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Montag, 10. Januar 2000

Um neun weckt mich ein sehr vertrautes Geräusch. Hämmern. Allerdings scheint der Preßlufthammer ein Jahr-2000-Problem zu haben, denn er wurde durch einen gewöhnlichen Hammer ersetzt. Nun, nach über 12 Stunden Schlaf kann man auch aufstehen. Ich gehe gleich zu Mercadona, wo ich die Zutaten für das Frühstück einkaufe. Ich muß gleich beim Reingehen an den renovierten Eurospar-Laden in Stöckheim ("Blau-Gelb") denken, denn der ist jetzt sogar viel besser als Mercadona. Aber zu weit weg. Als ich vom Einkaufen zurückkomme, gelingt es mir gerade noch, meine Einkaufstüten abzustellen, bevor mir Ada um den Hals fällt und mir ein frohes neues Jahr wünscht. Das ist eine Begrüßung. Dann erzählt sie mir, was sie alles für mich getan hat, bevor ich wiedergekommen bin. Sie hat mein Bett mit einem großen Tuch bedeckt, damit meine Bettwäsche nicht einstaubt. Eigentlich wollte ich sie gleich nach der Rückkehr wecken, aber damit muß ich jetzt noch eine Woche warten.

Nach einem gemütlichen Frühstück mache ich mich gleich an die Arbeit, allerdings nicht an die Studienarbeit, sondern an die Homepage. Der letzte Eintrag ist vom Freitag, dem 17. Dezember, da gilt es einiges aufzuarbeiten. Als erstes schließe ich die 13. Woche ab, damit ich diese heute Nachmittag hochladen kann. Dann krame ich den Briefentwurf von gestern hervor und starte einen neuen, diesmal erfolgreicheren Versuch. Dann ist es auch schon Mittagszeit, so daß ich in die Mensa aufbreche. Dort muß ich feststellen, daß auch hier die Preise erhöht worden sind. Bisher habe ich immer die letzten 25 Ptas von den 375 Ptas. in duros (5-Ptas-Stücke) bezahlt, um das lästige Kleingeld sinnvoll loszuwerden. Dafür kann ich jetzt Marken auf Vorrat kaufen.

fREEMEM begrüßt mich freundlich, als ich sein Internetcafé betrete, allerdings staunt er nicht schlecht über meine eiskalte Flosse. Gestern Nachmittag waren es 13°, heute sind es nur 7°, da bin ich mit der Sommerjacke nicht gerade gut bekleidet. Ich nutze die Zeit des Hochladens, um mich durchzuwärmen. Anschließend will ich nur noch schnell ein paar Besorgungen machen.

Als erstes führt mich mein Weg zur Bank, denn ich muß ja noch meine Januarmiete bezahlen. Ich habe in den Weihnachtsferien (mit schlechtem Gewissen) ein Konto bei der Deutschen Bank 24 eröffnet, weil dann das Abheben am Deutsche Bank Geldautomaten in Granada keine 5 DM Fremdgebühr kostet. Nur leider streikt der GA, so daß ich also doch einen anderen benutzen muß, der wieder Gebühr kostet. Dann Suche ich nach Plattenläden, weil ich mir unbedingt die CD "Californication" von den Red Hot Chili Peppers kaufen muß. Das wird zu einer langen Suchaktion. Im Corte Inglés jedenfalls sind die CDs nicht nur teuer, sondern auch schlecht sortiert. Das Label als einziges Sortierriterium ist sehr dürftig. Allerdings treffe ich auch auf einen kleinen Laden, in dem die CDs überhaupt nicht sortiert sind. Man muß alle durchsehen, wenn man etwas bestimmtes sucht. Ich würde ja mal nachfragen, aber der eine Verkäufe ist dermaßen überlastet (er ist umringt von einer Traube Menschen), daß ich lieber aufgebe. Nur zwei Straßen von meiner Wohnung entfernt treffe ich noch auf einen weiteren Laden. Ich bekomme die Tür nicht auf, will schon weitergehen, da öffnet mir der Verkäufer. Später merke ich, daß das so gedacht ist. Der Laden ist winzig, es gibt nur ein 1 mal 4 Meter großes Regal. In dem sind allerdings keine CDs gelagert, sondern die Cover, in spezielle Hüllen verpackt und mit einer Nummer beschriftet. Also ist die Auswahl hier doch größer, als man zunächst ahnt. Tatsächlich! Ich bekomme meine CD.

Inzwischen ist es dunkel geworden. Immerhin geht die Sonne hier erst 18.15 unter, also fast zwei Stunden später als in Braunschweig. Den nächsten Kauf hätte ich mir sparen können. Ich kaufe eine Supertele, damit ich über das Fernsehprogramm informiert bin. Anscheinend haben auch die spanischen Fernsehanstalten ihr Pulver über die Feiertage verschossen, die ganze Woche wird nur Mist gezeigt. So habe ich wenigstens genügend Zeit zum Arbeiten. Am heutigen Abend bereite ich schon einmal ein paar dringende Neujahrsgrüße vor. Mein Postfach quillt über. Natürlich freue ich mich über eMail, aber da ich die ganzen Ferien nicht dran war, habe ich jetzt erst mal ein bißchen aufzuarbeiten.

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Dienstag, 11. Januar 2000

Heute ist es mein Wecker, der mich aus dem Tiefschlaf holt. Ich habe mich immer noch nicht von der anstrengenden Reise erholt. Aber ich quäle mich dennoch aus dem Bett. Die Fahrt zur ETSII ist anstrengend, weil mein Hinterreifen nur noch wenig Luft in sich trägt. Ich schaue die ganze Zeit, ob Post von Juan Miguel kommt. Ihm habe ich gestern Nachmittag gemailt, daß ich wieder da bin und ihn an die Beispiele erinnert. Heute hat er noch Frist, morgen werde ich ihn in seinem Büro aufsuchen, wenn er wieder nicht schreibt. So nutze ich die Zeit zum Surfen und dem Versenden von Neujahrsgrüßen. Zwischendurch fällt dann mal für eine halbe Stunde das Netz aus.

Der Mensa darf ich dann eine halbe Ewigkeit warten. Direkt vor mir verliert ein Essensausteiler seinen großen Löffel. Dieser fliegt durch die Luft und landet so geschickt auf dem Tablett des Typen drei Plätze vor mir, daß sein Trinkglas in 1000 Scherben zerspringt. Die Scherben fallen aber nicht auf den Boden, sondern verteilen sich über die gesamte Essenstheke. Die Entscheidung, daraufhin sämtliches dort ausgestelltes Essen wegzuwerfen, ist vernünftig und zu begrüßen, auch wenn ich deshalb warten muß. Niemand, wirklich niemand regt sich über diesen Vorfall auf.

Nachmittags komme ich dann mit der Aufarbeitung des Tagebuchs erstaunlich gut voran. Ab morgen kann ich dann schon wieder voll und ganz meine Aufmerksamkeit der Studienarbeit widmen.

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Mittwoch, 12. Januar 2000

Das Aufstehen fällt fast noch schwerer als die Tage zuvor. Was ist denn mit mir los? Ich habe doch eigentlich genügend geschlafen. Trotzdem ist der Weg durch den 2° C kalten Morgen mit dem Fahrrad überflüssig. Juan Miguel hat nicht geschrieben. Erik (ein schwedischer Informatikstudent) spricht mich heute nur auf Englisch an, obwohl wir bisher (mehr als zehn Sätze waren es wohl nicht) nur Spanisch gesprochen haben. Ich warte bis ca. 11:30 Uhr, da ich weiß, daß die Profen dann normalerweise so etwas wie Sprechstunde haben. Doch Juan Miguels Kollege sagt mir, daß Juan Miguel heute gar nicht da ist. Sehr erfolgreich, das ganze.

Der Weg zur Mensa geht dann im wahrsten Sinne des Wortes fast ins Auge. Genau auf der größten Kreuzung, links und rechts von mir jeweils zwei Fahrspuren fängt mein linkes Auge fürchterlich an zu brennen und zu tränen. Ich schließe es, aber einäugig ist das mit dem Einfädeln so eine Sache. Es geht alles gut, und genau an der Stelle, wo mir auch schon mal die Kette abgesprungen ist, komme am Fahrbahnrand zum Stehen. Einige hundert Meter weiter wiederholt sich das Spiel mit dem rechten Auge.

Nach dem Mittagessen aktualisiere ich erneut das Tagebuch. Das ist eigentlich nicht sehr berichtenswert, aber es geht heute so schnell, daß ich finde, nachdem ich so über Tripod geschimpft habe, muß auch mal ein gutes Wort darüber verloren werden. So ist es immer noch schön warm, als ich das Internetcafé verlasse. Das Thermometer zeigt nur 7°C. Da kann doch was nicht stimmen. Wahrscheinlich zeigt das Ding immer nur 2, 7, 16, 26, ... oder ähnliches in großen Stufen an.

Bis abends sitze ich dann (endlich wieder) an meiner Studienarbeit. Ich brauche einige Zeit, um mich wieder einzulesen, es ist doch schon einige Zeit her. Eigentlich wollte ich ja in Braunschweig über die Ferien etwas tun, aber daraus ist leider nichts geworden. Ich hätte auch meinen alten 386er wieder fertig machen müssen. Und dafür hätte ich mir erst ein CD-ROM-Laufwerk borgen müssen. Um Ausreden war ich noch nie verlegen.

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Donnerstag, 13. Januar 2000

Es ist alles wie gehabt, ich komme wieder nur unter Qualen aus dem Bett. Auf dem Weg zur ETSII werde ich dann Zeuge einer abenteuerlichen Ausweichaktion. Ein Busfahrer schneidet beim Linksabbiegen die Kurve, was dazu führt, daß der Autofahrer links neben ihm nach langem Hupen schließlich über eine Verkehrsinsel fährt. Das Auto scheint fast abzuheben. Der Busfahrer hebt entschuldigend die Hand, macht aber nicht den Eindruck des wirklichen Bedauerns. Der weiße Kleinwagen hat den Hopser trotz seines Alters aber scheinbar gut überstanden.

Juan Miguel hat natürlich nicht geschrieben. Aber mir fällt neben dem Surfen noch etwas anderes ein, was ich tun kann. Die ersten Klassen meines Projekts waren noch vage Gehversuche, d.h. mit der Kommentierung sieht es mager aus. Das ändere ich. Ich versuche außerdem, Juan Miguel zu erreichen. Immerhin sagt man mir, er sei da, aber wo genau, wisse niemand. Bevor ich dann zum Mittagessen fahre, starte ich einen zweiten Versuch. Es klappt! Zur Begrüßung murmelt er etwas vor sich hin, das nach "Einen Moment, bitte!" klingt. Dann fragt er mich doch ernsthaft, wen ich denn suche. Als ich ihm klarmache, daß ich ihn sprechen will, sagt er mir, daß er keine Zeit hat und wir morgen sprechen wollen. Wann genau? Kann er nicht sagen, morgen halt. Immerhin ein Lichtblick.

Licht bekomme ich auch, als ich in der Mensaschlange auf mein Essen warte. Um 14:45 Uhr ist die Schlange 30 Meter lang, allerdings von der Treppe zum Eingang gerechnet. So kriege ich also ein bißchen von der leicht brennenden Sonne ab. Das viele Essen nach der langen Wartung macht mich ganz schön müde (so richtig wach habe ich mich den ganzen Tag noch nicht gefühlt). Trotzdem setze ich mich an die Studienarbeit und komme sogar voran.

Abends mache ich dann noch eine erstaunliche Feststellung. Ich habe mich schon seit ich wieder hier bin gewundert, warum die Tonqualität über die Kopfhörer so mies ist. Jetzt weiß ich es, denn sie standen die ganze Zeit auf Mono (muß so sein beim Fernsehen). Wie schnell man doch Routinehandgriffe verlernt. Jetzt klingt die Chili Peppers CD gleich nochmal so gut.

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Freitag, 14. Januar 2000

Der erste Blick aus dem Fenster erschreckt mich. Ausgerechnet heute, wo ich in die Uni muß, regnet es in Strömen. Aber ich habe keine Wahl, also mache ich mich auf den Weg. Ich habe Glück, denn gerade als ich aus der Haustür komme, hört es auf zu regnen. Allerdings kann ich nur langsam fahren, da die Straße noch sehr naß und rutschig ist. Meine Klamotten sind natürlich total eingesaut, denn mein Fahrrad hat keine Schutzbleche.

Als ich um kurz nach neun zu Juán Miguels Büro komme, ist noch niemand da. Damit hatte ich gerechnet, also will ich mir einen Rechnerplatz reservieren. Doch der Dozent des Programmierkurses hat die Tür abgeschlossen. Selbst Schuld, dann muß er eben seinen Vortrag unterbrechen, um mir zu öffnen.

Ich finde erstmal noch Beschäftigung, z.T. sogar etwas produktives. Irgendwann höre ich die mir vertraute Stimme Juán Miguels. Doch er ist gerade dabei, den Raum zu verlassen. Ich warte noch eine Viertelstunde, aber er kommt nicht zurück. Also nutze ich die Pause des Programmierkurs, damit ich mich nicht wieder durch das Bild des Overheadprojektors drängeln muß, um die Treppe zum Büro meines Tutors emporzusteigen. Doch er ist wieder in einem anderen Büro. Dort erwische ich ihn endlich, er steht in der Tür unter einem Rauchverbotsschild und zieht gerade die letzten Züge aus seiner Zigarette. Er ist enorm kurz angebunden, verspricht mir aber, bis Montag die Beispiele zu installieren. Ich teile ihm noch mit, daß ich dann ca. noch zwei Wochen für die Vorbereitung des Vortrags benötigen werde, aber das scheint ihn überhaupt nicht zu interessieren. Nach diesem Erfolgserlebnis gebe ich mich noch ein wenig den Freuden des Internets hin und bereite alles soweit vor, daß ich Montag gleich loslegen kann.

Zum Glück habe ich genug Hosen mit. Wenn ich mir vorstelle, einige der Erasmusstudenten, die im Flugzeug nur einen Koffer transportieren konnten, haben bloß zwei Hosen, dann wird mir ganz anders. Aber wahrscheinlich haben diese Leute auch eine Gelegenheit zum Waschen. Mir bietet sich diese Gelegenheit leider nicht. Jetzt sind schon zwei meiner Hosen untragbar schmuddelig, und die Waschmaschine ist ständig belegt. Aber das ist ja nichts neues.

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Samstag, 15. Januar 2000

Ich beginne den Tag mit einem Stadtbummel. Samstags ist immer viel los, aber die Leute haben Zeit und sind entspannt beim Shopping. Diese Atmosphäre gefällt mit sehr. Auch gefällt mir, daß der Wetterbericht nicht gestimmt hat, denn es scheint die Sonne und sollte regnen. Allerdings habe ich heute enorme Konzentrationsschwierigkeiten. Ich will morgen Bohnensuppe kochen und vergesse beim Einkaufen die Bohnen.

Einkaufen ist ohnehin meine Hauptbeschäftigung heute. Es ist gar nicht so einfach, Duschgel zu finden. Beim letzten mal hatte ich Glück, ich habe bei Mercadona zwei Flaschen gefunden. Wahrscheinlich hätte ich damals gleich beide nehmen sollen, denn jetzt gibt es nichts mehr für Herren. Bei Consum finde ich eine Flasche mit der Aufschrift "For Men", allerdings handelt es sich dabei, wie bei allen anderen Duschgels auch, um eine Literflasche. Das finde ich nun wirklich unpraktisch, aber ich muß ja nun einmal duschen und so nehme ich notgedrungen die große Flasche.

Als ich mein Mittagessen kochen will, stelle ich Fest, daß sich meine angefangene Packung Calamari nicht mehr in der Gefriertruhe befindet. Also koche ich heute schon die Suppe. Dummerweise hat diese eine Vorbereitungszeit von über einer Stunde, so daß ich erst um fünf geradezu ausgehungert zum Essen komme. Doch damit nicht genug, denn was koche ich dann morgen, wenn ich heute schon das Sonntagsgericht verbraten habe? Ich entscheide mich spontan für Peperonata, um die Nudeln aufzubrauchen. Das bedeutet für mich, daß ich nochmal losmuß, um Paprika und Tomaten einzukaufen.

Eigentlich hatte ich geplant, heute auszugehen, aber ich ziehe es dann doch vor, einen gemütlichen Abend vor dem Fernseher zu machen. Ich will erst meine Erkältung ganz auskurieren. Immerhin gibt es auf Tele5 den Film "Todos los hombres sois iguales" (Ihr Männer seid doch alle gleich). Selten habe ich so gelacht (beim Fernsehen). Es wäre schön, wenn ich diesen Film irgendwo auf Video auftreiben könnte. Vielleicht suche ich Montag mal im Internet.

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Sonntag, 16. Januar 2000

Heute mache ich einen richtigen Sonntag, so wie er im Buche steht. Ich mache nichts! Gegen Abend habe ich dann, während ich mein selbstgekochtes Abendessen genieße, die Möglichkeit, mit Guillermo zu reden. Er hat noch weniger gemacht, lag das ganze Wochenende nur auf seinem Bett und hat ferngesehen. Ist auch mal ganz nett, richtig abzuhängen. Abends sehe ich dann aber auch Fernsehen, und zwar "Schlaflos in Seattle". Die meines erachtens schönste Stelle

Mit ihr war der Schnee immer noch ein bißchen weißer

lautet in der spanischen Version einfach nur

Wir waren beide für einander bestimmt

. Kennt jemand den Satz in der Orginalversion?

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© 2000,2001 Torsten Klie

Last modified: Sat Mar 24 00:33:40 CET 2001