vorherige Woche

   

Home

   

nächste Woche

Montag Dienstag Mittwoch Donnerstag Freitag Samstag Sonntag

Montag, 29. November 1999

Um fünf wache ich zum ersten Mal auf und fühle mich fit. Ich überlege, ob ich aufstehen und mit meiner Arbeit beginnen soll. Während ich so darüber nachdenke, was genau ich denn eigentlich tun könnte, schlafe ich wieder ein. Trotzdem ist es noch früh, als ich aufstehe. Leider lohnt sich das frühe aufstehen nicht im Geringsten. Ich habe wohl die Zusicherung "Du kannst den Raum jederzeit nutzen!" zu wörtlich genommen. Um Viertel nach acht ist jedenfalls nichts zu wollen. Um halb darf ich zwar den Raum betreten, soll aber den Rechner noch nicht einschalten, bis ein Prof kommt. Zwei Rechner im Raum laufen schon, haben aber keine Verbindung zum Server, wie es aussieht. Wahrscheinlich muß erst jemand den Server hochfahren. Ich warte. Und warte. Irgendwann erscheint ein Prof, anstatt der Zusage, nun arbeiten zu können, erfahre ich, daß in Kürze eine Vorlesung/Übung stattfinden wird und ich den Raum verlassen müsse.

Gut, daß der Rechner gerade nicht läuft, sonst würde ich jetzt eMails schreiben, in denen ich erkläre, daß ich unter diesen Arbeitsbedingungen die Studienarbeit abbrechen werde. Ich koche geradezu vor Wut. Will man mir denn die Motivation total kaputt machen? Ich hatte mich geradezu gefreut, frisch und ausgeschlafen, mit viel Zeit und wenig anderen Benutzern im Raum zu arbeiten, endlich vorwärts zu kommen. Um meiner Frustration Luft zu verschaffen, brabble ich beim Verlassen der ETSII unanständige Bemerkungen und Flüche vor mich hin. Hoffentlich versteht keiner Deutsch. Die restliche Aggression baue ich auf meinem Fahrrad ab. Es ist schon ein komisches Gefühl, auf der linken Spur schneller zu fahren als die Autos auf der rechten. Doch schon nach den ersten zwei Kilometern bin ich aus der Puste. Meine Gesundheit scheint doch angeschlagen zu sein.

Das Auspowern hat sich aber dennoch gelohnt, denn der Frust ist weg und ich arbeite ziemlich produktiv an der GUI. Es ist zwar etwas komplizierter, alle Elemente selbst zu programmieren anstatt einen Code-Generator zu verwenden, aber irgendwie macht es mehr Freude wenn es dann klappt. Und es klappt. Ich unterbreche zweimal die Arbeit, einmal um einen Film zum Entwickeln zu geben und einzukaufen, das zweite Mal um ihn wieder abzuholen. Leider sind die Fotos nicht so umwerfend. Ich habe viele Berge fotografiert, die kommen natürlich auf dem Postkartenformat nicht gut rüber. Vielleicht sollte ich mich doch dazu durchringen, Dias zu machen. Aber die bekomme ich dann nie zu sehen.

Nach dem Mittagessen gehe ich ins Internetcafé und ärgere mich über Tripod, weil ich mal wieder die Tagebuchdateien nicht hochladen kann. Auf zum nächsten Versuch am Mittwoch. Dann passiert noch ein Wunder: Die Waschmaschine ist leer!!! Nichts wie rein mit meinen Klamotten. Das ist gar nicht so einfach, denn der Wäschesack (eigentlich ist es ein alter Rucksack) ist so voll, daß er erst gar nicht unter dem Bett hervorkommen will. Als ich die Wäsche gerade abnehmen will, klingelt das Telefon. Kai ist dran, das höre ich, aber er hört mich nicht. Was nützt die beste Elektronik, wenn die Schrauben nicht halten? Nachdem ich das Handy repariert habe, ist Kai nicht mehr zu erreichen. Jetzt komme ich unter Zeitdruck. Ich gehe fast rennend Richtung Centro de las Lenguas Modernas, wo ich Kai treffe und dann doch noch ein Schwätzchen mit ihm halte, obwohl es schon 10 nach sechs ist.

In unserer heutigen Stunde bereiten wir den Film vor, den wir demnächst sehen wollen ("El día de la bestia"). Keine Ahnung, wie der auf Deutsch heißt. Auf jeden Fall ein Horrorfilm, aber mit Ironie und Komik gemacht, auf die Art und Weise, wie es mir gefällt. Wie sehen ein paar Ausschnitte, um uns einen groben Überblick über die Handlung zu verschaffen. Mir gefallen die kleinen absurden Details. Da ist eine Szene dabei, in der ein Pfarrer im Büro eines Kaufhausdetektives sitzt und ihm erklärt, warum er ein Buch gestohlen hat. Ohne sich umzudrehen steht er auf, nimmt das Stück Kreide, das auf dem Tisch liegt und beginnt, seine Ausführungen grafisch zu untermauern. Er hat sich nicht einmal umgedreht, weiß aber, daß hinter ihm eine Tafel an der Wand befestigt ist. Außerdem: Was macht eine Tafel im Büro eines Kaufhausdetektivs?

nach oben


Dienstag, 30. November 1999

Heute komme ich erst nach neun zur ETSII. Leider findet wieder ein Kurs statt. Ich bin so sauer, daß ich nicht daran denke, nachzufragen, ob vielleicht morgen oder sonst irgendwann der Raum mal wieder frei ist. Immerhin ist heute Stau und ich kann mich freuen, ohne Anstrengung erheblich schneller zu sein als die Autos. Sonst werde ich überholt, heute überhole ich. Ein schwacher Trost. So richtig viel kann ich nämlich zu Hause nicht anstellen. Ich habe zwar noch ungeschriebene Kapitel im meiner "exposición", aber dort geht es im Java-Klassen. Bevor ich die beschreibe, möchte ich sie doch erst einmal ausprobieren. Die GUI ist auch noch nicht fertig, aber da ich noch keine Ahnung habe, wie der Ergebnisse der Datenbankabfragen aussehen werden, will ich an der Baustelle auch nicht arbeiten. Überhaupt will ich nicht arbeiten, ich habe keine Lust. Meine Motivation ist auf einem Tiefpunkt angelangt. Deshalb mache ich Screenshots für das Handbuch. Keine sehr spannende Tätigkeit.

Umso spannender gestaltet sich das Einbinden der Bildschirmfotos. Entgegen der ersten Euphorie scheint das LaTeX-Paket "graphics" nicht so ohne weiteres PNG-Dateien (PNG=Portable Network Graphic, eine Kreuzung aus GIF und JPEG, wobei jeweils die besten Eigenschaften kombiniert wurden, also Transparenz und qualitätsverlustfreie Kompression von GIF und True Color von JPEG) zu verarbeiten. Wahrscheinlich muß man noch irgendwelche Konfigurationsdateien bearbeiten. Da ich aber das Handbuch im Postscriptformat am Bildschirm kaum entziffern kann, versuche ich erst gar nicht, der Sache auf den Grund zu gehen, sondern benutze die "guten alten EPS-Dateien", von denen ich weiß, daß sie funktionieren. Entgegen der Angabe im pdfTex-Handbuch (pdfTex ist ein Programm, mit dessen Hilfe man PDF-Dateien für den Acrobar Reader erstellen kann) werden diese korrekt verarbeitet. Sie haben aber einen gewaltigen Nachteil: Ihre Größe. So ist ein Bildschirmfoto in etwa 1,2 MB groß, während es im PNG-Format nur 4,5 kByte sind. Aber wenn es denn funktioniert, will ich mich nicht beklagen. Ich muß nur daran denken, die Bildschirmfotos vor einem Backup zu komprimieren, sonst muß ich noch einen Lastwagen Disketten bestellen...

Nach dem Mittagessen suche ich das Internetcafé auf. Obwohl sonst niemand weiter anwesend ist, kommt zum Tripod-Dateimanager keine Verbindung zustande. Er ist so mit Grafiken vollgestopft, daß das Laden länger dauert als ein Timeout-Wert, der irgendwo eingestellt ist. Das ist meine Vermutung. Ich glaube nicht, daß der Webserver eines solchen Anbieters über mehrere Tage solch einen Mist baut.

Um zu Hause auch auf eine Datenbank zugreifen zu können, installiere ich PostgreSQL, eine kleine, aber feine DB mit JDBC-Treiber. So kann ich mich wenigstens schon einmal mit den Java-SQL-Klassen herumärgern. Nein, im Ernst, über JDBC auf eine DB zuzugreifen ist nicht die schlechteste Möglichkeit. Im Gegenteil, man kann schnell und einfach Anwendungen erstellen, die sogar auf unterschiedlichen DB-Systemen laufen. Wenn ich da an die Klimmzüge in C++ und ODBC denke...

nach oben

Mittwoch, 01. Dezember 1999

Heute ist der Praktikumsraum wieder belegt. Der Kurs, der dort stattfindet, geht bis Ende Januar. Allerdings sind noch ein paar Plätze frei, so daß ich arbeiten kann. Aber der Prof benutzt einen Projektor, weshalb der Raum abgedunkelt ist. Außerdem spricht der Dozent sehr laut und langsam, so daß ich ihn gut verstehe, trotz seines andalusischen Akzents. Nur will ich ihn gar nicht verstehen, ich will mich auf meine Arbeit konzentrieren. Nicht gerade optimale Arbeitsbedingungen. Trotzdem gelingt es mir endlich, eine Verbindung zur Datenbank zu etablieren. Leider fehlen die Klassen für Visual Information Retrieval. Also schicke ich eine Mail an Juan Miguel, obwohl ich nicht damit rechne, daß er mir antwortet. Aber darin täusche ich mich, denn schon nach wenigen Minuten ist nicht nur die Antwort da, sondern auch ein neues Verzeichnis auf dem Server mit den von mir benötigten Klassen.

Als ich zum Mittagessen fahre, stelle ich fest, daß das Wetter eigentlich viel zu schön ist, um den ganzen Tag vor dem Rechner abzuhängen. Richtig frühlingshaft ist es geworden. Da kommt keine Adventsstimmung auf (das soll jetzt keine Beschwerde sein, mir gefällt es so wie es ist). Dennoch besuche ich am Nachmittag "fREEMEMory", das Internetcafé. Dort erfahre ich, daß sich der Wirt "fREEMEM" nennt. Der Laden scheint ein Treffpunkt für AMIGA-Freaks zu sein. Trotzdem sind die meisten Besucher Ausländer, vor allem Touristen, die auf Windows-Kisten ihren daheimgebliebenen Freunden Mails schicken. Das Intermetcafé liegt auch dicht bei der Kathedrale, daher die vielen "guiris" (abwertend für Ausländer). Endlich habe ich mit dem Hochladen Erfolg, ich schaffe es sogar in 10 Minuten.

Daß das Hochladen so schnell vonstatten gegangen ist hat einen Nachteil. Ich bin zu früh dran. Daher muß ich noch eine halbe Stunde warten, bis der Kurs anfängt. Wir sehen uns erst zum Schluß die erste halbe Stunde von dem Film an. Vorher beenden wir das Buch und werden Zeuge einer seltsamen Szene. Es ist eine Mücke im Raum. Eine Französin, die panische Angst vor diesen Insekten hat, verläßt daraufhin fluchtartig den Raum. Eigenartigerweise kommt sie nicht wieder, erst in der Pause holt sie wutschnaubend ihre Sachen. Was da passiert ist, weiß ich auch nicht. Wir einigen uns in unseren Spekulationen darauf, daß sie wohl davon ausgegangen ist, wie hätten sie ausgelacht. Vielleicht klärt sich dieses Mißverständnis ja noch auf. Nein gelacht hat keiner, höchstens im ersten Moment, als das Ganze noch nach einem Spaß ihrerseits aussah. Anschließend dann der Film. Die Schlüsselszenen der ersten halben Stunde haben wir schon am letzten Montag gesehen, also nicht viel neues.

Beim Abendessen unterhalte ich mit Guillermo. Er erzählt, er habe die Nachbarin, die letzten Freitag gefeiert hat, am Samstag getroffen. Daraufhin hat er ihr den Vorwurf gemacht, uns nicht eingeladen zu haben. Sie hätte nicht gewußt, daß nebenan zwei chicos wohnen. Aber beim nächsten Mal würden wir bestimmt eingeladen. Schaunmermal!

nach oben


Donnerstag, 02. Dezember 1999

Heute steht die Leinwand im Praktikumsraum so ungünstig, daß ich ziemlich lange beleuchtet den Teilnehmern des Programmierkurses die Sicht versperre. Immerhin kann man heute die Tür öffnen, denn gestern hat jeder die Tür gegen die Leinweind geschlagen. Als ich mich hindurchzwänge, bemerke ich zum Glück, daß ich mich mit dem Fuß im Kabel des Projektors verheddert habe. Das wäre ja ein Spaß, wenn ich das Teil herunterreißen würde. Juan Miguel hat mir versprochen, ein Beispielprogramm zu installieren. Da das bislang noch nicht geschehen ist, komme ich nur sehr langsam voran. Gegen Mittag setzt sich jemand neben mich und futtert drei Tüten Chips. Ich sehe aus dem Augenwinkel, wie er die Tastatur vollkrümelt. Meine Stimmung ist ziemlich gereizt und das Geknuspere und vor allem der Chipsgeruch bringen mich fast zum Explodieren.

Leider bin ich am Nachmittag genauso erfolglos. Ich bekomme zwar Bilder in die Datenbank hinein, nicht aber wieder heraus. Es ist unbefriedigend, zumal die Arbeit mit PostgreSQL nicht zu meinem Projekt gehört. Aber ich will den Datenbankzugriff simulieren, um nicht völlige Dummy-Klassen zu erzeugen. Es kann einen schon zur Weißglut bringen, wenn die in der Dokumentation gezeigten Beispiele nicht funktionieren. So sitze ich völlig frustriert am Abendbrotstisch. Guillermo erzählt mir, daß morgen keine Vorlesungen stattfinden. Es sollte mich nicht wundern, wenn ich morgen nicht im Informatikzentrum arbeiten kann. Natürlich verlängern die meisten Fakultäten den "Puente" nächste Woche, so daß also ab heute bis Montag in einer Woche frei ist. Guillermo will die Zeit nutzen, um zu Hause in Ruhe vor dem Fernseher abzuhängen. Hoffentlich ist wenigstens die ETSII an einigen Tagen geöffnet, dann werde ich wahrscheinlich in Anbetracht der großen Zahl abwesender Studenten gute Arbeitsbedingungen vorfinden.

nach oben


Freitag, 03. Dezember 1999

Feiertag ist heute nicht, die Profs und die Angestellten der Uni streiken für mehr Geld. Da die Putzfrauen nicht im öffentlichen Dienst sind, sondern eine Firmenaufschrift auf ihren Kitteln tragen, arbeiten sie. Auch sonst gibt es eine Menge Leute, die tätig sind. Der Pförtner oder Hausmeister (keine Ahnung, was genau er ist) hat offenbar seine Frau als Vertretung geschickt. Auch der Prof, der die Veranstaltung in "meinem" Praktikumsraum leitet, läßt sich vertreten. Obwohl die Heizung aus ist, herrscht bald eine unerträgliche Atmosphäre im Raum. Die Spanier sind, was Frischluft betrifft, sehr kälteempfindlich, so daß an das Öffnen eines Fensters nicht zu denken ist. So fällt die Konzentration besonders schwer und ich mache drei Kreuze, als die meisten Leute gegen Mittag den Raum verlassen.

Im Sprachkurs sehen wir wie erwartet den Film zu Ende. Von den Dialogen verstehe ich so gut wie überhaupt nichts. Die Darsteller sprechen einfach viel zu schnell. Gelegentlich werden wir von Jerónimo daraufhingewiesen, daß der Schauspieler eben Italienisch gesprochen hat. Irgendwie ist der Unterschied untergegangen. Der Film nimmt nach und nach immer seltsamere Züge an. Auch wenn man die Dialoge verstünde, wüßte man nicht so recht, was jetzt eigentlich abgeht. Ein Film nach meinem Geschmack. Zwar sind einige Szenen ziemlich brutal und blutig, das ganze ist aber nicht so richtig ernst zu nehmen und hat einen komischen Hintergrund. Bewußt wurden die Gewaltszenen überzeichnet.

nach oben


Samstag, 04. Dezember 1999

Richtiges Ausschlafen ist natürlich nicht drin. Samstags herrscht in Adas Frisierstube Hochbetrieb. Ich weiß nicht, was die dort anstellen, aber in der ganzen Wohnung stinkt es erbärmlich nach verschorten Haaren. So mache ich mich schnell aus dem Haus, um für das lange Wochenende einzukaufen. Ich habe mir ein Rezept aus der Supertele ausgesucht. Dumm nur, daß ich das Gemüse, das ich dafür brauche, z.Z. nicht bekommen kann, weil es dazu nicht Saison ist. Ich muß heute ohnehin noch zweimal los, einmal zu Lidl und dann zu Mercadona. Also stürze ich mich in die Arbeit. Zuerst hänge ich bei strömendem Regen meine Wäsche auf die Leine. Das schlimmste ist nicht der Regen an sich, sondern am schlimmsten sind die dicken Wassertropfen, die von der Folie, mit der die Wäscheleine überdacht ist, heruntertropfen und mir in den Kragen rinnen.

Den ganzen Tag bin ich am Programmieren und kurz vor der Verzweiflung. Es funktioniert einfach gar nichts. Ich installiere YARDSQL, eine weites Datenbanksystem, aber hier funktioniert das Speichern von Bildern auch nicht. Außerdem ist die Schnittstelle nicht richtig Dokumentiert. Dann kommt mir die Idee, doch statt der Bilder einfach nur den Pfad zu speichern, schließ will ich die des Oracle-Paketes nur simulieren. Aber ich bekomme keine Slashs in die DB (ich benutze wieder PostgreSQL. Schließlich benutze ich einen hartkodierten Pfad für die Bilder und speichere nur den Dateinamen in der DB. Jetzt endlich ein Lichtblick, aber ich bekomme die Bilder noch nicht angezeigt.

Reichlich frustriert mache ich mich an das Kochen des Abendessens. Das sollte man mit besserer Laune tun. Ich konzentriere mich nicht richtig, deshalb mißlingt das Essen völlig. Das Rezept ist für 4 Personen gedacht. Also halbiere ich großzügig die Werte, nicht aber das Wasser. Klar, daß so keine vernünftige Sauce zustandekommt. Außerdem sind die Rezepte in meinem neuen Kochbuch für Profis gedacht, manche Arbeitsschritte werden einfach nicht genannt. Es werden zwei Töpfe gebraucht, da sind Formulierungen wie "man gebe hinzu" ungeeignet, zumindest ohne die Angabe eines weiteren Parameters, der die Topfinstanz genauer beschreibt ( ich glaube, ich programmiere zuviel...).

nach oben


Sonntag, 05. Dezember 1999

Heute mache ich mich ausgeruhter an die Arbeit. Das ist auch bald mit Erfolg gekrönt, denn die Bilder erscheinen jetzt auf dem Bildschirm. Um meine gute Laune nicht zu verderben, höre ich mit dem Erfolgserlebnis auf. Das Wetter ist hervorragend, ich nutze die Mittagssonne zu einem ausgedehnten Spaziergang. Ich folge dem Río Genil in östlicher Richtung, bis ich fast am Ende Granadas angelangt bin. Die Ruhe, die hier herrscht, ist angenehm, man merkt, daß es Sonntag ist. Auf dem Rückweg verlasse ich den Fluß bei der Carrera del Genil und gehe über Puerta Real und Calle Las Recogidas zurück nach Hause. Es ist so warm, daß ich mich im Pullover fast zu dick bekleidet fühle.

Gleich nach dem Mittagessen bereite ich das Abendessen vor. Die zweite Hälfte des Blumenkohls will ich dem neuen Kochbuch folgend zu Salat verarbeiten. Mit vollem Magen zu kochen, geht viel leichter. Anschließend rufe ich Kai an, weil ich heute Abend ausgehen möchte. Kai und Christian wollen heute ins Kino gehen, da werde ich mich anschließen. Jetzt zahlt es sich aus, daß ich das Abendessen schon vorbereitet habe, denn ich will schon um acht in La Cartuja sein. Doch der Weg dorthin ist weit. An der Bushaltestelle kommen alle Linien an, nur nicht die Linie 5. Wer weiß, vielleicht fährt die ja gar nicht sonntags abends?

Nach etwa 20 Minuten kommt der Bus. So eine Busfahrt ist gar nicht so schlecht, weil man da die Stadt gut beobachten kann. Mitten auf der Camino de Ronda, einer der Hauptverkehrsstraßen, wird ein Kleinkind zum Pinkeln aus dem Auto ausgeladen und an einen Baum gestellt, mitten im dichtesten Trubel. Der Verkehr ist bald noch dichter als zu normalen Stoßzeiten innerhalb der Woche. Die Fahrt dauert fast eine halbe Stunde. Immerhin habe ich mir beim letzten Mal die Haltestelle gemerkt, so daß ich Kais Wohnung schnell finde, ohne groß suchen zu müssen.

Bevor wir ins Kino gehen, gibt es noch etwas zu essen. Kais Tomaten-Chilli-Sauce ist echt ein Kracher. Leider habe ich keinen großen Hunger mehr, sonst hätte ich noch mehr zugeschlagen. Durch die Esserei verspäten wir uns natürlich, so daß der Film, den wir eigentlich sehen wollten (der neue James Bond) schon angefangen hat. Die Auswahl ist nicht einfach, obwohl nur acht der zwölf Kinos geöffnet haben. Wir entscheiden uns spontan für "El club de lucha" mit Brd Pitt. Leider haben wir so ziemlich die letzten Karten bekommen und sitzen in der zweiten Reihe. Wir kommen exakt pünktlich, gerade als wir uns hingesetzt haben, beginnt der Vorspann. Die Kamerafahrten sind so rasant, daß ich befürchte, daß mir im Verlauf des Films schlecht werden wird. Aus dieser Perspektive ist es wirklich anstrengend, die Schrift kann ich gar nicht lesen.

Mit der Zeit gewöhne ich mich aber an die Nähe zur Leinwand. Immerhin ist die Sitzposition das einzig unbequeme, die Sitze sind gut gepolstert, und ich habe genügend Beinfreiheit. Der Film ist gut, aber mit unheimlich vielen Gewaltszenen ausgestattet. An einigen Stellen schließe ich die Augen, weil ich es zu brutal finde. Ich bin sonst eigentlich nicht so zartbesaitet. Jedenfalls dauert der Film fast zweieinhalb Stunden. Was anfangs noch alles logisch erschienen ist, wird hinterher in Frage gestellt. Wieder einer von den "Häh? Wie jetzt???" Filmen. Ich denke, er ist empfehlenswert.

Anschließend teilen Christian und ich uns ein Taxi in die Stadt. Es ist gar nicht so einfach, "hier draußen" ein Taxi zu finden. Endlich winken wir eines heran. Der Fahrer hält und erzählt, daß er Kundschaft habe. Er macht aber keine Anstalten weiterzufahren, weshalb wir denken, ihn nicht richtig verstanden zu haben und einsteigen. Nach etwa hundert Metern hält er an und wiederholt, daß er Kundschaft habe, anstatt uns direkt zu bitten, auszusteigen. Erst als Christian nachfragt, ob wir denn jetzt aussteigen sollen, sagt er ja. Warum hat er nicht gleich gesagt, daß er uns nicht mitnehmen kann? Wieso hat er uns überhaupt einsteigen lassen? Jedenfalls einige Minuten später bekommen wir ein anderes Taxi. Der Fahrer, Mitte 40, gut gekleidet und gut gelaunt, zieht sich ACDC rein, oder "Hace de cé", wie es der Priester in "El día de la bestia" aufgeschrieben hat. Wir fahren durch die enge Calle Elvira zur Plaza Nueva. Die Zufahrt zum Plaza Nueva ist beschränkt, ich glaube man muß als Tourist bezahlen. Statt einer ordinären Ampel, an die sich niemand halten würde oder eine Schranke, die häßlich wäre, stehen als Sperre zwei absenkbare Poller auf der Straße, die mit mit roten Leuchtringen ausgestattet sind, damit man sie im Dunkeln gut sieht. Auf der Straße herrscht hochbetrieb. Hier befindet sich eine Kneipe neben der anderen. An der eben beschriebenen Absperrung stehen bestimmt zehn bis fünfzehn junge Leute, die eine Welle machen, als wir vorbeifahren. Der Taxifahrer kriegt sich vor Freude fast nicht wieder ein.

Das letzte Stück vom Plaza Nueva gehe ich zu Fuß. Ich bin wieder mal am frieren, habe ich mich also wieder täuschen lassen. Auch wenn es tagsüber in der Sonne über 20°C sind, ist die Luft kalt. Tagsüber mögen es vielleicht 15°C sein, nachts kühlt es auf unter 5°C ab.

nach oben


vorherige Woche

   

Home

   

nächste Woche

Montag Dienstag Mittwoch Donnerstag Freitag Samstag Sonntag

© 1999 - 2001 Torsten Klie

Last modified: Sat Mar 24 00:30:56 CET 2001