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Montag, 17. Januar 2000

Nach einem solchen Wochenende gelingt der Start in die neue Woche richtig gut. Während einer Zigarettenpause läuft mir Juán Miguel über den Weg. An seinen Ausführungen erkenne ich, daß er keine Ahnung mehr hat, um was für Beispiele es geht. Er hat nur die, die schon lange installiert sind. Punkt. Also muß ich doch das Rad neu erfinden. Ärgerlich ist nur, daß ich durch diese Aktion bzw. seine Ankündigung, Beispiele zu installieren eine Menge Zeit verloren habe. Also mache ich mich daran, alleine herauszufinden, wie man die Bilder in die Datenbank bekommt. Doch ich erhalte seltsame Fehlermeldungen und komme nicht gut voran.

Plötzlich steht Juán Miguel neben mir und sagt, daß die Beispiele auf einem bestimmten Rechner in einem bestimmten Verzeichnis lägen. Doch ich habe natürlich keine Zugangsberechtigung. So rennt Juán Miguel also noch dreimal wieder in sein Büro zurück, beim letzten Mal meint er, meinen Benutzernamen und mein Kennwort haben zu müssen. Widerwillig gebe ich mein Paßwort heraus. Wenn er diesen Zettel einfach so in den Müll schmeißt, dann könnte ich ein Problem bekommen. Mir gefällt nicht, daß jemand mein Paßwort kennt.

Ich bedanke mich herzlich, auch wenn ich mit den Beispielen wohl nicht viel anfangen kann, wie ich das überblicke. Aber jetzt mache ich mich auf den Fußmarsch, ich warte nicht mehr, bis er mit weiteren Beispielen ankommt. Allerdings geht nach einigen Fehlversuchen die Datenbank in die Knie. Scheint ein schwerwiegender Fehler zu sein, denn im Handbuch steht, man soll den Support anrufen, falls der Server ein bestimmtes Log-File geschrieben hat. Das kann eigentlich nicht meine Schuld sein, selbst wenn ich mich 30mal eingeloggt und keinmal die Verbindung geschlossen haben sollte, sollte der Server, wenn er denn überlastet ist, die Anmeldung verweigern oder einfach mit Timeouts reagieren. Oracle ist ja schließlich nicht von Microsoft ;-).

Als ich nach Hause komme, stelle ich mit Freuden fest, daß ja die Waschmaschine frei ist. Doch Ada hat ganze Arbeit geleistet und gleich mehrere Waschladungen hintereinander abgefrühstückt, so daß jetzt die Wäscheleine komplett belegt ist. Prima.

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Dienstag, 18. Januar 2000

Gleich zu Beginn meiner Arbeit werde ich in den Kurs mit eingebunden. Die Referentin will mir unbedingt ein "Handout" (neudeutsch für Arbeitspapier, wie ich diese zwanghaften Anglizismen hasse) andrehen. Es dauert eine Weile, bis ich ihr klargemacht habe, daß ich ja gar nicht dazugehöre. Man hat sie offenbar nicht darüber informiert, daß auch noch andere Leute im Raum sitzen. Daß die Organisation etwas zu wünschen übrig läßt, zeigt die Tatsache, daß der Kursleiter (der den Teil über Visual Basic gehalten hat) ständig hereinkommt, und Änderungen bezüglich der bald anstehenden Klausur bekanntgibt. Der Hammer ist, als er verkündet, daß der Zettel mit der Anwesenheitsliste verschwunden ist, und die Teilnehmer, bitte auf einem neuen Zettel die Unterschriften für die ersten vier (?) Wochen nachholen mögen. Es geht daraufhin ein ziemliches Raunen durch die Reihen.

Ich kämpfe mich durch die Dokumentation, finde immer wieder neue Ansätze, die ich dann erfolglos ausprobiere. Die Sache zieht sich dadurch in die Länge, daß die Java-Dokumentation von Sun nur Online verfügbar ist. Es gibt eine lokale Installation, aber auf die kann man mit Netscape 3.0 nicht zugreifen, weil es behauptet, die langen Dateinamen der Hyperlinks seien ungültig. Immerhin bekomme ich die Lösung eines Problems mit. Ich habe den SQL-String mit einem Semikolon abgeschlossen. Auf die Idee, daß sich die Meldung "Unknown Character in String" darauf bezieht, bin ich nicht gekommen. In jeder anderen Umgebung hätte ich geschrieen, oder wäre durch den Raum gesprungen, doch da der Kurs noch nicht zu Ende ist, vergrabe ich nur den Kopf in meinen Händen und lasse einen sehr langgezogenen, stöhnenden Seufzer heraus. Wer schon einmal programmiert hat, kennt das Gefühl und weiß, wovon ich spreche.

Bevor ich in die Mensa aufbreche, starte ich Linux, weil dort eine Netscape-Version mit einer vier vor dem Punkt installiert ist, mit der ich meine Homepage aktualisieren könnte. Doch es ist überhaupt kein Zugriff auf das WWW möglich.

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Mittwoch, 19. Januar 2000

Es ist vorbei, die Dokumentation hilft mir nicht mehr weiter. Ich stehe vor folgendem Problem: ich weiß nicht, ob der Fehler beim Einfügen oder beim Herauslesen der Bilder in die bzw. aus der Datenbank passiert. Die einzige Möglichkeit, die ich habe, um Bilder zu im- oder exportieren sind die Funktionen, die ich selber geschrieben habe. Ein klassisches Henne-Ei-Problem. Ich habe das Gefühl, daß alles über mir zusammenbricht. Das Internet streikt auch mal wieder. So lasse ich meinen ganzen Frust in einem Brief heraus (Notepad funktioniert noch). Komischerweise streikt GMX, aber ich habe ja noch mehrere Internet Mail Accounts, so daß ich ihn auch gleich abschicken kann. Das tut gut!

Später, als ich wieder mein "normales" Postfach öffnen kann, schreibe ich auch noch eine Mail an meinen Tutor, in der ich mein Problem grob umreiße und um die Installation der im Handbuch erwähnten Beispiele bitte. Ich bin fest entschlossen, sollte es diesmal wieder nicht klappen, die ganze Studienarbeit hinzuschmeißen. Vor kurzem habe ich mich noch als hartnäckig beschrieben, als einen der nichts aufgibt, was er erst einmal angefangen hat. Aber mir steht die Sache bis zum Hals.

Bevor ich zum Essen gehe, will ich es mit der normalen Windows 95-Installation versuchen, meine Homepage zu aktualisieren, denn dort ist Netscape 4.0 installiert. Erstaunlicherweise Ich weiß nicht, warum ich die Zeit vergesse, aber auf jeden Fall werde ich von der Wachfrau erinnert, daß es schon fast zwanzig nach drei ist. Ich kann bis vier bleiben, oder auch länger, aber ab vier findet ein Kurs statt und dann müßte ich bis zu dessen Ende drinbleiben. Ich versichere ihr, daßich vorher gehen werde. Erst jetzt wird mir die Brisanz dieser fortgeschrittenen Zeit bewußt. Die Mensa schließt um 15:30 Uhr! Ich lege einen Schnellstart hin, und trete wie vom wilden Affen gebissen in die Pedalen. Hätte ich doch bloß schon eine Luftpumpe gekauft! Um 15:29 komme ich völlig erschöpft an der Mensa an. Ich habe enorme Schwierigkeiten, die Schlösser zu schließen. Hoffentlich lassen die mich noch rein! Doch ich komme nicht ins Gebäude. Das liegt nicht daran, daß ich etwa zu spät wäre, sondern an der Schlange, die direkt hinter der Eingangstür beginnt. Es geht überhaupt nicht voran. Um 16:05 habe ich endlich mein Mittagessen vor mir auf dem Tisch stehen.

Eigentlich habe ich heute Morgen geplant, am Nachmittag in den Albaycín zu gehen, genauer gesagt zum Mirador San Nicolas. Mir fehlt noch das Bild der Alhambra im Sonnenuntergang vor den schneebedeckten Gipfeln der Sierra Nevada. Aber erst die Hektik, dann die Warterei, das hat mir gereicht und ich bleibe zu Hause.

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Donnerstag, 20. Januar 2000

Wie ich eigentlich erwartet habe, ist keine Antwort von Juan Miguel eingetroffen. Das ändert sich auch im Laufe des Tages nicht. Als ich schon fast auf dem Weg zu seinem Büro bin, kommt mir eine Idee. Ich werde zu Hause die Seite im Handbuch mit dem Hinweis auf die Beispiele ausdrucken, und ihm morgen dieses Blatt unter die Nase halten.

Ich verplempere danach meine Zeit mit dem vergeblichen Versuch, Eudora Light unter der Standard-Windows-Installation zu konfigurieren. Immerhin kann ich Mails verschicken. Das Empfangen klappt nicht. War auch nur ein Versuch. Ich frage mich, was ich mit dem PIN eigentlich anfangen soll. Ja, ja, ich weiß, ich sollte nicht mich, sondern jemand anders fragen, aber so wichtig ist mir die Sache nicht, daß ich die Systemadministratoren damit nerve. Meißtens klappt es ja mit dem Mailen über WWW.

Jedenfalls komme ich heute zeitiger in die Mensa. Auch muß ich nicht so lange warten, so daß einem Nachmittagsspaziergang durch den Albaycín nichts mehr im Wege steht. Kamera umgehängt und ab. Leider bemerke ich schon beim Herausgehen, daß es diesig wird. Ich nehme diesmal einen anderen Weg und werde belohnt, denn offenbar haben einige Ecken nur darauf gewartet, von mir entdeckt zu werden. Der Blick vom Mirador San Nicolas ist dann wie erwartet sehr getrübt. Immerhin sind fast gar keine Touristen unterwegs. Wer ein bißchen Kälte vertragen kann, für den ist auch Ende Januar schon wieder akzeptable Reisezeit. Immerhin sitzen Leute in den Straßencafés. Die Sonne wärmt, ab Mittag ist es schon wieder richtig angenehm, allerdings nur bis halb sieben, dann verschwindet die Sonne und die Kälte kommt.

Direkt neben dem Mirador wird eine Moschee gebaut. Der Skizze nach zu urteilen, muß das ein traumhaftes Gebäude werden. Immerhin wird die große Terrasse noch höher angelegt, als der Mirador, da gibt es dann einen traumhaften Blick. Auch der Rest hat Stil. Da haben sich die Architekten mal richtig was einfallen lassen. Aber bevor es den Daumen hoch gibt, müßte ich natürlich erst noch das fertige Gebäude betrachten. Doch das dauert noch.

Granada ist keine riesige Stadt. Das wird mir bewußt, als ich beim Verlassen des Albaycín ein bekanntes Gesicht sehe. Es ist toll, sich mal wieder in der Muttersprache unterhalten zu können. Wir führen zwar kein weltbewegendes Gespräch, aber immerhin geht es über die Floskeln wie "Und, wie war Weihnachten?" hinaus.

Ich habe noch nicht genug bekommen und laufe auf und ab durch die Stadt, auf der Suche nach Straßen, die ich noch nicht begangen habe. Dabei entdecke ich allerdings eher schmuddelige Ecken, als das mir noch Geheimtips aufgefallen wären.Der Spaziergang hat richtig gut getan. Zwar ich fühle mich natürlich erschöpft, aber ich bin auch zum ersten Mal seit Tagen wieder entspannt.

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Freitag, 21. Januar 2000

Heute Morgen ist es besonders kalt. Der Polizist auf einer Kreuzung ist so vermummt, daß man fast nicht einmal die Augen sehen kann. Ich trete ordentlich in die Pedalen, damit ich nicht so friere. Als ich gerade die halbe Strecke zur ETSII zurückgelegt habe, fängt mein Hinterrad an zu rütteln und zu bremsen. Ich hätte wohl doch mal Luft aufpumpen sollen. Wer sein Fahrrad liebt der schiebt. Im Moment hasse ich es allerdings. Jetzt weiß ich auch, was das vorhin für eine Stimme war, die mir gesagt hat, ich solle lieber im Bett bleiben. Ich suche einen geeigneten Platz zum Anschließen und gehe den Rest zu Fuß.

Bevor ich mit dem Ausdruck zu Juan Miguel in Büro gehe, will ich noch mal überprüfen, ob er nicht doch vielleicht geschrieben hat. Doch dazu kommt es nicht mehr, denn plötzlich kommt er auf mich zugestürmt und zeigt mir den Ordner, in dem die Beispiele sind. Diesmal sind es sogar die Beispiele, die ich gesucht habe. Ich erfahre durch sie, daß der Fehler beim Einfügen passiert. Der letzte Code, den ich geschrieben habe ist richtig, ich muß bloß noch einen Alias für das Verzeichnis, in dem die Bilder liegen anlegen. Weil ich das nicht gemacht habe, gab es eine Exception. Daß hätte mir das Programm ja auch mal sagen können, daß hinter der Unhandled Exception eine FileNotFoundException steckt. Zum Anlegen eines Verzeichnis-Aliases fehlt mir die Berechtigung, also bitte ich Juan Miguel darum, mir die notwendigen Rechte zu erteilen.

Über die Freude über den Teilerfolg vergesse ich die Panne die ich mit meinem Fahrrad habe. Ich muß zu Fuß in die Mensa. Zum Glück gehe ich noch rechtzeitig los. Der Heimweg mit dem Fahrrad an der Seite wird ziemlich anstrengend. Irgendwie ist mein Kreislauf angeschlagen, er erholt sich jedoch nach einer halben Stunde Siesta wieder. Anschließend gehe ich in den Fahrradladen, um Flickzeug zu kaufen. Heute ist der alte Herr (wahrscheinlich heißt er Maxi (?)) wieder da. Er sucht kurz in den Schubladen, seinem Gesicht ist aber schon abzulesen, daß er nichts finden wird. Ich soll das Rad lieber vorbeibringen oder zum Fahrradladen im Neptuno-Zentrum gehen. Mit dem Gedanken, den Schlauch flicken zu lassen, hatte ich auch schon gespielt, also entscheide ich mich dafür und hole das Fahrrad. Ganz großväterlich sagt er zu mir: "Paß mal auf, ich zeige Dir, wie man das macht!" Der Schlauch, den er aus dem Mantel zieht, ist im Bereich des Ventils völlig zerfetzt, also setzt er einen neuen ein. Da hätte ich mit dem Flickzeug ziemlich alt ausgesehen. Immerhin kostet mich der Reifenwechsel mehr als die Hälfte dessen, was ich für meinen "neuen" Autoreifen bezahlt habe.

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Samstag, 22. Januar 2000

Genau wie letzten Samstag mache ich auch heute wieder einen Stadtbummel. Ich kann mich diesem Zauber der vielen entspannten Menschen einfach nicht entziehen. Zur Zeit sind aber extrem viele Leute unterwegs, denn es gibt überall gewaltige Preisnachlässe. So was Ähnliches wie WSV. Aus manch einem kleinen Laden gehe ich rückwärts wieder heraus, weil ich nicht glaube, da noch zwischen die Meute zu passen. Das ist mir dann doch zuviel.

Zum Mittagessen koche ich heute Reis mit Erbsen und Shrimps. Das ist richtig lecker. Ich hoffe also, daß die angebrochene Packung Shrimps in der Tiefkühltruhe nicht wie die Kalamari verschwindet. Bei denen war mir das eigentlich sogar ganz recht, den so richtig lecker waren die nicht. Am besten lasse ich mir nicht so viel Zeit, bis ich den Rest vertilge.

Entgegen des Wetterberichts ist heute traumhaftes Wetter. Deshalb ist auch alle Welt Skilaufen gewesen. Alle, die ich anrufe, sind zu erschöpft um auszugehen. Dumm gelaufen, hätte ich mich schon mal eher irgendwo gemeldet hätte ich vielleicht mitkommen können zum Skilaufen. Nicht mal im Fernsehen gibt es etwas vernünftiges. Ein verschenkter Abend. Auf dem Weg in die Küche mache ich eine traurige Entdeckung. Einer der drei Vögel, die dort eingepfercht in winzigen Käfigen ein trauriges Dasein fristen, hat es hinter sich und liegt leblos in seinem Käfig. Es ist natürlich der Vogel, zu dem ich die "intensivste Beziehung" gepflegt habe.

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Sonntag, 23. Januar 2000

Als ich in die Küche komme, ist der Käfig neben der Tür verschwunden. Ist schon merkwürdig, diese Leere an der Wand. Hoffentlich kauft sich Ada keinen neuen Vogel. Ich finde es grausam, Tiere einzusperren. Allerdings würde es mir auch nicht gefallen, wenn die Vögel in der Wohnung umherfliegen würden. Pepito hingegen (der Kater) würde sich wahrscheinlich freuen.

Wie geplant verlasse ich um eins das Haus, um nach Pinos Puente zu fahren. In dem Buch, daß ich gerade lese (Alhambra von Colin de Silva), wird zwischen den detailgenauen Schilderungen sexueller Handlungen auch ein bißchen die Landschaft beschrieben. Ich will die gewaltige Schlucht bei Pinos Puente sehen, die zwei der Protagonisten dort auf der Brücke die dem Ort den Namen gab, überqueren wollen. Doch schon das Starten gestaltet sich als nicht sehr einfach. Inzwischen hat sich die Fahrtrichtung meiner Straße aufgrund der Bauarbeiten geändert. Ich werde darauf durch einen handschriftlich verfaßten Brief an meiner Windschutzscheibe hingewiesen. Mein Auto ist ein schöner Anblick, daß einzig weiße daran ist das blöde D-Schild. Ein Foto mache ich aber nicht, denn direkt neben dem Wagen steht eine Horde junger Ausländer, von denen ich mitleidvolle Blicke ernte, als ich versuche, den Motor zu starten. Es ist fast sechs Wochen her, daß er zum letzten Mal lief. Trotzdem schafft es die sechs Jahre alte Batterie nach einigem Orgeln, den Motor in Gang zu setzen. Erst jetzt wird mir klar, daß mich der Holländer, der vor mir steht, schon seit Wochen zugeparkt hat. Zum Glück ist die Horde gerade damit beschäftigt, ihn zu verabschieden. Freundlicherweise fährt er ein ein Stück vor, so daß ich herausfahren kann. Während ich krampfhaft am Wenden bin (7 Züge), setzt sich auch der Holländer wild hupend in Bewegung und fährt die Einbahnstraße in der falschen Richtung. Warum bin ich eigentlich schon wieder so kleinlich? Die paar Meter hätte ich das auch machen können. So drehe ich also noch eine Ehrenrunde um den Block.

Immerhin komme ich eine Viertelstunde später ohne weitere Zwischenfälle in Pinos Puente an. Doch schon beim Herumkurven auf Parkplatzsuche bemerke ich, daß es mit der Schlucht nicht weit her ist. Immerhin sehe ich eine alte Brücke mit einer Kapelle drauf. Also steige ich doch aus und laufe ein paar Schritte umher und mache ein paar Fotos, um zu beweisen, daß sich Pinos Puente nicht lohnt.

Da ich damit gerechnet habe, daß Pinos Puente nicht so der Brüller ist, habe ich mir noch ein paar Ausweichziele ausgesucht. Als nächstes steht Sierra Elvira auf dem Programm. Doch als ich dem Schild folge, stelle ich fest, daß es auf diesem Weg nicht in die Berge, sondern nur in ein kleines Dorf direkt an der Hauptstraße nach Córdoba geht, daß scheinbar vom Steinbruch lebt. Hier habe ich sicher nichts verloren, so daß ich weiter nach Santa Fe fahre. Bei meinem letzten Besuch hatte ich nicht die Ruhe, mich für die Schönheit dieser Stadt zu begeistern. Die Innenstadt ist ganz nett, mir haben es aber bersonders die Vororte angetan. Man sieht, daß die Leute hier Geld zu haben scheinen. Sehr viele, vornehmlich weiße Einfamilienhäuser, die richtig wohnlich und gemütlich aussehen.

In Pinos Puente habe ich noch gefroren und an der Entscheidung für die Sommerjacke gezweifelt. Inzwischen ist es in der Sonne angenehm warm. Ein Thermometer auf dem Rückweg zeigt 19° C. Doch daß ist nicht das Beste. Als ich auf die Circunvalación fahre, komme ich aus der Begeisterung gar nicht mehr heraus. Die Berge der Sierra Nevada ansich sind im Dunst verschwunden, aber die schneebedeckten Gipfel stahlen in der diesigen Luft und der Nachmittagssonne orangerotviolettgold (oder so ähnlich). Einfach Traumhaft, dieser Anblick.

Ich brauche zwei Anläufe, bis ich geschnallt habe, wie ich denn nun aufgrund der geänderten Verkehrsführung nach Hause komme. Doch der Aufwand lohnt sich, denn ich bekomme wieder einen Platz fast gegenüber der Haustür. Anschließend finde ich die Waschmaschine leer vor. Alles super? Nein, beim Aufhängen der Wäsche sehe ich, daß der Hinterreifen meines Fahrrades schon wieder platt ist. Ich bin nicht einen Meter gefahren! Auch das CD-ROM-Laufwerk meines Notebooks gibt langsam aber sicher den Geist auf. Dann habe ich für morgen schon wieder etwas vor.

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© 2000,2001 Torsten Klie

Last modified: Sat Mar 24 00:33:56 CET 2001