 oder Might & Magic VII nehmen sollte. Da aber in dem Laden beides nicht vorhanden war, habe ich mich für Lands Of Lore III entschieden. Wie sich jetzt beim Testen herausstellt, ist das Spiel komplett in Englisch. Gut, so verstehe ich wenigstens die Handlung sofort, aber der Lerneffekt ist nicht so riesig. Immerhin ist das Handbuch auf Spanisch, aber wer braucht schon ein Handbuch? Die Grafik ist auf meinem Notebook eine echte Katastrophe. Es ist anstrengend, den pixeligen Grafiken zu folgen. Aber immerhin schaffe ich es, mich pünktlich zum Sprachkurs loszureißen. Ob das in Zukunft auch so sein wird, ist die Frage, denn Jerónimo kommt wieder zehn Minuten zu spät. Dafür habe ich allerings Gelegenheit für etwas Smalltalk auf Spanisch mit Laure-A., einer Französin, die in London Spanisch und Chinesisch studiert. Verdammt, ich kann so viel Zeitung lesen wie ich will, ich muß mehr sprechen um die Sprache zu lernen!

Nach dem Kurs gehe ich dann noch mit zwei weiteren Kursteilnehmern (Dipi und Barbara, einer Lehramtsstudentin aus Berlin) zur Plaza Nueva, um ein Bier zu trinken. Es ist gar nicht so leicht, ein Gespräch zu führen, da ständig irgendwelche Bettler ankommen, sei es als Musiker, die vorher auf der Flöte Mozarts "Rondo Alla Turka" dargeboten haben, als "Verkäufer" von Nippes oder einfach als Handaufhalter. Der Gipfel ist ein abgerissener Typ, der mit etwas schwächlicher, dafür aber umso lauter Stimme Flamencogesang darbietet, und dabei der Kultur folgend rhythmisch in die Hände klatscht. Er singt so laut, daß man sein eigenes Wort nicht mehr verstehen kann. Wahrscheinlich hört er erst auf, wenn man ihm Geld gegeben hat. Doch zum Glück wird er vom Wirt bald verscheucht. Dieses Lokal scheint eine reine Touristenbewirtungsstätte zu sein. Am Nachbartisch sitzt eine Mª (so schreibt der Spanier Maria), die in München Architektur studiert und zur Zeit in Sevilla einen Sprachkurs macht. Den Feiertag nutzt sie, um Freunde in Granada zu besuchen, auf die sie in diesem Lokal wartet. Ich leiste ihr Gesellschaft, bis ihre Freunde eintreffen, dann zieht es mich aber nach Hause. Es ist schade, daß es in Granada abends so frisch wird (okay, verglichen mit Deutschland ist es natürlich noch warm...). Man braucht doch einen Pullover, wenn man nach 21.00 Uhr noch draußen sitzen möchte. Mir ist jetzt (21.55 Uhr) in meinem T-Shirt etwas kühl geworden. Außerdem habe ich Hunger.

Nachdem ich mich zuhause in der Küche aufgewärmt und mit einem unleckeren Abendbrot (ein Tag noch, dann ist diese scheußliche Wurst endlich aufgebraucht) gestärkt habe, schreibe ich eine Geburtstagskarte an meinen Großvater. Ich hasse das Schreiben von Karten, wenn ich muß. Wenn ich irgendetwas mitzuteilen habe, dann ist es etwas anderes, aber eine Geburtstagskarte ist eine reine Formalie. Jedes Wort wird von mir auf die Goldwage gelegt. So geht bestimmt über eine Stunde ins Land, bis endlich die 12 Zeilen in der Karte stehen und der Umschlag zugeklebt ist.

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Dienstag, 12. Oktober 1999

Die Nacht über sind erfreulich wenig Mopeds unterwegs. Das hat aber seinen Grund: Seit Mitternacht gießt es in Strömen. Die Bewohner unseres Hauses haben sich darauf nicht eingestellt. Als ich morgens in den Innenhof blicke, hängt jede Menge Wäsche auf der Leine. Bei dem Wetter macht das Waschen wenig Sinn, denn man bekommt die Wäsche ohne Trockner nicht getrocknet. Aber immerhin schaffe ich es, mein Zimmer mal wieder aufzuwischen. Nach dem Frühstück ruft Christian wie verabredet an. Eigentlich hatten wir vor, uns die Alpujarras anzusehen, aber bei dem Wetter blasen wir die Sache ab.

Was macht man an einem Regentag, wenn man ein neues Computerspiel hat? Richtig, man hängt den ganzen Tag vor dem Rechner. Vorher bereite ich mich aber noch auf die nächste Spanischstunde vor. Ich spiele solange, bis ich nicht mehr weiter komme und lege mich dann erschöpft aufs Bett und mache ein Nickerchen. Obwohl diese Entspannungspause nur eine halbe Stunde dauert, ist es schon fast Zeit für das Abendessen. Ich verspüre keinen Drang, das Haus zu verlassen, habe ich doch schon für das Pilzgemüse alles eingekauft. Also zur Abwechslung noch ein bißchen kochen, um nicht den ganzen Tag passiv zu sein.

Die Zubereitung des Abendessens ist wieder ein Abenteuer. Aber das Resultat überzeugt mich. Zwar würde ein gemischtes Pilzgemüse besser schmecken, wenn man, wie im Kochbuch steht, frische Pilze (drei verschiedene Sorten) nimmt und nicht bloß eine Dose Champignons aufmacht. Immerhin scheint es nichts auszumachen, daß ich statt frischem Knoblauch Pulver verwende. Aber die Zwiebel ist frisch. Ich benötige eine Ewigkeit, bis ich sie endlich kleingehackt habe. Heute bin ich wohl ein bißchen überempfindlich, letzten Samstag hatte ich beim Zwiebelschneiden keine Probleme. Aber wo ist eigentlich der Unterschied zwischen "kleinhacken" und "in kleine Würfel schneiden"? Bei mir gibt es jedenfalls keinen. Es wäre besser gewesen, doppelt so viele Pilze und nur halb so viele Nudeln zuzubereiten, aber ich bin satt und das Essen hat sogar geschmeckt.

So gestärkt bereite ich das erste Fotoalbum vor. Ich verwende dazu die Funktion, die die MGI PhotoSuite 8.0 (gab es zum Scanner dazu) bietet. Da muß ich zwar noch von Hand nacharbeiten, aber die Ergebnisse gefallen mir ganz gut. Ich muß nur daran denken, Sicherheitskopien von den angepaßten Dateien zu erstellen, denn wenn ich das nächste Mal auf "Crear Albúm HTML" klicke, sind alle Anpassungen futsch.

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Mittwoch, 13. Oktober 1999

Ich glaube meinen Ohren nicht zu trauen. Ich werde durch lautes Hämmern geweckt. Da erinnere ich mich gleich an die Hinweisschilder, die ich gelesen hatte: Bitte ab dem 12.10. hier nicht mehr parken, weil am 13.10. die Kanalarbeiten beginnen. Um an der Kanalisation arbeiten zu können, muß man die Straße aufhacken, was für gewöhnlich ein Presslufthammer übernimmt. Und dieser reißt einen brutal aus dem Schlaf. Da es aber schon halb neun vorbei ist, kommt mir der verfrühte Wecker (meiner stand auf 08.50) gar nicht so ungelegen. Der Blick in die Waschmaschine läßt mich fast verzweifeln. Sie ist voll, obwohl gestern erst gewaschen wurde. Ich beschließe, meine Taktik zu ändern. Nichts von wegen Waschtag. Wenn ich das nächste Mal an der Waschmaschine vorbeigehe, diese leersteht, und ich anderthalb Stunden Zeit habe, dann wird gewaschen, egal ob nötig oder nicht.

Bei Mercadona suche ich sehr lange nach dem Honig. Dabei amüsiere ich mich über die Lautsprecherdurchsagen. Wenn Chema, mein Spanischlehrer in Braunschweig, jemanden dabei ertappt, wie er gerade nicht aufpaßt, dann hält er sich die Nase zu und spricht mit froschartige Stimme: "¡Atencione, atencione!", dann sagt er im gleichen Tonfall, welche Aufgabe gerade zu bearbeiten ist. Die Ansagen über die Sprechanlage klingen exakt genauso. Endlich finde ich den Honig. Ich benötige für mein nächstes Gericht laut Kochbuch eine Messerspitze Honig. Die kleinste Einheit, die ich kaufen kann, ist ein 500 Gramm Glas. Dann werde ich wohl die nächsten Wochen statt Marmelade Honig zum Frühstück essen müssen.

Auf dem Rückweg erkenne ich, daß die Kanalarbeiter schon ganze Arbeit geleistet haben. Etwa zehn Meter von meinem Fenster entfernt befindet sich ein riesengroßes Loch im Boden (etwa 2 x 3 Meter, 1,5 Meter tief). Ich verlasse das Haus sofort wieder, nachdem ich die eingekaufte Ware verstaut habe. Da wir zu heute eine Aufgabe aufhaben, die im Übungsbuch steht, muß ich mir jenes besorgen. Es dauert wieder eine Weile, bis endlich ein Angestellter für mich Zeit hat. Ich möchte außerdem noch ein einsprachiges Wörterbuch kaufen, weil ich für die Vokabeln, die ich lerne, auch gleich eine spanische Erklärung haben möchte. Die Auswahl ist zu groß. Ursprünglich wollte ich ja das neue Wörterbuch "Diccionario del Español actual" von Manuel Seco haben, aber das kostet 170 DM und wiegt bestimmt acht Kilogramm. Also entscheide ich mich für ein handlicheres und preisgünstigeres. Aber 20 Minuten brauche ich bestimmt für die Entscheidung.

Anschließend gehe ich ins Internetcafé, um endlich die Homepage zu aktualisieren. Doch was muß ich in meinem Briefkasten lesen. Man kann nicht auf mein Tagebuch zugreifen? Ich probiere es aus. Tatsächlich funktioniert es nur, wenn man das 'T' von "Toto_4" groß schreibt. Das Aktualisieren dauert eine Dreiviertelstunde, der Server oder die Leitungen nach Deutschland oder irgendwas ist überlastet. So wird es höchste Zeit, daß ich endlich eine Stunde vor der geplanten Siesta mit meinen Hausaufgaben beginne. Doch auch diese ziehen sich in die Länge, so daß an Schlafen vor dem Mittagessen nicht mehr zu denken ist. Das Mittagessen selbst will ich nicht beschreiben, hatte ich gestern versprochen. Nun, daran will ich mich auch halten. Das Fahrradfahren macht heute besonders viel Spaß, weil die Luft schön klar ist. Der Regen gestern war dringend notwendig, denn die Luft war furchtbar schmutzig. Leider sind die Bremsen schon wieder ziemlich schwach.

Auf dem Weg zum Sprachkurs gehe ich an einem Militärgebäude vorbei. Ein etwas mulmiges Gefühl beschleicht mich, wo doch Jerónimo erzählt hat, daß es früher auf diese (und andere militärischen oder polizeilichen) Einrichtung(en) Bombenanschläge der ETA gegeben haben soll. Der letzte ist drei Jahre her. Das unbehagliche Gefühl wird stärker, als ich im Vorbeigehen genau in die Mündung der MP des Wachsoldaten blicke. Ich hatte schon immer eine Heidenrespekt vor Waffen, vor allem bei der Bundeswehr (sonst hatte ich ja mit Waffen auch nicht viel zu tun). Das widerspricht doch jeglicher Sicherheitsbestimmung, daß die Waffe in Richtung der Köpfe der Passanten gerichtet ist. Aber das ist eben Spanien, hier sind alle Vorschriften nur Kannbestimmungen, an die man sich scheinbar nicht halten muß.

Auch in der heutigen Stunde erzählt Jerónimo wieder Horrorgeschichten. Vor zwei Tagen ist einem Wachmann bei einem Tankstellenüberfall der Kopf mit einem Gewehr weggeschossen worden. "Tortilla de Sacromonte" sagt er dazu (Sacromonte ist ein Stadtteil von Granada mit sehr vielen kleinen verwinkelten Gassen, die man nach Anbruch der Dunkelheit besser nicht alleine betritt). So zweifle ich dann auch auf dem Rückweg an der Richtigkeit meiner Wahl des Weges. Ich habe mich nämlich für den kürzen Weg, durch enge, einsame Gassen entschieden, statt den etwas längeren über die Recogidas zu nehmen. Aber Realejo ist ja nicht Sacromonte.

Desweiteren führt mich der Rückweg durch den Corte Inglés. Ich brauche Werkzeug für mein Fahrrad und Kopfhörer für mein Notebook, denn der piepsige Ton aus den eingebauten Lautsprechern geht mir schon eine Weile gewaltig auf die Nerven. Es ist eine Freude, endlich wieder richtig Musikhören zu können. Auch die Dialoge von "Lands Of Lore III" verstehe ich jetzt, so daß ich das Spiel noch einmal von vorne beginne, um die Quests diesesmal in der richtigen Reihenfolge zu absolvieren. Das dauert natürlich auch etwas länger als geplant ("mal eben eine halbe Stunde spielen..."), so daß ich jetzt gedenke, mich schlafen zu legen. Allerdings scheint in unserem Haus eine Party stattzufinden. Den Geräuschen nach zu urteilen, muß die Feier genau in der Wohnung über der unsrigen sein. Hoffentlich brauchen die morgen früh keinen Presslufthammer mehr.

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Donnerstag, 14. Oktober 1999

Oh doch, sie sind noch lange nicht fertig. Ich stehe mit er Hoffnung auf, den früh beginnenden Tag für einen Besuch der Alhambra nutzen zu können, doch leider ist es stark bewölkt und es gibt ab und zu Regenschauer. Also das Alternativprogramm für schlechtes Wetter: Lernen und Computerspielen. Immerhin wird das Wetter pünktlich zur Fahrt in die Mensa besser. Das Essen ist klasse, wie immer. Leider schnappt mir die Frau vor mir in der Schlange das letzte Glas Rotwein vor der Nase weg. Naja, man kann halt nicht immer gewinnen. Auch im Kampf um die Waschmaschine ist kein Sieg in Sicht.

Am Nachmittag klingelt plötzlich mein Handy. Ich erkenne, daß ich mittels eines spanischen Handies angerufen werde, aber die Nummer ist mir unbekannt. Ich höre schwach eine Frauenstimme, aber was sie sagt, verstehe ich überhaupt nicht. Erst als ich das Fenster schließe, geht es einigermassen. Dem Akzent nach zu urteilen, handelt es sich bei der Frau um eine Österreicherin. Ihren Namen verstehe ich natürlich nicht und komme auch nicht auf die Idee, nachzufragen. Nach einer Weile begreife ich auch, was sie von mir will. Sie will sich ein Fahrrad kaufen und da hat sie von Christian gehört, daß ich so billig an ein Fahrrad gekommen bin. Erstaunlich, daß sich soetwas herumspricht. Ich beschreibe ihr den Weg zum Fahrradladen.

Da ich nicht den ganzen Tag spielend verbringen möchte, widme ich mich abends meinem (privaten) Tagebuch. Alles, was hier an dieser Stelle erwähnt wird, ist wahr, aber nicht alles, was wahr ist, wird hier erwähnt. Aber so richtig produktiv ist das Tagebuchschreiben nicht. Ich höre eher Musik und träume vor mich hin, als das ich Dinge, die mich bewegen, niederschreibe. Aber so ist das halt, es gelingt mir nur an einigen wenigen Tagen im Jahr, wirklich gute Tagebucheinträge zu verfassen. Wenn am Samstag schönes Wetter sein sollte, dann kann ich vielleicht eine Fahrradtour machen und mich an einem schönen Plätzchen in den Bergen besser auf das Festhalten meiner Gedanken konzentrieren. Wenn dann auf dem Rückweg die Bremsen versagen, habe ich Werkzeug, um sie zu reparieren.

Vor dem Schlafengehen scanne ich noch ein paar Bilder für das Fotoalbum ein. Leider ist das Scannen so CPU-intensiv, daß die Musik ständig Aussetzer macht. Also setze ich die Kopfhörer ab und nehme die CD aus dem Laufwerk. Schade, ich hätte gerne noch weiter den Klängen gelauscht. Aber es tut auch ganz gut, denn ich habe die Kopfhörer schon ziemlich lange getragen und ein bißchen drücken die ja immer.

Ich sehe schon, ich muß dafür sorgen, daß wieder mehr berichtenswertes passiert, denn ich langweile mich schon beim Schreiben dieser Zeilen. Wie mag es da dem Leser gehen?

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Freitag, 15. Oktober 1999

Heute benötigen die Bauarbeiter keinen Presslufthammer. Wohl aber einen Radlader, der vor meinem Fenster auf und ab fährt. Das wäre ja an sich nicht so tragisch, würde das Fahrzeug nicht beim Rückwärtsfahren ein piependes Warnsignal von sich geben. Grund genug, zeitig aus dem Bett zu steigen. Es ist stark bewölkt, also verzichte ich auf den Besuch der Alhambra und gehe im Corte Inglés shoppen. Da ich ja nun Werkzeug besitze, kann ich auch wieder an Fahrradtouren denken. Doch um die Erfahrung reicher, daß es fürchterlich kalt ist auf dem Rad, wenn man sich erst bergauf quält und dann durchgeschwitzt im Zug steht. Also müssen geeignete Fahrradklamotten her. Die richtig wirkungsvollen Teile aus Gore-Tex kosten beinahe 200 DM. Das ist mehr als das doppelte, was mein Fahrrad gekostet hat. Eine Gore-Tex Weste ist für 100 DM zu erhalten, allerdings nicht in "Grande". So fällt die Auswahl leicht, ich nehme eine Fahrradkombination von "Boomerang", wahrscheinlich eine Handelsmarke des Corte Inglés. Ich bin mal gespannt, ob die auch etwas bringt. Wenn ich allerdings so sportlich gekleidet bin, muß ich auch dementsprechend sportlich fahren. Außerdem besorge ich mir noch Dungeon Keeper 2 in der spanischen Version.

Anschließend gehe ich ins Internetcafé um meine Mailbox zu checken. Erstaunlicherweise habe ich Post aus Tokyo, Limerick, Middlesborough und Braunschweig bekommen. Interessant, wie es anderen ergeht, die sich ebenfalls gerade studienhalber im Ausland aufhalten. Aber über Nachrichten aus der Heimat freue ich mich auch sehr. Ich rühre ordentlich die Werbetrommel für mein Tagebuch. Natürlich habe ich heute keine Diskette dabei, so daß ich erst eine erwerben muß, um die Briefe, die als Attachment verschickt worden sind, mit nach Hause zu nehmen. Glücklicherweise ist der Wirt aber kein Halsabschneider und verkauft die Datenträger zu einem wirklich fairen Preis. Viel günstiger bekommt man Disketten im Laden auch nicht. Heute habe ich auch keine Probleme, die Dateien auf mein Notebook zu überspielen, zu öffnen und auszudrucken. D.h. das Drucken erfordert noch kleinere Umbauten in meinem "Mini-Office", da das Kabel vom Scanner den Papiereinzug des Druckers blockiert.

Bevor ich mich auf den Weg zum Mittagessen mache, mache ich eine freudige Entdeckung: Die Waschmaschine ist leer! Sofort renne ich in mein Zimmer, nehme den Stapel Wäsche, der seit letzten Samstag griffbereit auf dem Fußboden liegt, und fülle die Waschmaschine. Das kostet etwas Zeit, so daß ich wirklich auf den letzten Drücker in der Mensa erscheine und keinen Rotwein mehr bekomme. Als ich wieder zu Hause bin, will ich die Waschmaschine ausräumen. Doch offenbar habe ich das falsche Programm gewählt, sie ist noch nicht fertig. Erst kurz nach halb sechs, also nach zweieinhalb Stunden ist das Schleudern endlich beendet. Ich beeile mich, um nicht zu spät zum Sprachkurs zu erscheinen. Doch heute kommt Jerónimo eine Viertelstunde zu spät, so daß ich auch hätte in Ruhe gehen können.

Das Thema der heutigen Stunde ist Werbung. Wir sehen uns ein Video mit spanischen Werbespots an. Mir kommt das Video gleich bekannt vor. Nach dem dritten Spot erinnere ich mich daran, daß wir eben dieses Video auch im Sprachkurs in Braunschweig gesehen haben. Ich habe damals kein Wort verstanden und auch heute geht es mir nicht anders. Mein Hörverständnis muß unbedingt verbessert werden. Es ist wahrscheinlich wirklich keine Schlechte Idee, spanische Computerspiele als Alternative zum Fernsehen zu verwenden. Auf dem Rückweg, den ich gemeinsam mit Dipi zurücklege, werden wir Zeugen eines Gewitters. Zum Glück ist es noch warm, so daß der Regen kaum stört. Auch meine Wäsche, die im Innenhof auf der Leine hängt nimmt keinen Schaden, weil die Wäscheleine mit einer Plane abgedeckt ist. Wir verabreden, am Abend noch einmal zu telefonieren, um den weiteren Ablauf des Abends zu klären.

Nach dem Abendessen probiere ich mich als "Guardian" und spiele die ersten Level von Dungeon Keeper 2 durch. Bei der Installation kann ich auch Englisch als Sprache wählen, aber nach einem Moment des Überlegens erinnere ich mich an den Zweck des Kaufs und wähle Spanisch aus. Keine Schlechte Wahl, der Sprecher ist ganz gut zu verstehen, wenn man die Sound-Effekte leise stellt. Vielleicht lerne ich auf die Art und Weise ja doch die Spanische Sprache besser zu verstehen.

Als ich dann um kurz nach elf zum Telefon greife, ist die WG, in der Dipi wohnt, gerade am Kochen, so daß er nicht mit Bestimmtheit sagen kann, wann und wo und was überhaupt noch abgeht. Also setze ich ein Zeitlimit bis eins, da ich sehr müde bin. Sollten sie sich bis dahin entschieden haben und zum Aufbruch bereit sein, soll er mich nochmal anrufen. Doch das Telefon schweigt für den Rest des Abends.

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Samstag, 16. Oktober 1999

Leider arbeiten die Kanalarbeiter auch Samstags. Mir bleibt also nichts anders übrig, als zeitig aufzustehen. Dabei bin ich furchtbar müde. Als erstes besorge ich die Tomaten für die Tomatensoße heute Abend. Dann erledige ich die Hausaufgaben. Um für das Wochenende mit Wasser und Brot gerüstet zu sein, gehe ich zu Mercadona. Außerdem brauche ich noch Käse für die Soße. Doch bin ich nicht der einzige mit diesem Vorhaben. Der Laden ist so brechend voll, daß nicht einmal mehr Einkaufskörbe zu haben sind. Ich beschließe, es später erneut zu versuchen und nehme nur Wasser und Brot mit. Mehr kann ich ohne Korb nicht tragen.

Das Wetter ist klasse, also entschließe ich mich zu einer Fahrradtour. Das Reparieren der Bremsen geht ganz schnell. Nicht einmal das Werkzeug brauche ich dazu. Um den Sattel zu verstellen, ist der Knochen aus dem Set allerdings nicht ausreichend. Ich bräuchte einen zweiten, um die Kontermutter festzuhalten. Nachdem ich mir noch ordentlich unnötigen Ballast auf den Rücken geladen habe, geht es los. Ich folge dem kleinen Flüßchen, der gleich in der Nähe fließt. Auf Stadtverkehr habe ich überhaupt keine Lust. Ich finde gleich den Weg, den ich einschlagen will und trete ordentlich in die Pedalen. Doch die Strecke ist sehr holprig, manche Kieselsteine sind faustgroß. Nachdem der dritte von ihnen auf die Felge des Hinterrads durchgeschlagen ist, drossele ich das Tempo. Mit Sorge betrachte ich den Hinterreifen, der nur noch wenig Luft in sich trägt.

Die Landschaft am Fluß ist nicht sehr schön. Leider neigen die Spanier dazu, überall ihren Müll abzuladen. Die Luft ist frisch, wenn man aber an durch Gebüsch geschützten Stellen vorbeifährt, wo die Luft steht, spürt man die Kraft der Sonne, denn sie ist auch im Oktober hier noch in der Lage, die Luft richtig heiß werden zu lassen. Nach etwa einer Stunde habe ich genug von der Strecke. Ich entscheide mich, den Fluß zu verlassen. Doch wo bin ich eigentlich? Fließt nicht ein Fluß bergab? Dann habe ich bestimmt schon eine ganz schöne Strecke zurückgelegt. Das Dorf, in dem ich mich jetzt befinde, kenne ich nicht, woher auch. Dumm, daß ich keine Karte habe. Da stehen also schon wieder vier Dinge auf dem Einkaufszettel für Montag. Ein zweiter Knochen oder Schraubenschlüssel, eine Luftpumpe, eine Karte der Umgebung Granadas und ein Mountain-Bike-Führer. Ich orientiere mich halbherzig anhand des Sonnenstands. Obwohl ich weiß, das der Weg, den ich einschlage, mich weiter von Granada wegfährt, bin ich noch eine Weile von der Richtigkeit der Entscheidung überzeugt. Ich denke auch, der Weg geht in Richtung Nordnordost und ich kann auf ihm Granada mehr oder weniger umradeln. Doch der Weg verläuft gänzlich anders als zunächst angenommen.

Hier zeigt sich die Naivität eines Deutschen im Ausland. Ich habe vor, über ein paar Dörfer dann jeweils dir grobe Richtung zu ändern. Aber die Gegend hier ist bei leibe nicht so dicht besiedelt, wie die unsrige in der Heimat. Auch das Straßennetz ist viel dünner, so daß ich erst nach einer ganzen Weile Gelegenheit bekomme, die Himmelsrichtung zu wechseln. Ich fahre schon eine ganze Weile bergauf, aber die Aussicht entschädigt für die Anstrengung. Ein bißchen beunruhigt bin ich schon, daß ich von der Anhöhe Granada überhaupt nicht ausmachen kann. Nicht nur in der Richtung, wo ich es vermutet habe, ist die Großstadt nicht zu sehen. Doch ich stoße bald auf ein Straßenschild, daß mir den Weg nach Granada weist. Nach einer Viertelstunde auf einer schönen Landstraße komme ich an die Auffahrt zur N432, der gut ausgebauten Landstraße zwischen Córdoba und Granada.

An dieser Stelle begehe ich einen schwerwiegenden Fehler, an dessen Folgen ich das restliche Wochenende zu knabbern haben werde. Ich bin davon überzeugt, die Landstraße umgehen zu können und über die kleinen Dörfer, die ich von dem Hügel aus, auf dem ich bin, sehen kann. Ich nehme also die einzige Alternative, eine Straße, die erst in Richtung eines kleinen Dorfes, dann aber in eine ganz andere Richtung führt, und zwar steil bergauf. Dabei wechselt sie natürlich ständig die Himmelsrichtung, so daß ich keine Ahnung habe, wo die Straße hinführt. Ich sehe das Dorf, in das ich will, in vielleicht einem Kilometer Entfernung kann aber keine Straße ausmachen, die mich dorthin brächte. Ich hoffe immer noch auf eine Abzweigung nach rechts, um das eben beschriebene Dorf zu erreichen. Der Anstieg kostet mich eine ganze Stunde und die letzte Kraft aus meinen Beinen. Bisher ist es mir fast egal gewesen, daß der Sattel viel zu niedrig eingestellt ist. Doch bei einem Anstieg dieser Kategorie brauche ich die ganze Kraft, und die läßt sich schlecht aufbringen, wenn man die Beine nur zur Hälfte durchstreckt. Die Straße geht zum Schluß noch ein paar hundert Meter wieder bergab, dann trifft sie wieder auf die Landstraße nach Córdoba (natürlich weiter Richtung Córdoba). Ich glaube zu träumen, diese Straße hat keine Abzweigung (von ein paar Zufahrten zu Olivenhainen mal abgesehen), sondern verbindet nur zwei Kreuzungen einer Landstraße??? Haben die denn die Straße nur gebaut, um mich zu vera****en??????? Die Straße ist wohl noch ein Relikt aus einer Zeit, in der es die N432 noch nicht gab. Sie ist auch in einem abenteuerlichen Zustand, auf der halben Strecke ungefähr ist die Asphaltdecke von einem Unwetter völlig weggespült, so daß man mit dem Auto gar nicht weiterkommt (höchstens im Geländewagen).

Völlig erschöpft tanke ich wieder etwas Energie durch Nahrungsaufnahme auf. Erst beim Essen merke ich, daß ich großen Hunger habe. Ich hätte mehr Wasser mitnehmen sollen. Aber das Trinken fällt mir erstaunlich schwer. Ich habe das Gefühl, daß die soeben eingenommen "Mahlzeit" (vier Scheiben Toast mit Wurst und Käse) gleich wieder das Tageslicht erblickt. Durch diese Rationierungsmaßnahme reicht das Wasser wenigstens für den gesamten Rückweg. Die Zigarette nach dem Essen verkneife ich mir aus gutem Grund. Ich fasse zum Testen des Wasserstands auf den Rücken und bin entsetzt. So ein nasses Kleidungsstück hatte ich nicht mehr an mir, seit ich in den Südsee gefallen bin. Doch es hat sich gelohnt, ein Trikot zu besorgen. Zum einen ist es für das Gesäß wesentlich angenehmer, auf einem Polster platzzunehmen, zum anderen friere ich nicht, obwohl ein frischer Wind pfeift. Es wird zwar ab und zu etwas frisch, das ist aber kein Vergleich zu der Kälte die ich bei meiner Fahrradtour zum Parque de Invierno im Baumwoll-T-Shirt gespürt habe. Tja, Polyester hat doch Vorteile. Wenn man optimal klimatisiert sein möchte, muß man eben die 500 DM für einen kompletten Gore-Tex-Anzug ausgeben.

Nun darf ich also den ganzen Berg, den ich so mühsam erklommen habe, wieder herunterfahren. Wer glaubt, daß das ein Vergnügen ist, der irrt. Erstens ist es Götterkalt, lange Hose und Pullover währen dringend angebracht und zweitens bin ich ein Angsthase. Ich traue meinen Bremsen nicht so recht. Außerdem ist der Seitenstreifen zwischen Leitplanke und Fahrbahn nicht sehr breit und ich komme ganz schön ins schleudern, wenn mich ein LKW überholt. Ich bin froh, als ich wieder unten bin. Die Abfahrt ist erstaunlich lang. Ich bin mir erst jetzt über die Weite der Strecke im Klaren, die ich mich vorher bergauf gequält habe.

Ich bin froh, als ich endlich unten im nächsten Ort bin (Pinos Puente). Der Ort zieht sich in die Länge, was für spanische Orte eher normal ist. Am Ortsausgang dann ein Schild: Granada 13 km. Da ich natürlich noch durch die halbe Stadt muß, kann ich also noch zwei oder drei Kilometer draufrechnen. Die Strecke ist häßlich, es geht nur durch Gewerbegebiet. Ständig liegen die Überreste von toten Tieren am Straßenrand. Die meisten Kadaver (Schafe? Ziegen? Rehe? Hasen?) sind zur Unkenntlichkeit verwest. Ich gebe zu, so genau habe ich auch nicht hingeschaut. Eine Ratte habe ich erkannt, die war wohl erst kürzlich verstorben. Leider kann ich nicht mehr ausweichen und fahre ihr über den langen Schwanz. Ich fahre bis La Chana, dann stelle ich fest, daß Granada auch eine "Circunvalación" (so heißt hier die Tangente) für Radfahrer hat. Parallel zur Stadtautobahn führt ein breiter Fahrradweg lang. Doch so Fahradbegeistert sind die Spanier auch nicht, an jeder Kreuzung haben die Autos Vorfahrt. Wäre es aber andersherum, müßte man als Radfahrer auch warten (wer Zebrastreifen auch dann ignoriert, wenn die Fußgängerampel grün und die eigene rot zeigt, der wird wohl einem Schild "Radfahrern Vorfahrt gewähren" auch nicht viel Beachtung schenken.

Ich kann mein Glück kaum fassen, als ich mich endlich in meinem Zimmer auf das Bett fallen lasse. Es stört mich ein wenig, daß ich noch Programmpunkte abzuarbeiten habe. Als erstes wird geduscht, dann will ich eigentlich einkaufen, aber ich lege eine Kassette in den Recorder und setze mich apathisch in den Sessel. Als die Seite der Kassette zu Ende ist, mache ich mich endlich auf den Weg zu Mercadona. Doch da sind genausoviele Leute, wie heute Vormittag. Es ist also doch die klügere Entscheidung, zur Siesta einzukaufen. Ich bekomme keinen Ricotta und nehme stattdessen Parmesan. Da ich meine Fanta inzwischen ausgetrunken habe (ich benötige ca. eine Woche für eine 2-Literflasche), will ich neue kaufen. Eigentlich will ich Dosen kaufen und die Billiglimo ausprobieren, doch dummerweise sind hinter den Preisen auch noch die Literpreise angegeben. Für eine 0,33 -Liter-Dose Billigbrause bezahle ich 39 Ptas., für eine 2-Literflasche 59 Ptas. Wenn dann auch noch die Literpreise angegeben sind, dann kann man sich nicht für die Dosen entscheiden, zumal ich beschlossen habe, in Zukunft etwas sparsamer zu werden. Die Brause schmeckt grottig, nächstes Mal wird es wieder Fanta naranja (für 159 Ptas).

Das Kochen wird wieder zur Katastrophe, zumal irgendwie alles an mir vorbeiläuft. Ich vergesse beim Würfeln der Tomaten die Kerne zu entfernen. Außerdem kochen die Nudeln ständig über. Parmesan ist zum Binden einer Tomatensoße auch nicht besonders gut geeignet. Beim nächsten Mal nehme ich Tomatenmark aus dem Tetra-Pak. Das kostet die Hälfte und spart jede Menge Arbeit. Immerhin werde ich satt (ich habe die Menge für zwei Personen gekocht) und es schmeckt gar nicht so schlecht. Vollgefuttert und mit schmerzenden Beinen falle ich um 23.00 Uhr (völlig unspanische Uhrzeit) ins Bett. Beim Umziehen sehe ich, warum sich meine Haut so merkwürdig anfühlt. Ich habe einen ordentlichen Sonnenbrand, vor allem an den Waden, aber auch oberhalb der Knie, auf den Oberarmen, sogar auf den schon ziemlich vorgebräunten Unterarmen. Zusätzlich, weil das ja noch nicht ausreicht, auf der Stirn. Seltsamerweise sind die Ohren nicht verbrannt, obwohl die nicht unter meiner Cap platzgefunden haben.

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Sonntag, 17. Oktober 1999

Es heißt zwar immer - auch die Spanier behaupten das von sich selbst - man arbeitet hier nicht gerne, daß bedeutet aber nicht, daß ich nicht auch am Sonntagmorgen durch den Presslufthammer geweckt werde. Ich quäle mich trotz meines Muskelkaters (eigentlich nur Schmerzen in Beinen, Armen und Rücken, der Muskelkater kommt erst morgen) zum Fenster. Meine Ohren sind offenbar schon auf Presslufthammererkennung getrimmt, denn das Geräusch kommt mir anders vor als das der letzten Tage. Und tatsächlich, heute wird nicht direkt unter meinem Fenster gearbeitet, sondern auf der anderen Straßenseite der Camino de Ronda.

Ich bin noch etwas unschlüssig, wie ich den heutigen Tag verbringen soll. Ob der Schmerzen vor allem in den Beinen aber ist mir schnell klar, daß ich keine Lust habe, den ganzen Tag im Auto herumzufahren. Im Reiseführer lese ich, daß der Sonntag vor allem für die Alhambra geeignet sein soll. Aber die Vorstellung, den ganzen Tag herumzulaufen, gefällt mir auch nicht sonderlich. Nächsten Sonntag sehe ich mir die Alhambra an. Ich erinnere mich an den Badesee gleich in der Nähe Granadas. Das wäre doch gar nicht schlecht, den ganzen Tag am See abhängen, entspannen und Sonne tanken. Sonne tanken? Mit Sonnenbrand? Ich gebe es auf. Das heute ein verlorener Tag ist, wird mir schnell klar.

Damit ich aber noch, bevor ich wieder den ganzen Tag Computerspiele laufen lasse, etwas wirklich sinnvolles tue, schnappe ich mir noch das Lehrbuch meines Spanischkurses aus Braunschweig, um einige Defizite aufzuarbeiten. Anschließend befasse ich mich mit den "Cuentos de La Alhambra" von Washington Irving. Im Geschäft hatte ich mich zwischen Spanisch, Französisch, Englisch und Deutsch zu entscheiden. Ich war kurz davor, die englische Ausgabe zu wählen, schließlich war Irving US-Amerikaner und Englisch die Sprache, in der er sein Werk verfaßt hat. Aber sollte ich das Buch auf Spanisch nicht verstehen, dann kann ich immer noch die englische Version lesen (und wenn ich selbst die nicht verstehe, dann die deutsche). Ich nehme mir vor, den Text gründlich duchzuarbeiten, also im Geist jeden Satz mit allen seinen Wörtern zu übersetzen. Auf diese Weise benötige ich fast zwei Stunden für die knapp zehnseitige Einleitung.

Der Nachmittag dann wird für die elektronische Zerstreuung verwendet. Dabei bringt das Spielen nicht nur Entspannung. Im Gegenteil, bei Lands Of Lore III kommt sogar Frust auf. Ich komme überhaupt nicht weiter. Alles, was ich heute probiere, ist für die Katz (nicht für Pepito - so heißt der kleine Tiger der Vermieterin), auch ein großer Teil der Ergebnisse vom Freitag. Bevor mir die Aufregung zu Kopf steigt, wechsele ich zu Dungeon Keeper 2. Hierbei stört mich, daß sich schon die ersten Levels ziemlich in die Länge ziehen. Ich bin zwar nicht der schnellste, aber 1:05, 1:15 sind für meinen Geschmack zu lange, vor allem für die ersten Levels.

Zum Glück finde ich auch hier noch den rechtzeitigen Absprung, so daß ich noch einen Brief schreiben kann. Während ich grübelnd über meinem Block sitze, klopft es an meiner Tür (das ist seit dem Tag, an dem ich hier eingezogen bin, nicht mehr passiert). Es ist Juan (?), der Sohn der Vermieterin. Er hält einen Brief in der Hand, von dem er annimmt, daß er für mich sei. Als ich die Schrift erkenne, weiß ich sofort, daß der Brief für mich ist. So eine unglaubliche Schrift hat nur mein Großvater. Obwohl klar und deutlich auch die Nummer des Appartements auf der Anschrift steht, wurde der Brief nicht in den Kasten geworfen, sondern oben drauf gestellt. Wofür sind denn dann die Appartmentnummern auf den Briefkästen, wenn sich die Briefträger nach den Namen richten (mein Name steht natürlich nicht am Briefkasten)?

Durch diese angenehme Unterbrechung gerät mein Zeitplan etwas durcheinander, so daß ich erst gegen 21.30 zu Bocatta zum Abendessen komme. Inzwischen ist es dort richtig voll geworden, ich stehe bestimmt zehn Minuten in der Schlange. Das ist jetzt schon das zweite Mal, daß die Pommes ausgegangen sind. Ich nehme also zum Spar-Menü einen Salat (Aufpreis!). Doch man vergißt das Dressing beizulegen. Also esse ich ihn trocken, weil ich froh bin, daß ich sitze und außerdem alles an mir vorbeiläuft. Es ist, als ob ich mich im Traum befände (falls es bisher noch nicht klar geworden ist, was ich mit "an dessen Folgen ich noch das ganze Wochenende zu knabbern haben sollte", gemeint hatte, dann genau das).

Nach dem Abendessen beschäftige ich mit meiner "Buchhaltung" und mit meinem spanischen Tagebuch. Da habe ich noch Rückstände aufzuweisen, aber daß ich am Samstag Abend kein Tagebuch mehr geschrieben habe, sollte niemanden verwundern. Auch das Fotoalbum wird erweitert, bis es dann (spanische) Zeit wird, ins Bett zu gehen.

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