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Montag, 20. September 1999

Die Aufregung macht mich verrückt. Umso näher die Abreise rückt, umso unwirklicher wird das Ganze. Ich kann doch nicht auf einmal für ein halbes Jahr wegsein. Das habe ich doch noch nie gemacht.

Die Verabschiedung von meinen Freunden, die ich mir so spektakulär herzzerreißend vorgestellt habe, gestaltet sich geradezu gewöhnlich, so als würden wir uns nach vierzehn Tagen Urlaubsreise wiedersehen. Ich glaube, es wurde selten so viel belangloses gesagt. Was hatte ich mir nicht alles vorgenommen, noch loswerden zu müssen. Und jetzt so etwas!

Die Nacht schreitet voran und ich finde keinen Schlaf. Ich wälze mich unruhig von einer Seite auf die andere. Alle Stunde ein Gang auf die Toilette. Um 02.00 Uhr fällt mir ein, daß ich vergessen habe, den Geschirrspüler anzustellen. Meine Eltern sollen doch kein schmutziges Geschirr vorfinden, wenn sie aus dem Urlaub kommen. Jetzt stört mich der Krach vom Geschirrspüler. Komisch der lief doch schon öfter nachts, aber noch so laut wie heute.

Woher kommen bloß diese Magenprobleme? Ist es die Angst? Oder das Bier von der Abschiedsparty am Freitag? Oder das Sauerkraut von Sonntag Mittag? Die Panik überkommt mich als der Wecker klingelt. "Hoffentlich geht das gut! Ich muß 900 km Autobahn hinter mich bringen und habe die ganze Nacht kein Auge zugemacht!" Das Badezimmer ist ein guter Ort, um munter zu werden. Hier ist es schon hell und man kann laut Musik hören. Mr. Vain von Culture Beat kommt aus dem Radio. Genau das richtige, um aufzuwachen (an dieser Stelle möchte ich dem geneigten Leser die genauere Beschreibung meiner Tanzeinlage vor dem Badezimmerspiegel ersparen).

"Nur noch die letzten Sachen zusammenpacken und dann los!" Das schnelle Zusammenräumen von Klamotten erweist sich doch als zeitraubende Angelegenheit. Ausgerechnet der Zettel mit der Hoteladresse in Frankreich ist nicht aufzufinden. Ich beschließe, da ich mittlerweile auch den Namen des Hotels nicht mehr weiß, noch einmal ins Rechenzentrum zu fahren, und den verschollenen Wisch erneut auszudrucken. Meine Reise beginnt hervorragend: Auf dem Weg ins RZ gibt es Stau. Um halb neun ist nie Stau in Braunschweig.

Um kurz nach neun bin ich endlich auf der Autobahn Richtung Süden. Natürlich peile ich es am Übergang von der A39 auf die A7 wieder nicht und fahre auf der A7 in die falsche Richtung. Ich bin die Stelle jetzt dreimal gefahren und habe dreimal die falsche Abfahrt genommen. Schon jetzt hätte ich Lust auf eine Pause, aber ich muß die vertrödelten zwei Stunden aufholen. Also erste Pause beim ersten Tankstopp. Bis es dazu kommt müssen aber noch die Kasseler Berge überquert werden. Mehr als 90 sind da nicht drin. Bei uns im flachen Land reichen ja sonst die 60 PS völlig aus, aber hier wäre eine bessere Motorisierung angebracht. Aber wenigstens sind die LKW-Fahrer nett. Der eine versucht sogar mich anzuschieben.

Je weiter man nach Südwesten vordringt, umso schlechter wird die Autobahn. Die französische Autobahn ist besser, auch wenn es dort ein Tempolimit von 130 gibt, kommt man trotzdem noch ziemlich schnell voran. Allerdings sind die Straßenbauarbeiten auch sehr schnell abgeschlossen. Da empfiehlt es sich, eine aktuelle Straßenkarte zu verwenden, denn die Autobahn, auf der ich mich befinde, ist in meinem Atlas (von 1993) gar nicht eingezeichnet. Nun gut, auf diesem Wege gelangt man zwar schneller nach Lyon, mein Etappenziel Chalon-sur-Saône liegt an der A6, und dort führt diese Autobahn nicht vorbei. Also runter von der Autobahn und eine Stunde nach Westen auf der Landstraße. Zum Glück habe ich meinen Irrtum noch rechtzeitig bemerkt. Dafür ist das Fahren streng nach Westen gegen die Tiefstehende Sonne nicht gerade einfach. Natürlich ist die direkte Verbindung wegen Bauarbeiten gesperrt, so daß ich eine Umleitung fahren muß. Da dafür habe ich die Spritreserve nicht kalkuliert, wer weiß schon, wie lang so eine Umleitung sein kann? Also Tankstop in einem kleinen Dorf.

Der erste Kontakt mit den Eingeborenen offenbart mir überdeutlich, wie lange ich schon aus der Schule heraus bin, denn seit dem Abi habe ich kein Wort Französisch mehr gesprochen. Die Tankwartin habe ich jedenfalls nicht verstanden. Zum Glück ging es ja nur um das Tanken. Das bekommt man auch ohne Worte hin. Wie mag das wohl im Hotel werden? Doch bis es soweit ist, muß ich das Hotel erst einmal gefunden haben. Vielleicht hätte ich mir doch eine etwas kleinere Stadt als Zwischenstation aussuchen sollen.

Wer suchet, der findet. So kommt auch für mich der Moment, in dem ich in Rezeption stehe. Die Frau dort scheint Erfahrung mit Ausländern zu haben, denn ich verstehe sie gut. Leider erklärt sie mir, daß die Garage zwei Straßen weiter in einer Hofeinfahrt versteckt es und ich mein Gepäck ausladen muß, das ich für die Nacht brauche. An dieser Stelle wird mir klar, daß ich die Taschen und Koffer völlig unsystematisch gepackt habe. Welche Bagage also mitnehmen? Ich nehme einen Koffer, eine Tasche und die beiden Rucksäcke. Beim Tragen dieses Gepäcks soll mir die Hotelpagin helfen, eine zierliche Frau Anfang 20 soll meine Koffer tragen? Niemals! Erstens gehöre ich in der Beziehung zur "alten Schule", zweitens würde mein Selbstbewußtsein Schaden nehmen, sollte sie die Koffer, die ich nur mit Mühe bewegen kann, ohne weiteres zu tragen in der Lage sein. Ich überlasse ihr die Reisetasche, an der sie offensichtlich schon genug zu tragen hat.

Dafür, daß das Hotel so fein ist, ist das Zimmer ganz schön mickrig. Da ich ziemlich fertig bin, beschließe ich, nach einer Dusche in bessere Klamotten zu schlüpfen und das hoteleigene Restaurant aufzusuchen. Wo sind meine schwarzen Halbschuhe und wo ist meine graue Hose? Natürlich in dem Koffer, der sich noch immer im Kofferraum meines Seat Ibizas befindet. Also Jeans und Turnschuhe. Das Restaurant ist noch feiner als der Rest des Schuppens. Es gibt nur einen Einzelplatz. Ich nehme an diesem Platz und stelle fest, daß man von der Empfangshalle einen wunderschönen Blick auf meine schneeweißen Sneakers haben muß. Doch blicktechnisch werde ich auch ganz gut bedient. Die Hotelpagin hat offenbar nichts besseres zu tun, als in der Empfangshalle zu stehen und an ihren Fingernägeln zu kauen. Scheißjob! Aber wirklich eine hübsche Frau. Die schwarz-weiße Uniform steht ihr bestens.

Bei meinem Sparmenü wurde vor allem an der Menge gespart. Schon als mir das Essen gereicht wird, kann ich das edle Dekor des Tellers bewundern. Dafür sind Rotwein und Dessert vom feinsten. Der Kellner bewegt sich so verkrampft, als hätte er was im Hintern stecken. Dafür sieht die Kellnerin aus wie die jüngere Schwester der Hotelpagin. Wenn hier alle Frauen so aussehen, sollte ich vielleicht hierbleiben. Ausgerechnet bei dieser Frau passiert mir der Schnitzer, mit dem ich schon gerechnet hatte. Als sie mich fragt, ob ich Kaffee wolle, sage ich, gedanklich wohl schon in Spanien "¡si!" statt "oui!". Aber nach dem Viertelliter Rotwein bin ich auch fast soweit, in meinem Sessel einzuschlafen.

Am Nachbartisch sitzt ein deutsches Paar. Die dürften beide Mitte bis Ende 50 sein. Sie beschwert sich über ihr Aussehen, womit sich durchaus nicht unrecht hat. Dann wird sie aber doch noch typisch Deutsch und beklagt sich über die (zugegeben gepfefferten) Preise. Aber was soll es, Atmosphäre hat halt ihren Preis. Ich weiß nur, daß ich so ein Hotel so bald nicht wieder buchen werde.

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Dienstag, 21. September 1999

Nachts wache ich mit völlig trockener Kehle auf. Muß der Nachdurst vom Rotwein sein. Wo ist die Wasserflasche? Natürlich im Auto. Was gibt die Minibar her? Perrier 0,33 l und Vittel 0,5 l zu je 16 FF. Das macht umgerechnet fast 6 Mark. Da ich nicht weiß, ob man das Leitungswasser trinken kann (es riecht auch nicht gut), entscheide ich mich für die Flasche Vittel. Ich habe noch nie so genußvoll einen halben Liter Wasser getrunken, wie diese Nacht.

Beim Frühstück plündere ich als erster das Buffet. Erst später kommen Amerikaner hinzu. Müssen Texaner sein, die sprechen auch mit leerem Mund so, als ob sie gerade von ihrem Croissant abgebissen hätten. "Vraiment international ici!" Aber was gibt es hier eigentlich zu sehen? Gut, die Landschaft ist sehr schön. Aber kommen deshalb Touristen aus aller Welt?

Das böse Erwachen kommt nach dem Frühstück. Daß das Abendessen extra kostet, war mir klar. Das die Garage zusätzlich bezahlt werden muß, ist in Anbetracht der kritischen Parkplatzsituation in Chalon-sur-Saône auch nicht allzu verwunderlich. Aber daß das Frühstück im Preis nicht mit inbegriffen ist, ist nahezu unverschämt. Wie sagte ich gestern? Atmosphäre hat ihren Preis? Für wahr, für wahr!

Auch mein Urteil von Gestern über die französischen Autobahnen muß ich revidieren. Die Stadtautobahn von Lyon kostet viel Nerven. Ich hatte in der Nacht noch gedacht, daß ich ja eigentlich noch hätte weiter fahren können und die Etappe von 950 km doch etwas knapp bemessen war. Aber diesen Zirkus hätte ich mir am Vorabend nicht antun wollen. Der weitere Teil durch Frankreich schlängelt sich so hin. Die Pyrenäen sind nicht so schlimm wie die Kasseler Berge. Die Autobahn in Spanien ist auch gut, kostet aber auch ebenso Gebühren. An der Grenze ist das Schild mit den Tempolimits nicht zu lesen. Die scheinen hier ein halbes Dutzend verschiedener Autobahntypen zu haben (Autopista, Autovia, Via Rapida,...). Eine Besonderheit gibt es an den Bezahlstationen. Es gibt bestimmte Spuren, die nur bestimmte Benutzer mit ganz bestimmten Karten bestimmt sind (bestimmt nicht für deutsche Touristen oder Studenten auf der Durchreise). Wenn man in so eine Spur hineinfährt, muß man rückwärts wieder herausfahren.

So beruhigend es im Vorfeld war, daß ich mir vorgenommen hatte, kein Etappenziel zu setzen, sondern soweit zu fahren bis ich keine Lust mehr hätte, so schwierig war es dann, mich dazu durchzuringen, mit dem Kilometerfressen aufzuhoeren. Tarragona hatte ich mal angepeilt, aber da kam ich schon um 17.00 Uhr an. Bis wann also? Bis Valencia? Bis 19.00 Uhr? Bis Sonnenuntergang? Aber wann geht die Sonne hier unter? Bei Valencia macht die Autobahn einen Bogen um die Stadt. Das bedeutet, daß man nach Westen gegen die Sonne fahren muß. Nun habe ich wirklich keine Lust mehr. Also fahre ich die nächste Abfahrt heraus. Nun befinde ich mich in den Bergen, in denen sich offenbar die Reichen in abgeschotteten Wohnsiedlungen niedergelassen haben. Hier gibt es auf jeden Fall keine Hotels. Was bleibt mir also übrig, als nach Valencia hinein zu fahren. Ich weiß nicht genau, wie groß diese Stadt ist. Es ist für mich auf jeden Fall ein ganz besonders Erlebnis, dort mit dem Auto umherzufahren. Im Kreisverkehr gibt es fünf Spuren, es wird jedoch zu sechst nebeneinander gefahren. Jetzt bin ich doch beruhigt, daß ich ein altes Auto besitze. Einfach mitschwimmen. Immerhin kann man hier immer abbiegen, egal auf welcher Spur man sich befindet. Das Fahren in Valencia erfordert schon meine gesamte Konzentration, so daß es mir nicht möglich ist, die Augen nach einem Hotel offenzuhalten. Ein Copilot wäre jetzt durchaus von Vorteil. Also wieder heraus aus der Stadt.

Inzwischen ist es dunkel geworden. Da sich Hotels logischerweise in der Innenstadt befinden, habe ich in den Vororten kein Glück. Es dauert zwei Stunden und bedarf einer weiteren Tour durch die Innenstadt, bis ich die Landstraße Richtung Alicante erwische. Ich werde leider auch immer müder. Also entscheide ich mich, da ich in den Orten zwar Unterkünfte sehe, ich aber nicht die leiseste Ahnung habe, wie ich diese mit dem Auto erreichen oder wo ich selbiges abstellen könnte, dafür, bei der nächsten Gelegenheit wieder auf die Autobahn zu fahren und dort das nächste Hotel an einer Raststätte à la Tank und Rast zu nehmen. Bis Alicante jedoch kommt keine Raststätte. Um der alten Zeiten willen nehme ich die Abfahrt San Juan, doch hier gibt es nur ein Haus, in dem man prima Ferien machen kann, allerdings keine Hotels. In einer dunklen Straßenecke hängt eine Horde Jugendlicher aus Teneriffa ab. Was zum Henker haben die hier vor? Mit mir nichts, denn ich sehe zu, daß ich nach einem astreinen U-Turn Land gewinne.

Durch die Herumgurkerei ist mein Spritvorrat auf Reserve geschrumpft. Also mal wieder Tanken. Merkwürdig, der erste Kontakt zu Einheimischen entsteht immer an der Tankstelle. Dummerweise gibt es nachts an spanischen Tankstellen eine Besonderheit: Man muß erst bezahlen (ohne Bargeld) , dann darf man Tanken. Der überaus unfreundliche Kerl an der BP-Tankstelle ist erstmal zu faul, seinen Mund Richtung Mikrofon zu bewegen, so daß ich rein akustisch schon nichts verstehen kann. Als er dann in das Mikrofon schreit, höre ich nur noch eine total verzerrte Stimme, kann aber wieder nichts verstehen. Ich lasse ihm also meine EC-Karte da und tanke voll. Diesen Menschen nach einem Hotel zu fragen, dürfte wenig Sinn machen.

In der Innenstadt von Alicante wiederholt sich das bekannte Spiel, nur daß mir hier manche Straßen bekannt vorkommen. Ist das nicht die Deutsche Bank, gegen die wir bei den Johannesfeuern 1996 gepinkelt haben? Es stellt sich als ein kluger Entschluß heraus, den Schildern Richtung Alicante Norte zu folgen. Dort gibt es nämlich das Hotel Maya, welches Parkmöglichkeiten bietet. Völlig erschöpft stehe ich um 00.30 Uhr an der Rezeption. Die haben zwar ein Terminal dort, dieses scheint aber nicht Auskunft darüber geben zu können, ob noch ein Zimmer frei ist. Dazu müssen erst endlose Computerlisten durchgesehen werden. Ich habe Glück, ein Zimmer ist noch zu haben. Nur in der Garage ist kein Platz mehr.Da man aber auf der Strafe hinter dem Hotel parken kann, macht das nichts (außer, daß ich sämtliches Gepäck ausladen muß). Eine Minibar haben die nicht, dafür einen Kas-Automaten. Da ich mich nicht zwischen Orange oder Zitrone entscheiden kann, nehme ich beide.

Auf meinem Hotelzimmer stelle ich als erstes fest (nachdem ich das Prinzip mit der Türkarte und der Hauptsicherung geschnallt habe), daß die Klospülung ständig läuft. So kann ich nicht schlafen. Außerdem ist Wasser ein kostbares Gut, vor allem hier in der Gegend. Also muß ich mich noch als Klempner betätigen. Dann ein entsetzter Blick in den Spiegel: Der ganze Oberkörper ist mit kleinen roten Pickelchen überseht. Mein T-Shirt hatte mittlerweile bestimmt auch schon das dreifache des eigenen Gewichtes. Man sollte doch auch für T-Shirts Ökowaschmittel verwenden. Jetzt bin ich endgültig satt, obwohl ich kein Abendbrot hatte. Bei der Hotelsucherei ist dafür keine Zeit geblieben und die Schokoladenvorräte sind geschmolzen.

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Mittwoch, 22. September 1999

Die erste Aufgabe, die sich mir heute stellt, ist das Finden des Frühstücksraumes. So etwas kostet unnötig Zeit, aber da ich ja schon in Alicante bin, ist es ja nicht mehr so weit bis Granada. Im Frühstücksraum sehe ich nur Brötchen und Besteck. Mehr kann ich beim besten Willen nicht entdecken. Am besten wird es sein, wenn ich das gleiche mache wie der ältere Herr, der gerade zur Tür herein kommt. Er nimmt seine Brötchen und das Besteck, geht zu einem Platz und setzt sich hin. Wahrscheinlich wird der Rest gebracht. Vornehm! Ich mache ihm alles nach. Wieso beobachtet der mich denn die ganze Zeit? Als ich wieder aufstehe und mich weiter umsehe, erhebt sich der Kerl ebenfalls von seinem Platz. Er hatte wohl die selbe Idee, mir alles nachzumachen.

Nach dem Frühstück (der Rest war in einem Kühlschrank in einer Nische versteckt), daß aufgrund der knusprigen Brötchen überaus schmackhaft und obendrein noch im Preis inbegriffen war, mache ich mich auf zum Playa de San Juan, um das Haus, in dem ich mit Freunden den Urlaub 1996 verbracht hatte wiederzusehen. Ich traue meinen Augen nicht. Der kleine Fußweg neben dem Haus, wo sich der Kiosk befunden hat, ist völlig aufgerissen. Auch auf dem Strand schräg vor dem Haus wird gebaut! Vor Entsetzen fahre ich schnell weiter. Nein, ich will das Haus lieber in Erinnerung behalten, wie es einmal war. Aber ich werde im April auf der Rückfahrt nochmal vorbeischauen, vielleicht kann ich dann Erkennen, was dort eigentlich gebaut wird.

Ab Alicante wird die Autopista zur Autovia, was den großen Vorteil hat, daß das Befahren keine Gebühren mehr kostet. Dafür ist die Strecke zwischen Alicante und Murcia aber auch ziemlich stark frequentiert. Hinter Murcia, spätestens aber nach der Abzweigung nach Almeria wird die Fahrt ziemlich einsam. Auch durch die Sierra Nevada kommt man leichter durch als durch die Kasseler Berge. Dafür sollte man allerdings bergab unbedingt das Tempolimit von 120 km/h einhalten. Ich habe öfter das Gefühl, daß die eben durchfahrene Kurve wohl die letzte ist, die das Auto noch auf der Straße übersteht. Man sollte sich ohnehin etwas Zeit nehmen, denn die Landschaft ist wirklich den einen oder anderen Blick wert.

Das erste, was ich von Granada sehe, ist die gelbliche Smog-Wolke über dem Tal. Als zweites erwartet mich der für spanische Städte wohl obligatorische Verkehrsstau. Da ich nicht weiß, wo ich hin soll, fahre ich erstmal in die Innenstadt, um mein Auto dort abzustellen. Soviel hatte ich schon gelernt, daß man Hotels vom Auto aus schlecht findet. Parkplätze aber auch nicht. Als ich glaube, ziemlich zentral zu sein, sehe ich ein Schild, das auf ein Parkhaus hinweist. Dort sind sogar noch Plätze frei. Ich mache mich also zu Fuß auf die Suche nach einem Hostal (so langsam müssen die Preise für die Übernachtung sinken). Das Hostal Atenas, daß mir schon vom Auto aus aufgefallen war, machte auf den ersten Blick einen guten Eindruck, vor allem wegen des Schildes "con garage". 4000 Ptas. die Nacht, ganz schön teuer. Aber ich habe überhaupt keine Lust, noch weiter zu suchen. Die Tatsache, daß mein ganzes Gepäck im Parkhaus steht, bereitet mir außerdem doch etwas Unbehagen.

Das nächste Abenteuer besteht darin, erstens das Parkhaus wiederzufinden und zweitens vom Parkhaus mit dem Auto das Hostal zu finden. Beides gestaltet sich jedoch als einfach, da das Parkhaus nur zwei Straßen vom Hostal entfernt liegt. Ich muß wohl vorhin ein paar Umwege gemacht haben. Da ich mich wieder an der Rezeption melden soll, damit die Garage geöffnet wird, muß ich meinen Wagen mitten auf der Straße abstellen. Doch leider sitzt da jetzt ein ganz anderer Typ, der obendrein auch kein Englisch spricht. Irgendwie klappt es aber doch ihm klarzumachen, was ich will. Leider bin ich darüber so erfreut, daß ich vergesse, das Auto auszuladen.

In der Garage geht es samt Auto mit dem Fahrstuhl eine Etage tiefer. Alles ausladen, dann den Wagen in eine Parkbox setzen, von der ich im Traum nicht gedacht hätte, daß sie genug Platz bietet. Zum Glück werde ich eingewiesen. Der Herr, der mich so freundlich in die Parkbox gelotst hat, kann es nicht unterlassen, einen dummen Spruch über das viele Gepäck zu machen. Aber ich kann mir in diesem Moment noch nicht vorstellen, mit dem Auto die Straße komplett zu versperren, um dann in aller Ruhe auszuladen, wie das für einen Spanier wohl selbstverständlich wäre. Die Quittung bekomme ich jetzt. Warum mußte ich nur so viel einpacken! Ich kann das unmöglich alles gebrauchen.

Das Zimmer ist winzig klein. Mein Gepäck füllt es schon ganz aus. Richtige Fenster gibt es nicht, nur einen fensterartigen Zugang zu einem Licht-/Lüftungsschacht. Auf der anderen Seite dieses Schachtes befindet sich offenbar den Geräuschen nach zu urteilen der Damenwaschraum. Sehen kann man nichts, dafür sorgen die Milchglasscheiben. Gleich nebenan scheint sich auch der Fahrstuhlraum zu befinden, was leider nicht zu überhören ist. Immer wenn sich der Fahrstuhl in Bewegung setzt, geht das Licht kurz aus. Da sich das Zimmer also von der echten Außenwelt ziemlich gut abgeschirmt ist, funktioniert das Handy kaum. Man kann, wenn man Glück hat, für eine Minute sprechen, spätestens dann bricht das Netz wieder zusammen. Auf den Straßen kann man auch nicht telefonieren, da es dort viel zu laut ist.

Überhaupt gefällt mir die Stadt bei meinem ersten Rundgang nicht. Die Luft ist grauenvoll stickig, in den engen Gassen stehen die Abgase von den vielen Mopeds, die auch für den Lärm verantwortlich sind. Die Häuser sind häßlich. Außerdem finde ich mich in dem Gewirr von Gassen überhaupt nicht zurecht. Da ich weiß, daß die Gran Via de Colon, in der sich mein Hostal befindet, genau von West nach Ost verläuft, glaube ich, mich etwas weiter vorwagen zu können, denn die Orientierung ist anhand der Nachmittagssonne möglich. Das ist ein Irrtum. Einige Kilometer laufe ich in die falsche Richtung, bis ich endlich auf ein Schild stoße, das mir den Weg zum Hostal Atenas weist. Die Sonne brennt wie verrückt. Mir ist heiß und ich fühle mich total alleingelassen. Im Hostal angelangt, verkrieche ich mich im Bett. Später werde ich im Reiseführer lesen, daß sämtliche Stadtpläne von Granada nicht eingenordet sind, die Gran Via de Colon also nicht von Westen nach Osten, sondern von Nordnordwest nach Südsüdost verläuft.

Auf zum Abendessen! Die Leute scheinen mich gar nicht wahrzunehmen. Niemand weicht mir aus, immer bin ich es, der gekonnt zur Seite springen muß. An einem Kiosk kaufe ich mir einen Stadtplan. Der Verkäufer ist der erste freundliche Granadiner, den ich treffe. Er erklärt mir, wo ich mich befinde, und wo die wichtigsten Sehenswürdigkeiten zu finden sind. Ich will doch bloß den Stadtplan, lesen kann ich ihn doch selber. Aber die Hilfsbereitschaft erfreut mich doch irgendwie. Das Abendessen nehme ich in einer Hamburgesería zu mir. Das Essen schmeckt überhaupt nicht und das Bier (Alhambra) ist eine Katastrophe. Es schmeckt parfümiert, etwa wie Cruzcampo, nur noch intensiver. Im Hostal genehmige ich mir dann noch eine eiskalte Fanta naranja, die bedeutend besser schmeckt als Kas.

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Donnerstag, 23. September 1999

Es dauert sehr lange, bis ich einschlafe. Das liegt daran, daß sowohl Fahrstuhl als auch Duschraum nachts heftig frequentiert werden. Dafür dauert das Aufwachen am nächsten morgen auch sehr lange. Als es endlich soweit ist, muß der Wecker schon 20 Minuten geklingelt haben. Da man vor dem Frühstück mit mir nichts anfangen kann, suche ich ein Restaurant. Gar nicht so leicht, etwas passendes zu finden.

Als erstes möchte ich mich im Vicerectorado de Investigación y de Relaciones Internacionales immatrikulieren. Diese Einrichtung befindet sich im Hospital Real, einem alten Kloster. Ein wunderschöner Ort, hat viel Atmosphäre. Nur die grimmig dreinschauenden Sicherheitsbeamten stören das ganze etwas. Warum muß denn eine Uni bewacht werden? Ich kann mich nicht einschreiben, weil mir ein offizielles Schreiben meiner Heimatuniversität fehlt. Außerdem brauche ich noch eine Kopie meines Personalausweises. Die drei Paßbilder habe ich allerdings. Also ins Internetcafé, um einen Notruf an das Braunschweiger EU-Hochschulbüro zu senden.

Die letzte Information, die ich wegen einer Wohnung bekommen habe, ist, daß ich mich an das Vicerectorado de Estudiantes y Docencia wenden soll. Außerdem stand da etwas von einem gewissen Dr. Ochoa. Ich frage mich durch, verstehe aber nicht, was mir die Leute sagen wollen. Bis ich eine Frau treffe, die etwas Deutsch spricht und die mir erklärt, das ich keinen Dr. Ochoa zu suchen brauche, da Dr. Severo Ochoa der Straßenname ist, wo sich die Institution befindet. Dann lobt sich noch mein gutes Deutsch. Sowas ist mir auch noch nicht passiert. Jedenfalls erklärt mir die Dame, wie ich dorthin gelange.

Vor Ort muß ich dann einen Fragebogen ausfüllen, danach bekomme ich eine Liste mit Wohnungsangeboten in den Hand gedrückt und noch eine kurze Einweisung darüber, was die Abkürzungen bedeuten, und in welchen Stadteilen ich strategisch am besten unterkommen sollte. Man behandelt mich sehr freundlich. Trotzdem finde ich, daß die Hilfe bei der Wohnungssuche noch weitergehen könnte. Ich fühle mich völlig überfordert, habe ich doch noch nie eine Wohnung gesucht. Und dann soll ich fast ohne Spanischkenntnisse eine Telefonnummer anrufen und einen Besichtigungstermin ausmachen. Vertraglich muß dann das ganze auch noch geregelt werden. Wenn ich da an die Betreuung der Sokrates-Incomings an der TU-BS denke, werde ich neidisch.

Zum Glück ist sind die Postleitzahlengebiete auf meinem Stadtplan eingezeichnet. Ich ziehe mich in mein Zimmer zurück und suche mir drei Telefonnummern heraus. Das ist gar nicht so einfach, etwas passendes zu finden. Die meisten Zimmer sind nur für Mädchen, andere nur für angehörige einer bestimmten Nationalität. Am besten hat mir diese gefallen:

  • "SE OFFERTA DOS HABITACIONES INDIVIDUALES PARA CHICAS BRITANICAS, NO FUMADORAS, EN PISO COMPATIDO CON DOS CHICOS. (...) VISITAR A QUALQUIER HORA."
  • So, so, zwei Typen suchen zwei britische Nichtraucherinnen als Mitbewohnerinnen.

    Zu den Telefonnummern schreibe ich mir auf, was ich sagen will. So ausgerüstet mache ich mich auf den, ein etwas ruhigeres Plätzchen aufzusuchen. Ungeschickterweise rufe ich bei der Wohnung, die mir am besten gefällt, als erstes an. Logischerweise verstehe ich nicht was der Mann am Telefon sagt. Es ist auch was anderes, ob man mit jemandem von Angesicht zu Angesicht oder über das Telefon spricht. Er sagt auf jeden Fall etwas vom 1º de Octubre. Das ist mir zu spät, ich will jetzt eine Wohnung.

    Beim nächsten Anruf klappt es schon besser. Ich verabrede mich für Montag, 27. Oktober um 10.00 Uhr zur Wohnungsbesichtigung. Trotzdem will ich heute noch was schaffen. Also weiter. Der dritte, vierte und fünfte Anruf ist leider erfolglos, beim sechsten Mal aber habe ich eine Frau dran, die englisch spricht. Wir verabreden uns für halb sieben. Ich denke, naiv wie ich bin, daß es das wohl gewesen ist, so nett wie die Frau am Telefon klang. Deswegen vertrödele ich die Zeit bis zur Verabredung mit einem Stadtbummel. Dabei habe ich mir klugerweise den Treffpunkt auch schon mal angesehen, um ja nicht zu spät zu kommen.

    Am Treffpunkt selbst stehen ich zum verabredeten Zeitpunkt nicht alleine vor der Tür. Da sind noch zwei Süddeutsche mit ekligem Akzent und ein Niederländer. Der eine Süddeutsche begleitet den anderen, der nach eigenen Angaben schon 4 Tage auf der Suche war. Da er außerdem ziemlich gut Spanisch spricht, rechne ich mir keine allzu großen Chancen auf das Zimmer mehr aus. Doch nach dem der suchende Süddeutsche (aus Ulm, glaube ich) einen kurzen Blick in das Zimmer geworfen hat, ist er auch schon wieder verschwunden. Weitere Besichtigungstermine wie er sagt. Nun, das Zimmer ist wirklich spartanisch eingerichtet, aber relativ groß und hell. Ein Wohnzimmer gibt es auch. Naja, in dem Badezimmer würde ich nur mit Latschen duschen. Die Küche sieht auch sehr antiquiert aus. Es stehen zwei Zimmer zur Verfügung (ab 1.Oktober), so daß wir beide einziehen könnten. Das andere Zimmer wird von einem Spanier bewohnt und kann nicht besichtigt werden, weil er nicht gestört werden soll. Aus dem Zimmer kommt laut Rage Against und Nirvana und so was. Das Zimmer müßte bis Juni genommen werden. Ich hätte aber auch die Möglichkeit, selbst einen Nachmieter zu suchen, dann könnte ich bis April bleiben. Sonst würde ich die Kaution verlieren. Während sie das erklärt schlägt Pieter zu und nimmt das Zimmer, das wir besichtigt haben. Ich will nicht die Katze im Sack kaufen, außerdem gefallen mir die Konditionen überhaupt nicht. Also gehe ich unverrichteter Dinge wieder.

    Ich bin ziemlich unsicher, ob ich überhaupt ein Zimmer finde. Wenn, dann sicher erst ab Oktober. Sollte nicht ab Oktober in dem Haus im Albaycín, in dem Martin und Jan, meine beiden Vorgänger aus Braunschweig (zumindest was die Informatik betrifft) gelebt haben, wieder etwas frei sein? Zum Glück habe ich die Handynummer von Carmen, der Hausverwalterin. Sie hat in Deutschland studiert, also kann ich Deutsch mit ihr sprechen. Leider ist in dem Haus nichts mehr frei, alles bis Juni ausgebucht. Aber sie will eine Freundin fragen, ob die was für mich hat. Etwas hoffnungsvoller gönne ich mir einen Tropicasalat. Sogar das Alhambra schmeckt heute schon besser.

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    Freitag, 24. September 1999

    Ich wache um fünf auf, obwohl es im Hostal völlig ruhig ist. Oder vielleicht deshalb? Um sechs wiederholt sich das Spiel. Der erste Gang (nach dem Frühstück, versteht sich) führt mich wieder ins Internetcafé, um meine Fax-Box (von Firemail) abzurufen. Gott, und vor allem Frau Zelasny sei Dank, die Bestätigung ist da! Ich schicke noch eine Jammermail an meinen Vater, und lasse meinen Frust bezüglich der Wohnungssuche ab. Vor dem 5. Oktober erreicht ihn diese Nachricht urlaubsbedingt leider nicht. Weil ich in der Wohnnungssache weiterkommen will, nehme ich mir gleich ein paar Telefonnummern vor. Aber um diese Uhrzeit erreiche ich niemanden. Immerhin gelingt es mir doch, einen Besichtigungstermin für den Nachmittag auszumachen.

    Nächster Versuch der Immatrikulation. Im Hospital Real angekommen, trifft mich fast der Schlag. Es stehen mindestens 30 Leute vor der Tür des Vicerectorado de Investigación y de Relaciones Internatcionales. Da ich erstens viel zu warm angezogen bin (morgens ist es immer noch sehr frisch, wird aber am Vormittag schnell wärmer), zweitens noch nicht geduscht habe und drittens kurz vor dem Betreten des Hospital Reals in einen Hundehaufen getreten bin (ich wäre beinahe ausgerutscht!), beschließe ich, es später noch einmal zu versuchen, natürlich auch in der Hoffnung, dann keine Menschenmassen mehr dort anzutreffen.

    Im Hostal gibt es Streß mit dem Zimmermädchen. Sie will unbedingt mein Zimmer aufräumen. Ansich ist diese Arbeitseinstellung ja lobenswert, doch wollte ich gerade duschen. Ich erkläre ihr also, daß ich noch eine halbe Stunde benötigen werde. Das hält sie nicht davon ab, nach einer Viertelstunde einfach das Zimmer zu betreten. Erst als sie mich in Unterhosen aus dem Bad kommen sieht, verläßt sie verschreckt den Raum, und entschuldigt sich tausendmal. Dabei klärt sich auch auf, warum sie unbedingt mein Zimmer reinigen wollte. Sie dachte nämlich, ich würde heute abreisen. Gute Organisation, muß ich schon sagen. Jetzt wartet noch eine sehr unangenehme Arbeit auf mich ...

    Als die Schuhe nun wieder sauber sind, gehe ich erneut zum Hospital Real. Inzwischen ist die Schlange auf "nur" 25 Personen geschrumpft. Lauter häßliche Frauen aus aller Herren Ländern. Da muß ich jetzt durch. Hinter mir stellen sich dicke Engländerinnen an, die sich über ihre Freunde unterhalten ("Meiner ruft viel öfter an als Deiner!"). Während sie so vor sich hin streiten, tritt die eine den Beweis an, in dem ihr Handy klingelt. Die anderen Ausländer in der Schlange teilen offenbar die Handybegeisterung der Spanier nicht, und regen sich darüber auf. Aber es scheint wohl doch eher ihr Vater zu sein, denn sie spricht nur von "Geld überweisen".

    Die Wohnung, die ich besichtige, ist erstaunlich gut eingerichtet. Leider keine reine Studenten-WG, die Vermieterin (Mitte 50) wohnt auch hier. Ich sage nicht sofort zu, sondern schaue mir erst noch die nähere Umgebung an. An Geschäften gibt es alles, was man sich nur wünschen kann. Die Bushaltestelle ist gleich vor der Tür, die Innenstadt erreicht man sehr schnell zu Fuß. Nach kurzer Überlegung sage ich zu. Ich kann schon morgen einziehen. Doch dann diese Zweifel. Warum ist das Zimmer so verhältnismäßig günstig?

    Ich gehe zu McDonalds, weil ich Appetit auf einen Salat habe. Ist auch nur fünf Minuten von der Wohnung entfernt. Hier sitzen laute junge Mädchen, die mich anstarren, als käme ich von einem anderen Planeten. Wahrscheinlich haben die noch nie einen blondierten Chico gesehen. Weil ich in der Nichtraucherzone gesessen habe, muß ich die Zigarette nach dem Essen draußen auf einer Bank zu mir nehmen. Kaum sitze ich dort, prollt ein Penner oder Aussteiger einen Passanten an: "Soy hombre también, Arschloch!" (Ich bin auch ein Mensch, ...!) Daraufhin kommt er zu mir und fragt mich nach einer Zigarette. Als ich ihm eine gebe, ist er überglücklich und sagt: "Usted es caballero!" (Sie sind ein Herr) und streckt mir die Hand entgegen. Ich will doch keinem Penner die Hand geben, die kleben doch immer so! Aber wenn ich jetzt nicht seine Hand schüttele, dann ist er beleidigt. Zum Glück klebt er nicht. So wie er das "Arschloch" vorhin ausgesprochen hat, ist das bestimmt ein Deutscher. Überhaupt gibt es hier einige deutsche Aussteiger.

    Was mache ich jetzt mit dem angebrochenen Tag? Ich habe um 20 Uhr eine Verabredung mit Kai, einem weiteren TU-BS-Studenten, den es nach Granada verschlagen hat. Bis dahin sind es noch dreieinhalb Stunden. Im Hostal schlüpfe ich in die Touristenklamotten (sonst sind kurze Hosen hier sehr unüblich) und mache mich auf den Weg zur Alhambra. Dort betrachte ich mir den frei zugänglichen Teil, den interessanteren Bereich hebe ich mir noch für später auf. Ich setze mich auf eine Bank, chille ein wenig und beobachte die Leute. Haufenweise junge Pärchen. Da könnte man glatt neidisch werden. Ich fühle mich im Moment wirklich allein. Ein Gefühl beschleicht mich, daß es wohl auch das nächste halbe Jahr so bleiben wird, da ich Kontakte wahrscheinlich nur in den ersten drei Monaten während des Sprachkurses knüpfen kann, und überhaupt schwelge ich noch ein wenig im Selbstmitleid und genieße die tiefstehende Sonne auf den alten Gemäuern der Alhambra.

    Als ich Kai am Plaza Isabel la Catolica stehen sehe, freue ich mich schon darauf, endlich mal wieder ausgiebig und in Ruhe mit jemandem sprechen zu können. Doch Kai ist in Eile, außerdem herrscht auf dem Platz ein derartiger Lärm, daß man sein eigenes Wort kaum verstehen kann. Auf jeden Fall darf ich seine Tasche, die ich im Auto von Braunschweig nach Granada befoerdert habe, noch behalten und ein weiteres Mal mit ihr umziehen.

    Ich will heute mal in einer anderen Gegend zu Abend essen. Mal sehen was bei den großen Parks so geht. ¡Hombre! Granada ist doch meine Stadt. Nicht diese kleinen Gäßchen, die ich bisher kannte. Nein Plätze (z.B. Puerta Real) sind es! Beim Abendessen lerne ich dann einen Japaner kennen. Da ich ja mal Japanisch gelernt und Tokyo im Rahmen eines Schüleraustausches besucht hatte, hatten wir auch gleich ein Gesprächsthema, das über das übliche "Was studierst Du? Wie lange bleibst Du in Granada?..." hinaus ging. Seinen Augen nach zu urteilen ist er schon etwas angetrunken. Ich muß gestehen, die zwei Bier auch schon zu merken. Wird Zeit, daß ich ins Bett komme, denn ich muß bzw. darf ja morgen früh umziehen.

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    Samstag, 25. September 1999

    Um halb acht klopft es an der Tür. Ich reagiere nicht sofort. Es klopft ein weiteres Mal. Ich quäle ein "si" aus mir heraus, da antwortet mir eine Stimme: "Son las siete y media" (es ist halb acht). "Wen interessierts?" denke ich. Eigentlich wollte ich ja um diese Zeit aufstehen, aber nicht unter diesen Umständen. Ich bleibe noch eine Viertelstunde liegen. Danach Koffer packen und duschen. Da ich glaube, daß die Zeit noch für ein Frühstück reicht, ziehe ich zunächst zu Fuß los. Das Café Gran Via de Colon, das ich zielsicher ansteuere, hat natürlich noch geschlossen. Also wieder in den kleinen Gassen des Universitätsviertels suchen, was Zeit kostet.

    Als es ums Bezahlen der Hostalrechnung geht, werde ich schwer beleidigt. Ich zücke stolz wie ein König zum ersten Mal meine Kreditkarte, da will der Typ doch glatt meinen Personalausweis sehen. Frechheit! Das ganze Prozedere mit Bezahlen, Autoholen und Einladen dauert länger als geplant. Aber diesesmal blockiere ich die Straße, während ich die Koffer einlade. Man lernt doch schnell dazu. Auf den Straßen herrscht erstaunlich wenig Verkehr. Wie ich später erfahre, sind die Straßen, die ich benutze, tagsüber für den Autoverkehr gesperrt.

    Ich stehe nun mit meinem Gepäck vor der Tür zur neuen Wohnung, sage nur "ich bin's" und werde hereingebeten. Ich weiß nicht, wie die Frau heißt, ich weiß nicht, was noch vertraglich geregelt werden muß, ich sehe nur in ihrem privaten Bereich der Wohnung technische Geräte stehen, die mich irgendwie an Krankenhäuser erinnern. Dazu höre ich noch eine schwache Stimme sprechen. Lebt in dieser Wohnung noch ein Schwerkranker? Vielleicht muß ich jetzt immer auf Zehenspitzen durch die Wohnung laufen. Irgendein Haken muß ja an dieser Wohnung sein. Das Zimmer ist so gut ausgestattet und trotzdem so (relativ) billig. Die Schränke reichen auf jeden Fall für alle meine Klamotten. In manch anderem Zimmer müßte ich bestimmt aus dem Koffer leben. Ich sitze in einem Zimmer, das zu einer Wohnung gehört, die ich das nächste halbe Jahr mit Leuten teilen soll, die ich nicht kenne und über die ich nichts weiß. Ein äußerst befremdliches Gefühl. Zum Glück fällt mir das Schild an der Tür wieder ein. "Friseur" stand darauf. Natürlich! Die Vermieterin betreibt hier in der Wohnung einen Frisiersalon. Deshalb auch das ständige Klingeln an der Tür.

    Irgendwann im Laufe des Tages ergibt sich dann eine Gelegenheit, mit der Vermieterin zu sprechen. Sie heißt Ada. Einen Vertrag brauchen wir nicht, es genügt wenn ich die Miete rechtzeitig bezahle und sie eine Kopie meines Personalausweises bekommt. Der andere Mitbewohner heißt David und kommt aus Italien, hat aber in London Finanzwirtschaft studiert. Er trägt die gleiche Brille wie ich und spricht fließend Spanisch. Er antwortet mir auch nicht auf Englisch, wenn ich ihn so anspreche. Ein Spanier namens Guillermo soll hier auch noch einziehen. Ich glaube, Adas Sohn wohnt auch hier, zumindest zeitweise.

    Da es regnet und kühl ist, beschließe ich den Tag in meinem Zimmer abzuhängen, ein bißchen dösen, ein bißchen lesen. Um 19.00 gehe ich doch noch vor die Tür, da inzwischen die Sonne wieder hervorgekommen ist. Ich habe mir auf dem Stadtplan eine Route ausgesucht, die mich über den Lorca-Park führt und anschließend (so gegen halb neun) in die Gegend der Puerta Real, in der laut Reiseführer die meisten Restaurants zu finden sein sollen. Fisch möchte ich heute Abend essen. Der Park ist klasse. Solche Gartenanlagen erwartet man in Spanien gar nicht, aber hier regnet es ja wohl doch öfter, als man annimmt. Herrlich! Das ist genau meine Wohngegend. So stelle ich mir eine schöne Stadt vor. Große Parks, große Einkaufszentren und große, freie Plätze, auf denen Springbrunnen stehen und abends die Leute flanieren. Nicht diese häßlichen Gassen des Universitätsviertels. Ich finde endlich Ruhe nach der Hektik der vergangenen Woche.

    Seezunge ist leider aus, aber das Restaurant gefällt mir so gut, daß ich es mit einer gemischten Fischplatte versuche. Der Wahl ist richtig, der Wein schmeckt lecker. Den Rückweg trete ich über die Calle Recogidas an, der großen Einkaufsstraße, die mein Wohngebiet mit der Innenstadt verbindet. Unheimlich viele Leute flanieren hier. An der letzten Ampel schauen mich drei aufgedonnerte Mädchen im Alter von 14 oder 15 an und rufen mir gleichzeitig etwas zu. Ich bin verdutzt. Leider werde ich nie erfahren, was sie mir denn zugerufen haben. Dem Gegacker nach zu urteilen könnte es durchaus etwas Anzügliches gewesen sein.

    Mir gefällt auf jeden Fall, daß sich die Menschen zum Flanieren so heraussputzen. Die Männer sind sehr elegant gekleidet, die Frauen körperbetont. Wenn ich da an die letzte Sielkampfete denke, wird mir immer noch schlecht. Lauter Frauen mit schlabbrigen Jeans (nicht fetten!) und ebenso schlabbrigen T-Shirts. Da sich gleich und gleich gern gesellt, sahen auch die meisten Typen dementsprechend aus. Viele ungepflegte, langhaarige Bombenleger. Nichts gegen lange Haare, aber gepflegt müssen sie sein. Mit Stil halt.

    So wie ich hier am Schreibtisch sitze, kann ich mir unmöglich vorstellen, einen großen Rechner auf ihm zu plazieren. Vielleicht sollte ich mir doch ein Notebook zulegen. Ich möchte den Platz nicht durch Hardware total verschandeln. Mal sehen, was solche Geräte hier in Spanien kosten.

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    Sonntag, 26. September 1999

    Ich glaube, die Wahl der Wohnung war doch nicht so gut. Es ist furchtbar laut nachts. Um sechs Uhr morgens werde ich durch ein Feuerwerk geweckt. Ich gehe davon aus, daß bis ich die Jalousie hochgezogen haben würde, das Spektakel ohnehin schon beendet wäre, so daß ich einfach liegen bleibe und alle Pyrotechniker verfluche. Wahrscheinlich wäre ohnehin nicht viel zu sehen gewesen. Um halb acht wiederholt sich das Spielchen. Ich kann mich immer noch nicht aufraffen.

    Erst um halb elf steige ich aus den Federn. Der erste Gang führt mich zur Jalousie. Ja! Die Sonne ballert wieder. Heute will ich das Meer sehen. Ich frühstücke und schmiere Brote für den Ausflug. Kurze Zeit später bin ich schon auf der Autobahn Richtung Motril. Die Autovia ist gut ausgebaut, so daß man trotz der Berge sehr schnell voran kommt. Zusätzlich bieten sich einem herrliche Blicke. Von Motril aus geht es auf der Küstenstraße nach Almuñeca, laut Reiseführer der beliebteste Badeort der Costa Tropicál. Es ist überhaupt nichts los, obwohl es Sonntag ist, und das Wetter zum Strandaufenthalt geradezu einlädt. Der Strand an sich gefällt mir nicht so gut, weil er kein Sandstrand ist, sondern aus großen Kieselsteinen besteht. Ich tanke ein wenig Sonne und halte meine Füße ins Wasser. Baden möchte ich später, an einem richtigen Sandstrand.

    Um diesen Sandstrand zu finden, nehme ich mir vor, die Küstenstraße so oft wie möglich zu verlassen. Von weitem erkenne ich schon die großen Häuser am Wasser. Da geht doch bestimmt was. In dem Moment fahre ich an einem Schild vorbei, was die Abfahrt La Caleta ankündigt. Ich bremse scharf und nehme die Ausfahrt, die direkt beim Schild anfängt. Das war wohl nicht die richtige Abfahrt, denke ich noch. Zu spät. Ich befinde mich bereits in einem Gewirr von engsten Gäßchen. Für meinen Geschmack zu wenig Platz zum Wenden. Außerdem wenden nur Anfänger. Leider überfahre ich an der nächsten Kreuzung einen Absatz, der dafür sorgt, daß das Auto links vorne absackt, und zwar genau auf die Kante einer Treppenstufe. Es gibt einen Knall, dann ein Zischen. Platfuß. Ausgerechnet hier!

    Was nun? Ich habe keine Ahnung. Auch weiß ich nicht, daß sich in jedem Auto Wagenheber und Schlüssel zum Reifenwechsel befinden. Ich glaube also, kein Werkzeug zu besitzen und suche Hilfe. In einem Restaurant frage ich den Wirt, was ich jetzt machen soll. Ich hoffe darauf, daß der dann telefoniert und soetwas wie den spanischen ADAC anruft. Er fragt mich aber nur, ob ich einen Auslandsschutzbrief hätte (hat lange gedauert, bis ich das herausgefunden habe). Da ich verneine, schickt er mich mit den Worten weg, man könne da am Sonntag überhaupt nichts machen. So etwas hatte ich schon befürchtet. Also suche ich ein Hotel. Ich gehe in La Caleta an den Strand. Hier gibt es weit und breit keine Hotels. Es hilft nichts, ich muß zu Fuß zu den Hotelbunkern ein paar Kilometer weiter östlich.

    Bevor ich mich jedoch auf den Weg mache, bringe ich mein Auto noch im Schrittempo etwas näher an den Strand, weil ich den Wagen nicht über Nacht an der Uenglücksstelle stehen lassen kann/will, weil dann mit Sicherheit noch größeres Unglück geschehen waere. Die Blocks, die aus der Ferne wie Hotels aussahen, erweisen sich aus der Naehe als eine Ferienappartmentsiedlung ohne Hotels. Als ich schon niedergeschlagen auf dem Rückweg bin, entdecke ich eine geöffnete Tankstelle. Das ist es, die werden mir weiterhelfen können und wenn sie mir nur Werkzeug verkaufen.

    Der Rückweg zum Auto zieht sich. Ob ich diese Strecke auf der Felge fahren kann, ohne daß diese einen bleibenden Schaden nimmt? Egal, ich kann nicht im Auto uebernachten, weil ich nur kurze Hose und T-Shirt habe und ich nicht weiß, wie weit die Temperaturen hier nachts absinken. Wenn ich mir nicht mein T-Shirt als Kopftuch binden würde, bekäme ich bestimmt einen Sonnenstich. Mir bleibt nichts weiter übrig als die entsetzten Blicke der Passanten zu ignorieren. Das Fahren auf der Felge geht gar nicht gut. Zum Glück komme ich nicht weit, denn ein freundlicher Spanier hält mich auf und sagt, ich müsse den Reifen wechseln. Als ich noch versuche, ihm zu erklären, daß ich kein Werkzeug besitze, hat er es schon herausgesucht und beginnt, am Rad herumzuschrauben. Fast mein gesamtes restliches Trinkwasser geht dafür drauf, ihm die Hände zu waschen. Geschieht mir recht, daß ich jetzt Durst habe, so dämlich wie ich mich mal wieder angestellt habe.

    Mit dem Notrad nach Granada zurückzufahren, ist auch noch mal ein Abenteuer. Es ist mit Sicherheit das erste Mal, daß ich wissentlich einen Stau verursacht habe. Ich halte mich mit der Geschwindigkeit sehr zurück, was durch die Spanier durch Hupen und wildes Gestikulieren honoriert wird. Aber das kümmert mich herzlich wenig. Ich mache mir schon genug Sorgen, weil das Notrad furchtbar laute Geräusche von sich gibt. Kurz vor Granada klingelt das Handy. Kai ist dran, und wir verabreden uns für eine halbe Stunde später. Das ist sehr blauäugig von uns beiden. In Granada herrscht absolutes Verkehrschaos. Ich komme einfach nicht zur Wohnung. Als ich endlich doch vor Ort bin, beginnt die hoffnungslose Parkplatzsuche.

    Eine Stunde später klingelt das Handy erneut. Kai ist dran. Er sagt, daß er erst jetzt bis zu meiner Wohnung durchgekommen wäre, da die Innenstadt auf Grund einer Prozession komplett dicht sei. Wir verschieben das Treffen auf morgen. Dann wische ich mir mit meinen dreckverschmierten Händen die Augen. Herzlichen Glückwunsch! Mitten im dichtesten Verkehr sehe ich überhaupt nichts mehr. Es grenzt schon an ein Wunder, daß es nicht kracht. Ich bin mir gar nicht mehr so sicher, ob meine Augen wegen des Drecks tränen oder ob ich vor Verzweiflung weine. Meine Nerven sind auf jeden Fall am Ende. Ich schließe das Fenster, damit man mich nicht fluchen hört. In der Nähe der Mensa finde ich dann endlich einen Parkplatz, aber ob man hier wirklich parken darf? Hundert Peseten scheinen immer noch der gültige Tarif zu sein, denn der Parkwächter bedankt sich höflich. Das ist eine richtige Mafia hier mit den Parkwächtern. Die stellen sich einfach an Parkplätzen auf, die eigentlich gebührenfrei sind und kassieren ab. Aber wehe, wenn man nicht zahlt. Kleine Kratzer im Lack sind wohl das Mindeste, womit man zu rechnen hat.

    Die 25 Minuten, die ich für den Fußmarsch vom Parkplatz bis zu meiner Wohnung brauche, kommen mir wie eine Ewigkeit vor. Es macht auch keinen Spaß, in dem Aufzug durch die herausgeputzten Menschenmassen zu gehen. Ich trage eine kurze Hose, ein buntes T-Shirt und habe gänzlich schwarze Hände. Da die Spanier dazu neigen, auf den schmalen Fußwegen zu dritt oder zu viert nebeneinander zu gehen, komme ich nur langsam voran. Dem einen Träger eines weißen Oberhemdes male ich beinahe zwei schwarze Handabdrücke auf den Rücken. Der Kerl muß doch merken, daß ich durch will, aber er reagiert nicht. Zigaretten habe ich auch keine mehr. Sonntags haben Tabakläden natürlich zu und Kioske führen keine Tabakwaren (ein Irrtum, wie ich später feststellen werde). Die einzige Möglichkeit wäre, in einem Automaten Zigaretten zu ziehen, doch leider stehen Zigarettenautomaten nur in Kneipen. In eine Kneipe gehe ich in meinem Aufzug bestimmt nicht. Also gehe ich jetzt direkt ohne Abendessen und ohne Gute-Nacht-Zigarette ins Bett. Für Morgen habe ich ja schon wieder genügend Programmpunkte gesammelt.

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    © 1999, 2000 Torsten Klie

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